Wie eine japanische Hoppy Saison mit 94 % Vergärgrad beim World Beer Cup Gold gewann
Eine Saison ist normalerweise nicht das erste Bier, das man mit:
Mosaic + Nelson Sauvin + Hallertau Blanc + Cascade
in Verbindung bringt.
Noch weniger erwartet man vielleicht eine Kombination aus:
Belgischer Saisonhefe + modernen amerikanischen und neuseeländischen Hopfen
als Grundlage eines World-Beer-Cup-Goldbiers.
Genau das ist FUNCTION von Nara Brewing Co. aus Nara, Japan.
Beim World Beer Cup 2026 gewann FUNCTION Gold in der Kategorie American-Belgo-Style Ale. In dieser Kategorie traten 34 Biere an. (cdn.worldbeercup.org)
Nara Brewing bezeichnet FUNCTION selbst als:
American-Belgo-Style Ale
und beschreibt es als:
eine Hoppy Saison, bei der eine belgische Saisonhefe mit modernen amerikanischen und neuseeländischen Hopfen kombiniert wird. (Nara Brewing Co.)
Das Spannende an diesem Gold Clone ist jedoch nicht nur die ungewöhnliche Hopfenkombination.
Noch interessanter ist:
Der Brauer hat die komplette Homebrew-Rezeptur selbst öffentlich gemacht.
Yasunori Namioka, Gründer und Brauer von Nara Brewing, veröffentlichte im Mai 2026 eine auf 19 Liter umgerechnete Rezeptur und erklärte dabei ausdrücklich, dass Rezepte für ihn eine Art offene Wissensbasis sein können. Gleichzeitig warnt er davor, zu erwarten, dass man FUNCTION damit exakt kopieren kann: Die Geometrie und Eigenschaften des Gärtanks beeinflussen seiner Ansicht nach das fertige Bier. (note(ノート))
Damit ist FUNCTION ein besonders interessanter Fall für unsere World Beer Cup Gold Clone Series:
Ein vollständiges Brewer Recipe ist verfügbar – und der Brauer selbst erklärt gleichzeitig, warum ein Rezept niemals die gesamte Brauprozess-Information enthält.
1. Das Goldmedaillenbier im Überblick
| Merkmal | FUNCTION |
|---|---|
| Brauerei | Nara Brewing Co. |
| Herkunft | Nara, Japan |
| World Beer Cup | 2026 |
| Auszeichnung | Gold Medal |
| Kategorie | American-Belgo-Style Ale |
| Teilnehmer | 34 |
| Brauereistil | Hoppy Saison / American-Belgo-Style Ale |
| Ausschlag | 19 L |
| Sudhausausbeute | 88 % |
| OG | 1.047 |
| FG | 1.003 |
| Alkohol | 6,0 % vol. |
| IBU | 28 |
| Farbe | 4 °L |
| Hefe | Lallemand Belle Saison |
| Malz | Pilsner Malt, Pale Ale Malt, Carapils/Carafoam |
| Hopfen | Mandarina Bavaria, Hallertau Blanc, Cascade, Mosaic, Nelson Sauvin |
| Charakter | Weißwein, weiße Traube, Citrus, Tropical Fruit, Berry |
| Besonderheit | 94 % scheinbarer Vergärgrad |
Die von Nara Brewing selbst veröffentlichte Rezeptur nennt für 19 Liter:
OG 1.047 · FG 1.003 · 6,0 % vol. · 28 IBU · 94 % Attenuation. (note(ノート))
Das aktuelle Produktprofil von Nara Brewing bestätigt:
6,0 % vol. · 24 IBU
und nennt dieselbe zentrale Hopfenkombination. Die leichte IBU-Abweichung zwischen Brewer Recipe und aktueller Produktseite ist für uns kein Problem; unterschiedliche Batch- und Produktionsbedingungen können solche kleinen Unterschiede erklären. (Nara Brewing Co.)
2. Was ist American-Belgo-Style Ale?
Die offizielle WBC-Kategorie ist bewusst breit definiert.
American-Belgo-Style Ales kombinieren:
amerikanisch geprägte Hopfencharaktere
mit:
belgisch geprägten Hefearomen.
Die World Beer Cup beschreibt ausdrücklich mittlere bis hohe fruchtige Ester sowie belgische Hefemerkmale wie:
- Banane
- Beeren
- Apfel
- Gewürze
in Balance mit:
- Malz
- Bittere
- amerikanischen Hopfen. (World Beer Cup)
Damit ist FUNCTION praktisch ein Paradebeispiel für die Kategorie.
Nara Brewing beschreibt das Bier selbst noch konkreter:
Hoppy Saison mit Saisonhefe und Hopfen, wie man sie aus modernen amerikanischen IPAs kennt. (Nara Brewing Co.)
3. FUNCTION ist eigentlich eine Saison
Das ist wichtig.
Wer nur den Namen:
American-Belgo-Style Ale
liest, könnte denken:
„Belgian Ale mit amerikanischem Hopfen.“
Das trifft FUNCTION nur teilweise.
Nara Brewing selbst nennt das Bier:
Hoppy Saison.
Die Basis ist also eine Saison.
Die amerikanisch-belgische Komponente entsteht durch:
Saison Yeast + moderne Hopfenauswahl. (Nara Brewing Co.)
Das macht die Rezeptlogik sehr klar.
4. Warum funktioniert diese Kombination überhaupt?
Belgische Saisonhefen und moderne Hopfen können sich entweder:
perfekt ergänzen
oder:
gegenseitig überlagern.
Eine Saisonhefe produziert bereits:
- Frucht
- Gewürze
- leichte Säure
- trockenen Eindruck
- phenolische Noten.
Dazu kommen bei FUNCTION:
- Nelson Sauvin
- Hallertau Blanc
- Mosaic
- Cascade
- Mandarina Bavaria.
Damit entstehen gleich mehrere Fruchtebenen.
Die Kunst besteht darin, dass diese Aromen nicht zu einem undefinierten:
„Fruit Bomb“
werden.
5. Die zentrale Idee von FUNCTION
Wenn man die Beschreibung von Nara Brewing zusammenfasst, ist das Ziel ungefähr:
Weiße Traube + Citrus + Tropical Fruit + Berry
auf:
einem trockenen Saison-Grundgerüst.
Der wichtigste Punkt ist deshalb nicht:
maximale Hopfenintensität.
Sondern:
Aroma + Dryness.
Das ist die eigentliche Recipe DNA von FUNCTION.
6. Nelson Sauvin – der Hauptdarsteller
Nara Brewing macht keinen Hehl daraus:
Nelson Sauvin ist der wichtigste Hopfen von FUNCTION. (Nara Brewing Co.)
Dieser neuseeländische Hopfen ist besonders bekannt für Aromen, die an:
- Sauvignon Blanc
- weiße Trauben
- Stachelbeere
- Citrus
- tropische Früchte
erinnern können.
Genau deshalb passt er hervorragend zu einer Saison.
Denn die Hefe bringt:
Würze + Fruchtigkeit
während Nelson Sauvin:
White Wine / White Grape
beiträgt.
7. Warum Nelson Sauvin und Saisonhefe so gut zusammenpassen
Das ist wahrscheinlich der wichtigste sensorische Grundgedanke des Bieres.
Saisonhefe
→ Spice
→ Fruit
→ Dryness
Nelson Sauvin
→ White Grape
→ Wine-like Character
Zusammen entsteht:
eine Art trockener, weiniger Fruchtcharakter.
Das Bier wird dadurch deutlich komplexer als ein einfaches:
Hopfen + Hefe
Profil.
8. Hallertau Blanc
Der zweite wichtige Bestandteil ist:
Hallertau Blanc.
Auch dieser Hopfen wird häufig mit:
Weißwein
und:
weißen Trauben
in Verbindung gebracht.
Nara Brewing kombiniert Hallertau Blanc bewusst mit Nelson Sauvin. (Nara Brewing Co.)
Damit entsteht:
Weinprofil × Weinprofil
statt:
Weinprofil × Citrus.
Das verleiht FUNCTION seinen ungewöhnlichen Charakter.
9. Warum nicht nur Nelson Sauvin?
Wenn man unbedingt:
Sauvignon-Blanc-Charakter
möchte, könnte man einfach:
100 % Nelson Sauvin
verwenden.
Aber Nara Brewing wollte mehr Komplexität.
Hallertau Blanc liefert eine zweite:
white-grape-like layer.
Damit wird der Eindruck breiter.
Das ist ein gutes Beispiel für:
Hop Blending by Aroma Family.
Nicht jede Sorte wird gewählt, weil sie möglichst anders riecht.
Manchmal werden mehrere Sorten kombiniert, die:
ähnliche Aromen
auf unterschiedlichen Wegen erzeugen.
10. Mosaic
Danach kommt:
Mosaic.
Mosaic bringt:
- Beeren
- tropische Früchte
- Citrus
- reife Fruchtigkeit.
Damit verschiebt sich das Aroma von:
White Wine
in Richtung:
White Wine + Tropical Fruit + Berry.
Nara Brewing nennt Mosaic ausdrücklich als Bestandteil dieser komplexen Fruchtkombination. (Nara Brewing Co.)
11. Cascade
Cascade ist eine weitere wichtige Ergänzung.
Die klassische amerikanische Hopfensorte liefert:
- Citrus
- Grapefruit
- leichte Blumen
- würzige Fruchtigkeit.
Damit entsteht eine Brücke zwischen:
Nelson / Hallertau Blanc
und:
Mosaic.
Es ist also nicht einfach:
„fünf Hopfensorten“.
Jede Sorte übernimmt eine andere Ecke des Aromaprofils.
12. Mandarina Bavaria
Die letzte Sorte:
Mandarina Bavaria
bringt zusätzliche:
Citrusnoten
und eine leicht weichere Fruchtigkeit.
Das ist besonders interessant, weil Mandarina Bavaria aus Deutschland stammt und damit eine zusätzliche Brücke zwischen:
europäischen Hopfen
und:
modernen New-World-Hopfen
bildet.
13. Die Hopfenstruktur von FUNCTION
Wenn wir die Aromalogik vereinfachen:
Nelson Sauvin
→ White Grape / Wine
Hallertau Blanc
→ White Grape / Wine
Mosaic
→ Berry / Tropical Fruit / Citrus
Cascade
→ Grapefruit / Citrus
Mandarina Bavaria
→ Citrus / Fruit
Damit ergibt sich:
White Grape + Citrus + Berry + Tropical Fruit
Das ist die eigentliche Hopfen-DNA des Bieres.
14. Das Beeindruckende: Das Malz ist extrem einfach
Die veröffentlichte Rezeptur besteht aus nur:
- 3,4 kg Pilsner Malt
- 250 g Pale Ale Malt
- 250 g Carapils/Carafoam.
Gesamt:
3,9 kg auf 19 Liter. (note(ノート))
Das ist sehr wenig Komplexität.
Und das ist absolut beabsichtigt.
15. Warum so wenig Spezialmalz?
Weil die gesamte Aromakomplexität bereits aus:
Hefe + Hopfen
kommt.
Wenn man jetzt noch:
- Munich
- Vienna
- Crystal
- Wheat
- Biscuit
hinzufügen würde,
könnte die Malzbasis zu viel Aufmerksamkeit bekommen.
FUNCTION braucht keine:
Malzshow.
Es braucht:
eine neutrale Leinwand für Hefe und Hopfen.
16. Pilsner Malt
Der größte Teil der Schüttung:
Pilsner Malt
liefert:
- helles Malz
- leichte Brotigkeit
- Getreide
- saubere Basis.
Die Farbe liegt nur bei:
4 °L. (note(ノート))
Das unterstreicht:
Pale Malt Base.
17. Pale Ale Malt
Dazu kommen:
250 g Pale Ale Malt.
Das ist eine relativ kleine Menge.
Die Funktion:
etwas mehr Malzkörper und eine leicht kräftigere Basis
als bei einer ausschließlich aus Pilsner Malt bestehenden Schüttung.
Dadurch entsteht ein kleiner:
Malt Backbone
für die hohe Hopfenintensität.
18. Carapils / Carafoam
Die dritte Komponente:
250 g Carapils/Carafoam.
Die Funktion:
- Schaum
- Textur
- Körper
- etwas Mundgefühl.
Das ist besonders wichtig, weil das Bier gleichzeitig:
extrem trocken
wird.
19. Ein Zielkonflikt: sehr trocken, aber nicht dünn
FUNCTION erreicht:
FG 1.003
bei:
OG 1.047.
Das entspricht:
ungefähr 94 % apparent attenuation. (note(ノート))
Das ist extrem trocken.
Wenn man gleichzeitig:
100 % Pilsner Malt
verwenden würde,
könnte das Ergebnis sehr dünn wirken.
Carapils/Carafoam hilft dabei:
Textur ohne zusätzliche Süße
bereitzustellen.
20. Die eigentliche Geheimwaffe ist also nicht der Hopfen
Natürlich sind die Hopfen spektakulär.
Aber der technische Schlüssel des Bieres ist wahrscheinlich:
Vergärgrad.
1.047 → 1.003
bedeutet:
Fast alles Vergärbare wird tatsächlich vergoren.
Das erklärt einen großen Teil der:
Leichtigkeit
und:
Trinkbarkeit.
21. Warum ist 94 % so wichtig?
Denn die Rezeptur enthält:
sehr viel Hopfenaroma.
Wenn der Finish gleichzeitig:
süß
wäre,
würde das Bier schnell:
klebrig
oder:
marmeladig
wirken.
Durch:
FG 1.003
bleibt es:
trocken, schlank und präzise.
Das ist die perfekte Grundlage für:
Nelson Sauvin + Mosaic.
22. Die Maische
Die veröffentlichte Recipe verwendet:
64 °C / 60 min
als:
Single Infusion Mash. (note(ノート))
Das ist relativ niedrig.
Und genau das passt zur Zielsetzung:
maximale Vergärbarkeit.
Hier gibt es keinen:
Step Mash.
Keine:
Dekoktion.
Keinen:
komplexen Temperaturplan.
Die Einfachheit ist bewusst.
23. Warum 64 °C?
Weil wir:
hochvergärbare Würze
brauchen.
Eine höhere Maischetemperatur würde:
mehr Dextrine
und:
mehr Restkörper
erzeugen.
Das wäre für dieses Bier kontraproduktiv.
FUNCTION möchte:
dry
und:
crisp
sein.
24. Diese Maische ist fast das Gegenteil von Pueblito
Bei:
Pueblito
haben wir viel Wert auf:
- Roast
- Body
- Malt Layering
gelegt.
FUNCTION macht fast das Gegenteil:
helle Malzbasis
→
niedrige Maischetemperatur
→
hohe Vergärbarkeit
→
extreme Trockenheit.
Das zeigt wieder:
Recipe Design beginnt mit dem gewünschten Finish.
25. Die Wasserchemie
Die von Yasunori Namioka veröffentlichte Rezeptur enthält ein erstaunlich detailliertes Wasserprofil:
| Ion | Zielwert |
|---|---|
| Ca | 60 ppm |
| Mg | 3 ppm |
| Na | 26 ppm |
| HCO₃ | 47 ppm |
| SO₄ | 70 ppm |
| Cl | 69 ppm |
Damit liegt:
SO₄ : Cl ≈ 1 : 1. (note(ノート))
Namioka erklärt, dass dieses ausgewogene Verhältnis:
Bittere und Malzcharakter gleichzeitig sichtbar halten soll.
26. Warum ist das Wasser nicht stark chloridbetont?
Vergleiche mit unserer Helles:
Construct of Quality
hatte:
Cl 100 ppm
SO₄ 50 ppm.
FUNCTION liegt dagegen ungefähr bei:
Cl 69 ppm
SO₄ 70 ppm.
Der Grund ist klar:
Hier soll die Hopfenbittere stärker hervortreten.
Das Wasser unterstützt damit:
Hop + Malt Balance.
27. Warum auch etwas Natrium?
Das Wasserprofil nennt:
Na 26 ppm. (note(ノート))
Das ist kein extrem hoher Wert.
In dieser Größenordnung kann Natrium zur:
Vollständigkeit des Geschmacks
beitragen.
Aber:
Für DIYBrew muss Natrium nicht künstlich auf exakt 26 ppm eingestellt werden.
Wichtiger ist:
das Gesamtprofil.
28. Warum relativ wenig Hydrogencarbonat?
Mit:
47 ppm HCO₃
liegt das Wasser relativ niedrig alkalisch.
Das ist für ein:
sehr helles Ale
mit:
Pilsner Malt
und:
hoher Vergärbarkeit
sinnvoll.
Die Maische soll:
leicht sauer
und:
enzymatisch gut steuerbar
bleiben.
29. Wasser als Hopfenwerkzeug
Das ist vielleicht die wichtigste Wasserlektion aus diesem Clone.
Ein Wasserprofil mit:
SO₄ ≈ Cl
hilft dabei:
Malt und Hopfen gleichzeitig präsent zu halten.
Das ist ganz anders als ein:
stark chloridbetontes Helles-Wasser.
Und auch anders als ein:
extrem sulfatreiches West-Coast-IPA-Wasser.
FUNCTION liegt:
genau dazwischen.
30. Die Bittere: 28 IBU
Die veröffentlichte Brewer Recipe nennt:
28 IBU. (note(ノート))
Das ist interessant.
Denn das Bier lebt stark von:
Hop Aroma.
Aber:
28 IBU
sind ausreichend, um:
den trockenen Finish
zu unterstützen,
ohne die Fruchtaromen zu erschlagen.
31. Mandarina Bavaria als Bitterhopfen
Die erste Hopfengabe:
Mandarina Bavaria
erfolgt:
60 min.
5 g bei:
9,5 % Alpha Acid.
([turn226324view0])
Das ist eine sehr kleine Menge.
Die Hauptfunktion:
Bittere.
Das Aroma wird später durch:
die späten und trockenen Gaben
aufgebaut.
32. Hallertau Blanc bei 10 Minuten
Dann:
Hallertau Blanc
14 g:
bei 10 min.
Damit kommt eine deutliche:
White-Grape
Komponente bereits in der Kochphase hinzu.
33. Whirlpool
Danach folgen:
Hallertau Blanc
Cascade
im:
Whirlpool.
Die veröffentlichte Recipe verwendet:
9 g Hallertau Blanc
und:
24 g Casc(note(ノート))
Das erzeugt:
Citrus + White Grape
ohne eine aggressive Bittere.
34. Dry Hop – die eigentliche Aromabombe
Hier wird FUNCTION wirklich interessant.
Der Dry Hop erfolgt in:
zwei Stufen.
Diese Aufteilung ist Teil der Brewer Recipe.
35. Erste Dry-Hop-Gabe: Tag 3
Am:
3. Gärtag
kommen:
24 g Mosaic Cryo
in den Gärt(note(ノート))
Das ist ungewöhnlich früh.
Warum?
Weil zu diesem Zeitpunkt noch:
aktive Gärung
stattfindet.
36. Warum so früh dry hoppen?
Namioka gibt eine sehr interessante Begründung:
Die vorhandene CO₂-Aktivität schützt die erste Hopfengabe teilweise vor Sauerstoffeintrag.
Das bedeutet:
Die Hefe produziert während der aktiven Gärung weiterhin CO₂,
wodurch die Oberfläche weniger stark mit Sauerstoff in Kontakt kommt.
Für Hobbybrauer ist das ein sehr interessantes Low-Oxygen-Konzept.
37. Aber Vorsicht mit „Biotransformation“
Man könnte jetzt schnell sagen:
„FUNCTION macht frühes Dry Hopping wegen Biotransformation.“
Das wäre zu pauschal.
Die öffentliche Brewer Recipe erklärt vor allem:
Schutz vor Oxidation durch aktive Gärung
und:
die Integration des Hopfens.
Wir sollten deshalb nicht behaupten, der Clone sei primär eine:
„Biotransformation Recipe“.
Die tatsächliche Strategie ist:
Early Hop Addition under active fermentation.
38. Zweite Dry-Hop-Gabe
Die zweite Gabe erfolgt:
ungefähr 1 °P
oder:
0.004 SG
vor der erwarteten Endvergär(note(ノート))
Dann kommen:
14 g Nelson Sauvin
und:
24 g Mosaic T-90.
Damit entsteht:
White Grape + Berry + Tropical Fruit
auf der Basis der ersten Hopfengabe.
39. Warum zwei verschiedene Mosaic-Produkte?
Das ist ein besonders interessantes Detail.
Mosaic Cryo
→ konzentrierter Hopfencharakter
Mosaic T-90
→ klassisches Pellet
Dadurch kann man:
unterschiedliche Extraktion
und:
unterschiedliche Hopfenfraktionen
kombinieren.
Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass:
„Mosaic“ nicht gleich „Mosaic“
ist.
Form und Verarbeitung beeinflussen das Endresultat.
40. Nelson Sauvin kommt spät
Nelson Sauvin wird bewusst erst:
kurz vor dem Ende der Gärung
eingesetzt.
Das ist sinnvoll.
Denn die gewünschte:
White-Grape / Sauvignon-Blanc
Note soll möglichst deutlich und frisch bleiben.
41. Der Hopfenplan von FUNCTION
Damit sieht das Gesamtsystem so aus:
60 min
Mandarina Bavaria
→ Bittere
10 min
Hallertau Blanc
→ White Grape
Whirlpool
Hallertau Blanc + Cascade
→ White Grape + Citrus
Day 3
Mosaic Cryo
→ Berry + Tropical Fruit
Kurz vor FG
Nelson Sauvin + Mosaic T-90
→ White Grape + Berry + Tropical Fruit
Das ist sehr logisch aufgebaut.
42. Die Hefe: Belle Saison
Und jetzt kommt die entscheidende Hälfte:
**Lallemand Belle Saiso(note(ノート))
Nicht:
W-34/70.
Nicht:
neutral American Ale.
Nicht:
klassische belgische Abbey Yeast.
Sondern:
Saisonhefe.
43. Pitch Temperature
Die öffentliche Recipe verwendet:
19 °C
als Anstelltempera(note(ノート))
Danach:
lässt man die Temperatur natürlich ansteigen.
44. Free Rise bis 25 °C
Die Hefe darf während der aktiven Gärung:
von 19 °C
bis:
ungefähr 25 °C
steigen.
Das ist ausdrücklich Teil der Rec(note(ノート))
Und genau das ist für das Aromaprofil sehr wichtig.
45. Warum die Temperatur so stark steigen darf
Belle Saison produziert bei wärmerer Führung:
- Ester
- Phenole
- Gewürznoten
- Fruchtigkeit.
Nara Brewing möchte diese Charakteristik nicht vermeiden.
Im Gegenteil:
Die Hefe ist Teil des Aromadesigns.
Die Hopfen liefern:
White Grape + Citrus + Fruit.
Die Hefe ergänzt:
Spice + Fruit + Dryness.
46. Das erklärt den Namen „American-Belgo“
Die „American“-Seite kommt aus:
modernen Hopfen.
Die „Belgo“-Seite kommt aus:
Saisonhefe.
Das Bier braucht deshalb nicht zwingend belgische Malze oder belgische Spezialzutaten.
Die belgische Identität entsteht vor allem:
durch die Hefe.
47. 94 % Attenuation
Jetzt kommen alle Variablen zusammen:
64 °C Maische
Belle Saison
Free Rise
=
FG 1.003
Das ist die technische Grundlage des Bie(note(ノート))
Eine so trockene Endvergärung ist genau das, was verhindert, dass:
6 % Alkohol + viel Hopfen + Fruchtester
zu schwer wirken.
48. Dryness ist nicht nur ein Geschmackseffekt
Bei FUNCTION ist Dryness fast eine:
Strukturkomponente.
Sie schafft Platz für:
Hopfen
und:
Hefearoma.
Ein Bier mit:
FG 1.010–1.012
würde mit diesen Hopfen wahrscheinlich deutlich süßer wirken.
Mit:
FG 1.003
wird es:
leicht
und:
schlank.
49. Die Kombination aus Hefe und Hopfen
Jetzt lässt sich die Aromalogik sehr gut darstellen:
Belle Saison
→ Spice
→ Fruit
→ Dryness
→ leichte Säure
Nelson Sauvin
→ White Grape
Hallertau Blanc
→ White Grape
Mosaic
→ Berry + Tropical Fruit
Cascade
→ Citrus
Mandarina Bavaria
→ Citrus
Das Ergebnis:
White Grape + Citrus + Berry + Tropical Fruit + Spice
und:
trockener Finish.
50. Genau hier unterscheidet sich FUNCTION von IPA
Ein IPA könnte ähnliche Hopfen verwenden.
Aber:
IPA-Hefe
würde meist ein anderes Fundament erzeugen.
Bei FUNCTION kommt eine zweite Fruchtschicht hinzu:
Yeast-derived Fruit + Hop-derived Fruit
und zusätzlich:
Belgian Spice.
Das macht das Bier wesentlich komplexer.
51. Die Säure
Nara Brewing beschreibt FUNCTION außerdem als:
leicht säuerlich
bzw. mit:
einer leichten Säure, die zur Drinkability beitr(Nara Brewing Co.)
Wichtig:
Das ist keine Sour Beer.
Es handelt sich eher um:
eine leichte, hefe- und stilbedingte Säurewahrnehmung.
Diese unterstützt:
den trockenen Finish.
52. Warum die leichte Säure wichtig ist
Stell dir vor:
6 % Alkohol
Tropical Fruit
Berry
Hefeester.
Ohne Säure könnte das Bier schnell:
weich
oder:
süßlich
wirken.
Die leichte Säure sorgt für:
Spannung und Frische.
53. Das ist auch der Grund, warum 1.003 so sinnvoll ist
Säure:
zieht nach vorne.
Trockenheit:
zieht nach hinten.
Hopfen:
bringt Frucht.
Hefe:
bringt Würze.
Diese vier Elemente halten sich gegenseitig in Balance.
54. Der vielleicht wichtigste Satz des Brewers
Namioka sagt ausdrücklich:
Selbst mit diesem Rezept könne man FUNCTION nicht vollständig identisch reproduzieren.
Der Grund sei nicht, dass er irgendeine geheime Zutat zurückhält.
Vielmehr:
**Die Form und Geometrie des Gärtanks verändert das Ergebni(note(ノート))
Das ist eine sehr interessante Aussage.
55. Warum verändert ein Gärtank das Bier?
Unter anderem können sich unterscheiden:
- Höhe des Tanks
- Oberfläche
- hydrostatischer Druck
- Konvektion
- Hefeverteilung
- Hopfenkontakt
- CO₂-Austrag
- Temperaturverteilung.
Gerade bei:
Saisonhefe
und:
Dry Hop
können solche Unterschiede die Aromatik beeinflussen.
Das bedeutet:
Recipe ≠ vollständiger Prozess.
56. Diese Aussage passt perfekt zur Gold Clone Series
Wir versuchen nicht:
den Mythos „Original Recipe“ zu verkaufen.
Wir wollen verstehen:
Warum dieses Bier funktioniert.
FUNCTION liefert dafür ein außergewöhnlich gutes Beispiel:
Der Brauer selbst veröffentlicht die Rezeptur
und sagt gleichzeitig:
Das Rezept allein reicht nicht.
57. DIYBrew 20-L-Reconstruction
Hier haben wir eine einmalig gute Datenlage.
Wir können die Brewer Recipe praktisch direkt übernehmen.
Zielwerte
| Parameter | DIYBrew |
|---|---|
| Ausschlag | 20 L |
| OG | 1.047 |
| FG | 1.003 |
| ABV | 6,0 % |
| IBU | 28 |
| Farbe | ca. 4 °L |
| Maische | 64 °C × 60 min |
| Anstellen | 19 °C |
| Freier Temperaturanstieg | bis ca. 25 °C |
| Hefe | Belle Saison |
58. DIYBrew-Malzschüttung
| Malz | Menge |
|---|---|
| Pilsner Malt | 3,4 kg |
| Pale Ale Malt | 250 g |
| Carapils / Carafoam | 250 g |
| Gesamt | 3,9 kg |
Diese Mengen stammen direkt aus der vom Brauer veröffentlichten 19-Liter-Rezep(note(ノート))
59. Wasserprofil
Als Ausgangspunkt:
| Ion | Ziel |
|---|---|
| Ca | 60 ppm |
| Mg | 3 ppm |
| Na | 26 ppm |
| HCO₃ | 47 ppm |
| SO₄ | 70 ppm |
| Cl | 69 ppm |
Damit:
**SO₄ : Cl ≈ 1 : (note(ノート))
Das Profil ist relativ ausgewogen.
Es soll:
Hopfenbittere
und:
Malz
gleichzeitig unterstützen.
60. Maische
64 °C × 60 min
Danach:
Mash-out
und:
normal abläutern.
Keine:
Dekoktion.
Keine:
Step Mash.
Keine:
komplizierte Maischeführung.
Der Fokus liegt auf:
maximaler Vergärbarkeit.
61. Hopfenplan
60 min
Mandarina Bavaria
5 g @ 9,5 % AA
10 min
Hallertau Blanc
14 g @ 11,1 % AA
Whirlpool
Hallertau Blanc
9 g @ 11,1 % AA
Cascade
24 g @ 5,2 % AA
Ziel:
**28 IB(note(ノート))
Die tatsächliche Menge muss natürlich anhand der Alphasäure des eigenen Hopfens neu berechnet werden.
62. Erste Dry-Hop-Gabe
Am:
3. Gärtag
Mosaic Cryo
24 g
zugeben.
Das ist eine sehr frühe Dry-Hop-Gabe.
Der Sinn:
Hopfenaroma während der aktiven Gärung integrieren,
wobei die weiterhin aktive CO₂-Produktion eine gewisse Schutzwirkung gegen Sauerstoff bie(note(ノート))
63. Zweite Dry-Hop-Gabe
Wenn die Würze ungefähr:
1 °P
über der erwarteten Endvergärung liegt:
Nelson Sauvin
14 g
Mosaic T-90
**24 (note(ノート))
Das ist wesentlich präziser als:
„Dry Hop am Tag 7“.
Der Trigger ist:
Gravity.
64. Warum nach Gravity und nicht nach Kalender?
Weil Saisonhefe extrem unterschiedlich schnell arbeiten kann.
Eine Packung Hefe:
kann bei einem Sud sehr schnell,
bei einem anderen deutlich langsamer
vergären.
Wenn wir das Dry Hop exakt:
am 7. Tag
geben,
kann das Timing völlig falsch sein.
Deshalb:
Dichte statt Kalender.
Das ist ein sehr gutes DIYBrew-Prinzip.
65. Hefe
Lallemand Belle Saison
Die veröffentlichte Recipe nennt:
**1 × 11 g Packun(note(ノート))
Pitch Temperature:
19 °C.
66. Freier Temperaturanstieg
Nach dem Anstellen:
Temperatur nicht aktiv niedrig halten.
Stattdessen:
free rise
bis ungefähr:
25 °C.
Hier muss man allerdings aufpassen: Die zitierte FUNCTION-Brewer-Rezeptur beschreibt ausdrücklich den freien Anstieg bis 25 °C. Das ist eine bewusste Saison-Fermentation und sollte nicht mit dem viel kühleren Lagerprozess der vorherigen Folge verwechselt wer(note(ノート))
67. Warum 25 °C?
Belle Saison soll:
Ester + Phenole + hohe Vergärbarkeit
entwickeln.
Wenn man sie stattdessen:
18–19 °C
festhält,
kann das Bier:
sauberer
aber:
weniger charaktervoll
werden.
Das wäre für FUNCTION nicht unbedingt besser.
Denn:
Belgian Yeast Character ist Teil der Rezeptur.
68. Keine Angst vor dem Free Rise
Das klingt zunächst gefährlich.
Eine Saisonhefe kann bei:
19 → 25 °C
sehr aktiv werden.
Aber genau:
diese Aktivität
ist gewünscht.
Die entscheidende Grenze:
Nicht dauerhaft über 25 °C treiben lassen.
69. Das Bier soll am Ende sehr trocken sein
Ziel:
FG 1.003.
Dieser Wert ist kein Nebeneffekt.
Er ist ein wesentlicher Bestandteil der Rezeptur.
Wenn dein Bier bei:
1.008
endet,
würde ich es nicht einfach als:
„nahe genug“
betrachten.
Die Wahrnehmung verändert sich deutlich.
70. Warum ist FG 1.003 so wichtig?
Weil die Hopfenmenge hoch genug ist:
28 IBU
und gleichzeitig:
viel Frucht
und:
viel Hefecharakter
vorhanden sind.
Mit einem höheren FG könnte das Ergebnis:
schwer
oder:
süßlich
wirken.
Der sehr trockene Finish macht FUNCTION:
refreshing.
71. Welche Rolle spielt Carapils dabei?
Carapils hilft:
etwas Textur
zu geben,
obwohl:
fast der gesamte Zucker vergoren wird.
Das verhindert:
„dry = watery“.
Wir wollen:
bone dry + enough texture.
72. Der wichtigste technische Zielkonflikt
FUNCTION muss gleichzeitig sein:
Trocken
und:
nicht dünn
Hopfig
und:
nicht bitter
Fruchtig
und:
nicht süß
Belgisch
und:
nicht phenolisch überladen.
Die Rezeptur löst diese Konflikte durch:
wenig Spezialmalz + niedrige Maische + Belle Saison + Hopfenlayering.
73. Wie sollte das fertige Bier aussehen?
Appearance
Sehr hell.
Strohfarben.
Klar bis leicht haze.
Die offizielle Produktseite gibt:
Straw
als Farbe(Nara Brewing Co.)
74. Aroma
Der erste Eindruck:
White Grape
Dann:
Sauvignon-Blanc-artige Fruchtigkeit
↓
Citrus
↓
Berry
↓
Tropical Fruit
dahinter:
Saison Spice。
75. Geschmack
Der Einstieg:
leicht malzig.
Schnell kommen:
Nelson Sauvin
und:
Hallertau Blanc
mit:
Weißtraube / Wein.
Danach:
Mosaic
mit:
Beeren und Tropenfrucht.
Im Hintergrund:
Citrus von Cascade und Mandarina Bavaria.
76. Finish
Der Abgang sollte:
sehr trocken
sein.
Dann:
leichte Bittere
und:
eine minimale Säure.
Das macht das Bier:
sehr trinkbar.
Nara Brewing beschreibt genau diese Kombination aus trockenem Saison-Finish und leichter Säure als Teil des Charakt(Nara Brewing Co.)
77. Was sollte nicht vorhanden sein?
Nicht:
süß.
Nicht:
marmeladig.
Nicht:
hopfig-bitter wie eine IPA.
Nicht:
Lösungsmittel.
Nicht:
übermäßige Nelke.
Nicht:
extreme Banane.
Nicht:
künstlich saurer Charakter.
Das Ziel:
Frucht + Gewürz + Trockenheit.
78. Die häufigsten Fehler
① Maische zu hoch
→ FG zu hoch.
② Hefe zu kalt führen
→ weniger Saisoncharakter.
③ Temperaturanstieg abbrechen
→ möglicherweise schwächere Vergärung.
④ Dry Hop nach Kalender statt Gravity
→ falsches Timing.
⑤ Nelson Sauvin zu früh oder zu heiß behandeln
→ White-Grape-Charakter verliert an Präzision.
⑥ Zu viel Sauerstoff beim Dry Hop
→ Hopfenaroma altert schnell.
⑦ Wasser zu sulfatreich
→ Bittere kann zu hart werden.
⑧ Zu viel Spezialmalz
→ Hopfen und Hefe verlieren ihre klare Bühne.
79. Die wichtigste Lehre: Recipe Simplicity
FUNCTION besteht im Grunde aus:
3 Malzen
5 Hopfen
1 Hefe.
Trotzdem entsteht ein extrem komplexes Aroma.
Das liegt daran, dass die Komplexität nicht aus:
möglichst vielen Rohstoffen
kommt.
Sondern aus:
Interaktion.
80. Die zweite Lehre: Yeast is an Ingredient, not a Background
Bei einer typischen IPA ist die Hefe oft:
möglichst neutral.
Bei FUNCTION:
ist die Hefe einer der Hauptaromageber.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Die Hopfen bestimmen:
Wine + Fruit + Citrus.
Die Hefe bestimmt:
Spice + Ester + Dryness.
Beides zusammen:
definiert den Bierstil.
81. Die dritte Lehre: Hop Blending by Aroma Family
Man könnte denken:
Warum fünf Hopfensorten?
Weil jede Sorte:
eine andere Aromafamilie
verstärkt.
Nelson Sauvin
→ Weißwein
Hallertau Blanc
→ Weißtraube
Mosaic
→ Beeren / Tropen
Cascade
→ Citrus / Grapefruit
Mandarina Bavaria
→ Citrus / Frucht
Das ist kein zufälliges Sammelsurium.
Es ist:
Aroma Architecture.
82. Die vierte Lehre: Dryness Creates Space
Mit:
FG 1.003
entsteht sehr viel:
„Platz“.
Platz für:
- Hopfen
- Hefe
- Säure
- CO₂.
Wäre das Bier:
FG 1.010+,
würde ein Teil dieser Aromen viel schwerer wirken.
Deshalb:
Dryness is not the absence of flavor.
Dryness:
makes other flavors clearer.
83. FUNCTION vs. Peaked in High School
Diese beiden Gold Clones sind ein sehr interessanter Vergleich.
Peaked in High School
W-34/70
7,5 %
60 IBU
Crystal Malt
Chinook / Simcoe / Mosaic / Centennial
Ziel:
Malt + Hop Intensity
FUNCTION
Belle Saison
6,0 %
28 IBU
Pilsner + Pale + Carapils
Nelson / Hallertau Blanc / Mosaic / Cascade / Mandarina
Ziel:
Yeast + Hop Complexity + Dryness
Beide verwenden:
moderne US/World Hopfen.
Aber:
die Hefe verschiebt die gesamte Wahrnehmung.
84. FUNCTION vs. Solveza
Noch interessanter:
Solveza
4,5 %
16 IBU
W-34/70
sehr lange Lagerung
Ziel:
Crispness
FUNCTION
6,0 %
28 IBU
Belle Saison
warme Free-Rise Fermentation
Ziel:
Dry Fruit + Spice
Die beiden Biere liegen beim Alkohol nur etwa:
1,5 Prozentpunkte
auseinander.
Aber sensorisch:
liegen Welten dazwischen.
85. Recipe DNA
Wenn wir FUNCTION auf ihre wichtigsten Komponenten reduzieren:
Pilsner Malt
→ Clean Base
↓
Pale Ale Malt
→ Malt Backbone
↓
Carapils
→ Texture
↓
64 °C Mash
→ Fermentability
↓
Mandarina Bavaria
→ Bittering
↓
Hallertau Blanc
→ White Grape
↓
Cascade
→ Citrus
↓
Mosaic
→ Berry / Tropical Fruit
↓
Nelson Sauvin
→ Wine / White Grape
↓
Belle Saison
→ Spice + Fruit + Dryness
↓
Free Rise to 25 °C
→ Yeast Character + Attenuation
↓
94 % Attenuation
→ Bone-Dry Finish
Das ist:
FUNCTION Recipe DNA
86. Original Recipe, Brewer Recipe und DIYBrew Reconstruction
Hier haben wir eine außergewöhnlich gute Quellenlage.
World Beer Cup Gold
🟢 offiziell bestätigt.
Kategorie
🟢 American-Belgo-Style Ale.
Brauerei
🟢 Nara Brewing Co.
Brewer
🟢 Yasunori Namioka.
Brewer Recipe
🟢 **vollständig öffentlich veröffentlich(note(ノート))
OG / FG / ABV / IBU
🟢 veröffentlicht.
Malt Bill
🟢 veröffentlicht.
Hop Schedule
🟢 veröffentlicht.
Dry Hop
🟢 veröffentlicht.
Wasser
🟢 veröffentlicht.
Hefe
🟢 veröffentlicht.
Fermentation
🟢 veröffentlicht.
Damit:
Recipe Status: Brewer Recipe Fully Published
Das ist eine der besten Datenlagen der gesamten World Beer Cup Gold Clone Series.
87. Noch interessanter: Der Brewer selbst spricht über die Grenzen des Clones
Namioka sagt ausdrücklich:
Selbst mit der veröffentlichten Rezeptur werde man FUNCTION nicht exakt reproduzieren.
Der Grund sei nicht ein geheimes Detail.
Vielmehr:
**Der Gärtank selbst ist Teil des Prozesse(note(ノート))
Das ist eine bemerkenswerte Aussage.
Sie erinnert uns daran:
Rezeptur ≠ Bier.
Eine Rezeptur ist:
Blueprint
Der Prozess ist:
Execution.
88. Lohnt sich der Clone?
Sehr.
Nicht nur wegen der Goldmedaille.
Sondern weil FUNCTION ein außergewöhnlich gutes Lehrstück für:
Belgian Yeast + Modern Hop Blending
ist.
Für Hobbybrauer ist außerdem angenehm:
Das Rezept ist vollständig offen.
Es gibt keine:
„geheime Zutat“.
89. Ein ideales DIYBrew-Experiment
Ich würde zwei Varianten brauen.
Batch A
Belle Saison
genau wie das Original.
Batch B
neutralere American Ale Yeast.
Dann vergleichen:
- Dryness
- White Grape
- Spice
- Fruit
- Finish.
Das Ergebnis wird sehr deutlich machen:
Wie groß der Anteil der Hefe am finalen Bier ist.
90. Zweites Experiment: Nelson Sauvin ersetzen
Batch A
Nelson Sauvin
Batch B
Hallertau Blanc
andere Parameter identisch.
Die Frage:
Wie viel des „Weißweins“ kommt wirklich von Nelson Sauvin?
Das ist ein sehr schönes Hopfenexperiment.
91. Drittes Experiment: Early vs. Late Dry Hop
Batch A
Mosaic Cryo am Tag 3
Batch B
gleiche Menge erst kurz vor FG.
Vergleichen:
- Hopfenaroma
- Frucht
- Oxidation
- Biotransformation
- Intensität.
Dabei aber unbedingt:
sauberes, sauerstoffarmes Arbeiten.
92. DIYBrew 20-L-Reconstruction
Zielwerte
Ausschlag: 20 L
OG: 1.047
FG: 1.003
ABV: ca. 6 %
IBU: ca. 28
Farbe: ca. 4 °L
Schüttung
- 3,4 kg Pilsner Malt
- 250 g Pale Ale Malt
- 250 g Carapils / Carafoam
Maische
64 °C × 60 min
Hefe
Lallemand Belle Saison
Anstellen
19 °C
Free Rise
bis ca. 25 °C
93. Hopfen
60 min
Mandarina Bavaria
10 min
Hallertau Blanc
Whirlpool
Hallertau Blanc + Cascade
Dry Hop #1
Day 3: Mosaic Cryo
Dry Hop #2
ca. 1 °P über erwarteter FG: Nelson Sauvin + Mosaic T-90
Die konkreten Mengen aus der Brewer Recipe können für 20 Liter im Wesentlichen beibehalten werden, müssen aber bei abweichender Alpha-Säure und Anlagenwirkungsgrad neu berechnet wer(note(ノート))
94. Wasser
Als Zielprofil:
Ca 60 ppm
Mg 3 ppm
Na 26 ppm
HCO₃ 47 ppm
SO₄ 70 ppm
Cl 69 ppm
Das Profil ist:
leicht sulfatreich, aber insgesamt ausgewogen.
Es unterstützt:
Bittere + Hopfen
ohne:
Malz vollständig zu verdrängen.
95. Fermentation
Anstellen
19 °C
Dann:
frei steigen lassen.
Ziel:
ca. 25 °C
bei aktiver Gärung.
Danach:
vollständig bis etwa FG 1.003 ausgären lassen.
96. Verpackung
Da FUNCTION:
sehr trocken
und:
stark hopfenbetont
ist, sollte der Transfer:
möglichst sauerstoffarm
erfolgen.
Gerade die zweite Dry-Hop-Gabe macht:
Oxygen Management
besonders wichtig.
Nach Abschluss der Gärung:
möglichst wenig Headspace
und:
saubere Keg-Füllung.
Fazit
Nara Brewing FUNCTION ist einer der interessantesten Gold Clones unserer bisherigen Serie.
Nicht weil die Rezeptur besonders kompliziert wäre.
Im Gegenteil.
Die Schüttung besteht aus:
Pilsner + Pale Ale + Carapils.
Der eigentliche Charakter kommt aus:
Hefe + Hopfen + Trockenheit.
Nelson Sauvin und Hallertau Blanc bauen:
eine ungewöhnliche Weißwein- und Traubennote
auf.
Mosaic bringt:
Beeren und Tropical Fruit.
Cascade und Mandarina Bavaria ergänzen:
Citrus.
Und Belle Saison liefert:
Gewürz, Fruchtigkeit und den extrem trockenen Finish.
Mit:
64 °C Maische
und:
94 % Vergärgrad
wird die Bühne dafür geschaffen.
Genau hier liegt die Qualität des Rezepts.
Es versucht nicht:
möglichst viele Geschmacksrichtungen gleichzeitig zu erzeugen.
Es schafft eine:
sehr trockene, einfache Basis
und lässt danach:
Hopfen und Hefe
die Hauptarbeit erledigen.
Besonders bemerkenswert ist, dass Yasunori Namioka die komplette Rezeptur öffentlich gemacht hat und gleichzeitig offen sagt:
Das Rezept allein kann das Original nicht vollständig reproduzieren.
Denn auch:
Gärtank, Prozess und Ausführung
gehören zum B(note(ノート))
Damit liefert FUNCTION vielleicht eine der besten Lektionen unserer bisherigen World Beer Cup Gold Clone Series:
Ein Rezept ist kein Bier. Es ist der Ausgangspunkt für einen Prozess.
Und bei einer Saison gilt das ganz besonders.
World Beer Cup Gold Clone #16
Nara Brewing FUNCTION
🏆 World Beer Cup 2026 – Gold Medal
Kategorie: American-Belgo-Style Ale
Brauereistil: Hoppy Saison
Recipe Status: Brewer Recipe Fully Published
Brewer: Yasunori Namioka / Nara Brewing Co.
DIYBrew Reconstruction
20 L · OG 1.047 · FG 1.003 · ca. 6,0 % vol. · 28 IBU
Pilsner Malt · Pale Ale Malt · Carapils/Carafoam
Mandarina Bavaria · Hallertau Blanc · Cascade · Mosaic · Nelson Sauvin
Lallemand Belle Saison · 64 °C / 60 min · 19 °C Anstellen · Free Rise bis ca. 25 °C · zweistufiges Dry Hop
Bei FUNCTION kommen die meisten Aromen nicht aus der Malzschüttung. Die eigentliche Komplexität entsteht dort, wo Saisonhefe und moderne Hopfen aufeinander treffen.
Für 20 L Ausschlag:
- Pilsner Malz: ca. 3,0 kg
- Pale Ale Malz: ca. 0,8 kg
- Carapils/Carafoam: ca. 0,2 kg
- Mandarina Bavaria: ca. 15 g
- Hallertau Blanc: ca. 15 g
- Cascade: ca. 15 g
- Mosaic: ca. 15 g
- Nelson Sauvin: ca. 15 g
- Lallemand Belle Saison: ca. 11 g
- Maische: 64 °C / 60 min
- Anstellen: 19 °C
- Free Rise: bis ca. 25 °C
- Dry Hop: zweistufig, insgesamt ca. 60–80 g
Ziel: Ein trockenes, fruchtig-aromatisches Belgian-style Ale mit ausgeprägten tropischen, zitrischen und weißen Traubennoten.
Hinweis: Die Mengen sind eine DIYBrew-Rekonstruktion auf Basis der öffentlich verfügbaren Informationen und nicht das originale Nara-Brewing-Rezept.
Quellen
World Beer Cup 2026 – Official Winners List
Nara Brewing FUNCTION gewann Gold in der Kategorie American-Belgo-Style Ale. In dieser Kategorie traten 34 Biere(cdn.worldbeercup.org)
World Beer Cup 2026 Style Guidelines – American-Belgo-Style Ale
Die offizielle Kategorie beschreibt die Kombination aus belgisch geprägten Hefemerkmalen und amerikanisch geprägten Hopfenaro(World Beer Cup)
Nara Brewing Co. – FUNCTION
Offizielle Produktbeschreibung: 6,0 % vol., 24 IBU, Pilsner Malt/Pale Ale Malt/Carapils und die Hopfenkombination aus Mosaic, Hallertau Blanc, Cascade, Nelson Sauvin und Mandarina Bavaria. Nara Brewing beschreibt FUNCTION als Hoppy Saison mit Saisonhefe und modernen amerikanischen IPA-Hop(Nara Brewing Co.)
Nara Brewing Co. – World Beer Cup 2026 Gold Announcement
Offizielle Bestätigung der Goldmedaille für FUNCTION und Einordnung als American-Belgo-Style Ale beim World Beer Cup 2(Nara Brewing Co.)
Yasunori Namioka – The Story of Winning Two Gold Medals at the World Beer Cup 2026 (Recipe Included)
Die wichtigste Quelle für diesen Clone. Namioka veröffentlicht hier seine 19-Liter-Rezeptur mit OG 1.047, FG 1.003, 6,0 % vol., 28 IBU, 94 % Attenuation, Wasserprofil, vollständiger Malz- und Hopfengabe, zwei Dry-Hop-Stufen sowie Belle Saison und Free Rise bis ca. 25 °C. Er erklärt außerdem ausdrücklich, warum das Rezept trotz vollständiger Veröffentlichung das Original nicht exakt reproduzieren k(note(ノート))
Nara Brewing Co. – FUNCTION Release History
Nara Brewing erklärt, dass FUNCTION seit 2022 als Standardbier geführt wird und aus einer über mehrere Sude weiterentwickelten American-Belgo-Style-Ale-Rezeptur hervorgegangen ist. Die Brauerei beschreibt die Kombination aus amerikanischer Hopfenmethodik und Saisonhefe als Kern des Bie(Nara Brewing Co.)
Hinweis zur Rezeptquelle
FUNCTION ist in dieser Serie ein besonderer Fall:
Die vollständige Brewer-Rezeptur wurde vom Brauer selbst öffentlich veröffentlicht.
Sie darf deshalb als:
Published Brewer Recipe
bezeichnet werden.
Der Autor selbst betont jedoch, dass die exakte Reproduktion des kommerziellen Bieres nicht garantiert werden kann, weil unter anderem die Geometrie und Eigenschaften des Gärtanks Einfluss auf das Endprodukt ha(note(ノート))
Die DIYBrew-Fassung basiert daher direkt auf der veröffentlichten Brewer Recipe und ist auf den üblichen Hobbybraumaßstab übertragen. Sie sollte dennoch nicht als vollständige kommerzielle Produktionsdokumentation der Nara Brewing Co. bezeichnet weden.
Bild Quelle: Kalei Winfield von Pexels


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