Brautag Blatt PDF download: WBC Clone Rezept #15
Warum eine einfache Mexican-Style Lager beim World Beer Cup Gold gewann
Es gibt Biere, bei denen man schon auf der Rezeptliste erkennt, dass viel Entwicklungsarbeit darin steckt.
Und dann gibt es Biere wie Solveza.
Die Schüttung ist überschaubar:
Pilsner Malt
Tennessee Two-Row
Flaked Corn
etwas Sauermalz
Dazu:
Saaz
Tettnanger
Columbus
und:
W-34/70.
Das Ergebnis liegt bei gerade einmal:
4,5 % vol. Alkohol und 16 IBU. (Craft Beer & Brewing)
Trotzdem gewann Solveza beim World Beer Cup 2025 Gold in der Kategorie International Light Lager. In dieser Kategorie traten 86 Biere an. (福布斯)
Peaceful Side Brewery aus Maryville, Tennessee, beschreibt Solveza selbst als:
Mexican Lager. (Peaceful Side Brewery)
Die offizielle World-Beer-Cup-Kategorie ist jedoch International Light Lager, genauer eine Kategorie, in der auch Latin-American-Style Light Lager eingeordnet werden können. (cdn.worldbeercup.org)
Diese Unterscheidung ist wichtig.
Denn Solveza ist kein Versuch, eine deutsche Helles zu kopieren. Es geht um etwas anderes:
leicht, trocken, sauber, dezent maisig und extrem trinkbar.
Und genau deshalb ist die vielleicht wichtigste Frage dieses Gold Clones:
Wie wenig braucht ein Bier, wenn wirklich alles zusammenpassen soll?
1. Das Goldmedaillenbier im Überblick
| Merkmal | Solveza |
|---|---|
| Brauerei | Peaceful Side Brewery |
| Herkunft | Maryville, Tennessee, USA |
| World Beer Cup | 2025 |
| Auszeichnung | Gold Medal |
| WBC-Kategorie | International Light Lager |
| Teilnehmer | 86 |
| Stil der Brauerei | Mexican Lager |
| OG | 1.044 / 11 °P |
| FG | 1.009 / 2,3 °P |
| Alkohol | 4,5 % vol. |
| IBU | 16 |
| Hefe | Fermentis W-34/70 |
| Getreide | Pilsner, Tennessee Two-Row, Flaked Corn |
| Hopfen | Saaz, Tettnanger, Columbus |
| Charakter | leicht, crisp, trocken, dezent maisig |
| CO₂ | ca. 2,6–2,65 Vol. |
Die von Head Brewer Seth Carter veröffentlichte Brewer-Rezeptur ist auf 19 Liter ausgelegt und nennt 72 % Sudhausausbeute, OG 1.044, FG 1.009, 16 IBU und 4,5 % vol. (Craft Beer & Brewing)
Die Brauerei selbst führt Solveza aktuell mit 4,5 % vol. und bezeichnet es als Mexican Lager. (Peaceful Side Brewery)
2. Die Idee hinter Solveza
Peaceful Side beschreibt Solveza als:
„Brewed as an ode to the sun.“ (Craft Beer & Brewing)
Das passt erstaunlich gut zu dem Bier.
Es soll nicht:
- komplex wirken
- lange analysiert werden
- besonders stark sein
- durch intensive Hopfenaromen beeindrucken.
Stattdessen geht es um:
Sonne, Sommer, Terrasse und ein Bier, das man einfach weitertrinken möchte.
Genau deshalb ist die Rezeptur so zurückhaltend.
3. Warum Solveza für Peaceful Side besonders wichtig ist
Solveza war laut den öffentlich zugänglichen Informationen die erste vollständig selbst entwickelte Recipe der Brauerei und entwickelte sich anschließend zu einem ihrer wichtigsten Biere. (Peaceful Side Brewery)
Das ist ein interessanter Punkt.
Solveza wurde also nicht primär als:
„Wettbewerbsbier“
entwickelt.
Es musste von Anfang an als:
kommerzielle, reproduzierbare Lager
funktionieren.
Das bedeutet:
Die Recipe muss nicht nur einmal gut schmecken.
Sie muss:
- stabil
- wiederholbar
- effizient
- leicht trinkbar
sein.
Dass genau so ein Bier anschließend Gold beim World Beer Cup gewinnt, macht den Clone besonders interessant.
4. Was ist das eigentliche Ziel?
Seth Carter beschreibt seine Rezeptphilosophie sehr pragmatisch:
Eine Recipe sollte möglichst einfach sein, solange sie die gewünschte Charakteristik klar herausarbeitet. (Craft Beer & Brewing)
Das ist im Grunde:
Less Noise, More Clarity
Und Solveza ist genau darauf aufgebaut.
5. Die Getreidebasis
Die veröffentlichte Recipe verwendet:
1,8 kg Malteurop Pilsen
1,2 kg Carolina Malt Tennessee Two-Row
680 g Flaked Corn
sowie:
113 g Acidulated Malt. (datocms-assets.com)
Die beiden Hauptmalze bilden den Großteil der Schüttung.
Dazu kommt:
etwa 18 % Flaked Corn.
Das ist genug, um die Rezeptur deutlich von einer klassischen deutschen Helles wegzuführen.
6. Pilsner Malt
Das Pilsner Malt liefert die eigentliche Lagerbasis:
- helles Malz
- Brot
- leichte Getreidenoten
- saubere, frische Malzaromatik.
Es sorgt dafür, dass Solveza trotz Mais:
eindeutig nach Bier
und nicht nur nach:
„Light Corn Lager“
schmeckt.
7. Tennessee Two-Row
Besonders interessant ist der zweite Basismalzanteil.
Peaceful Side verwendet:
Carolina Malt Tennessee Two-Row.
Dabei handelt es sich nicht einfach um ein beliebiges Industrieprodukt.
Das Malz stammt aus:
Tennessee.
und die Brauerei arbeitet bewusst mit lokalem Getreide. (Craft Beer & Brewing)
Seth Carter beschreibt den Charakter dieses Malzes als eher:
crackerartig
und weniger:
waferartig,
wie er es teilweise von Pilsner Malz kennt. (Craft Beer & Brewing)
Diese kleine Differenz ist für Solveza interessant.
8. Warum überhaupt zwei Basismalze?
Weil sie unterschiedliche Aspekte des sehr hellen Malzprofils liefern können.
Pilsner Malt
→ klassische Lagerbasis
Tennessee Two-Row
→ Cracker / Grain / etwas mehr Körper
Damit entsteht:
eine einfache, aber nicht eindimensionale Malzbasis.
9. Muss man das Tennessee-Malz in Deutschland exakt nachbauen?
Nein.
Und hier ist die Aussage des Brewers besonders hilfreich.
Seth Carter hält für Hobbybrauer auch andere hochwertige Two-Row-Malze für geeignet. In einem Homebrew-Ansatz würde er sogar problemlos:
Pilsner Malt + Flaked Corn
verwenden. (Craft Beer & Brewing)
Das ist für die DIYBrew-Rekonstruktion wichtig.
Das lokale Tennessee-Malz ist:
ein Teil der Identität des kommerziellen Bieres.
Aber nicht:
eine unverzichtbare technische Zutat.
10. Flaked Corn – der eigentliche Stilbaustein
Mit:
680 g Flaked Corn
ist Mais deutlich sichtbar in der Rezeptur. (datocms-assets.com)
Aber der Anteil ist bewusst nicht extrem hoch.
Der Mais soll:
- den Körper leichter machen
- die Vergärbarkeit erhöhen
- eine dezente Maisnote beitragen
- das Finish trockener wirken lassen.
Damit ist er ein:
Textur- und Vergärbarkeitswerkzeug.
11. Mexican Lager bedeutet nicht automatisch „viel Mais“
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Viele Hobbybrauer denken:
Mexican Lager = möglichst viel Corn.
Das ist zu einfach.
Solveza zeigt einen anderen Ansatz:
genug Mais, damit man ihn wahrnimmt – aber nicht genug, damit er das Bier dominiert.
Seth Carter wollte ausdrücklich:
etwas Corn Character,
aber keine übermäßige Süße. (Craft Beer & Brewing)
12. Was passiert bei zu viel Mais?
Mehr Mais kann das Bier:
leichter
und:
trockener
machen.
Aber gleichzeitig kann die Malzbasis:
weniger charaktervoll
werden.
Bei zu hohen Anteilen kann das Bier schließlich:
sehr dünn
oder:
stark getreidig
wirken.
Solveza versucht genau zwischen:
Pilsner Malt Character
und:
Light Corn Character
zu bleiben.
13. Sauermalz
Die Recipe enthält:
113 g Acidulated Malt / Sauermalz. (datocms-assets.com)
Hier geht es vor allem um:
Maische-pH.
Nicht darum, dem Bier einen sauren Geschmack zu geben.
Seth Carter nennt als Ziel:
Mash pH 5,4–5,5
und einen Kettle-/Knockout-pH von unter etwa:
5,3. (Craft Beer & Brewing)
14. Warum ist pH bei Solveza so wichtig?
Weil die Schüttung sehr hell ist.
Wir haben:
Pilsner Malt
Two-Row
Corn
aber:
keine dunklen Spezialmalze.
Deshalb hat die Maische nur wenig natürliche Säure.
Ist das Ausgangswasser alkalisch, steigt der Maische-pH schnell zu hoch.
Das kann zu:
- stumpfer Bittere
- rauerem Geschmack
- weniger Frische
- schlechterem Finish
führen.
15. Sauermalz nicht blind kopieren
Die 113 g funktionieren nur innerhalb der:
ursprünglichen Wasser- und Rezeptbedingungen.
Für DIYBrew ist deshalb sinnvoller:
Wasser analysieren
→
Mash pH messen
→
Sauermalz nach Bedarf anpassen.
Seth Carter nennt auch:
Milchsäure
oder:
Phosphorsäure
als mögliche Alternativen. (Craft Beer & Brewing)
Das ist deutlich besser, als einfach:
113 g
in jede beliebige 20-L-Anlage zu geben.
16. Wasser ist bei Solveza Teil der Recipe
Genau wie bei der Helles aus der letzten Folge ist Wasser kein Nebenthema.
Eine sehr helle Lager verzeiht:
hohe Alkalität
nur schlecht.
Für DIYBrew würde ich deshalb bevorzugen:
weiches Ausgangswasser oder RO-Wasser
und anschließend:
gezielte Mineralisierung.
Das Ziel ist:
soft + crisp
und nicht:
mineralisch hart.
17. Der Hopfen
Die Hopfenstrategie von Solveza ist ausgesprochen zurückhaltend.
Verwendet werden:
Saaz
Tettnanger
Columbus. (datocms-assets.com)
Das klingt zunächst nach einer ungewöhnlichen Kombination.
Aber jede Sorte hat eine klar definierte Aufgabe.
18. Saaz
Saaz bringt:
- feine Kräuternoten
- leichte Würze
- florale Noten
- klassischen Noble-Hop-Charakter.
Damit bekommt Solveza eine kleine Aromaschicht.
Nicht mehr.
19. Tettnanger
Tettnanger erfüllt eine ähnliche Aufgabe:
fein
würzig
floral.
Seth Carter sagt ausdrücklich, dass er:
Saaz und Tettnanger
mag, weil sie ein wenig Aroma liefern, ohne die Balance zu zerstören. (datocms-assets.com)
Das ist ziemlich genau das:
„Pop“
von dem er spricht.
20. Columbus – der stille Bitterhopfen
Columbus wirkt zunächst wie ein Fremdkörper.
Aber seine Funktion ist simpel:
Bittere.
Die veröffentlichte Recipe sieht vor:
- Saaz als First-Wort Hop
- Columbus bei 60 min
- Saaz + Tettnanger bei 10 min. (datocms-assets.com)
Die Beiträge liegen ungefähr bei:
2 IBU
7 IBU
7 IBU.
Damit kommt das Bier auf:
16 IBU.
21. Warum nicht einfach Magnum?
Für einen reinen Homebrew Bittering Hop wäre Magnum völlig logisch.
Aber:
Wir bauen hier einen Clone.
Deshalb bleibt:
Columbus
im Rezept.
Außerdem ist die Menge so gering, dass er nicht zum dominanten Aroma wird.
22. First-Wort-Hopping
Die erste Saaz-Gabe erfolgt:
First Wort Hop.
Das ist interessant, weil wir gerade bei:
Construct of Quality
eine ähnliche Technik gesehen haben.
Bei Solveza dient sie ebenfalls dazu:
eine sehr weiche Bitterstruktur
und:
einen kleinen Noble-Hop-Eindruck
zu erzeugen.
23. Warum kein Whirlpool?
Weil Solveza kein:
Hoppy Lager
sein soll.
Es gibt keine:
- Whirlpool-Hopfen
- Dry Hop
- große späte Hopfengaben.
Die Hopfenpräsenz soll:
spürbar, aber klein
bleiben.
24. Der eigentliche Star: W-34/70
Wie bei mehreren anderen Gold Clones dieser Serie kommt auch hier:
W-34/70
zum Einsatz.
Das ist inzwischen fast eine kleine Nebenstory unserer Serie.
Die gleiche Hefe funktioniert in:
- Doppelbock
- West Coast Double Red
- Mexican-style Lager
aber jeweils aus völlig unterschiedlichen Gründen.
Bei Solveza ist die Aufgabe:
Clean + Crisp + High Attenuation.
25. Cold Pitching
Hier wird es technisch interessant.
Seth Carter beginnt die Gärung bei ungefähr:
9 °C
und führt die Hauptgärung anschließend bei:
10 °C.
Das ist bewusst kalt.
Viele Hobbybrauer würden bei einem 4,5-%-Lager eher:
11–12 °C
wählen.
Peaceful Side geht etwas kälter.
26. Warum so kalt?
Weil Solveza extrem sauber sein soll.
Ein leichtes Lager hat:
wenig Alkohol
wenig Hopfen
wenig Spezialmalz.
Damit kann sich jeder kleine Hefefehler schnell bemerkbar machen.
W-34/70 bei:
9–10 °C
hilft dabei, ein sehr:
cleanes Gärprofil
zu erreichen.
27. Nicht Geschwindigkeit, sondern Zeit
Und hier kommt eine der wichtigsten Aussagen des Brewers.
Seth Carter verweist auf die Philosophie von Ashleigh Carter:
Time is one of the most important things you can have for lagers. (Craft Beer & Brewing)
Solveza hat nur:
4,5 % vol.
Trotzdem dauert der komplette Prozess ungefähr:
7–8 Wochen.
Das ist für viele Hobbybrauer überraschend.
28. Warum braucht ein leichtes Lager so lange?
Weil:
„fertig vergoren“
nicht dasselbe ist wie:
„fertig gereift“.
Nach der Hauptgärung müssen noch:
- Hefederivate
- Schwefelverbindungen
- Trub
- leichte Gärnebenprodukte
abgebaut oder sedimentiert werden.
Gleichzeitig sollen:
Mais
Pilsner Malt
und:
Noble Hop
zu einem einzigen sauberen Profil zusammenwachsen.
29. Das Temperaturprogramm
Die veröffentlichte Recipe arbeitet ungefähr nach diesem Schema:
Anstellen
9 °C
↓
Hauptgärung
10 °C
↓
Abkühlen auf
4 °C
↓
4 °C × 10 Tage
↓
langsam auf
0 °C
↓
0 °C × 10 Tage
↓
weitere Lagerung
bis ungefähr 6 Wochen Gesamt-Lagerzeit. (datocms-assets.com)
Das ist eine sehr ruhige Prozessführung.
30. Warum zuerst 4 °C?
Die Zwischenstufe bei:
4 °C
ist eine Art sanfter Übergang.
Das Bier wird bereits:
deutlich klarer
und:
die Hefe beginnt stärker zu sedimentieren.
Danach kann die Temperatur:
weiter Richtung 0 °C
gehen.
31. Warum nicht direkt 0 °C?
Technisch kann ein Hobbybrauer natürlich direkt kalt crashen.
Aber Peaceful Side verfolgt einen:
langsamen Lagerprozess.
Die Idee:
Nicht nur kälter werden,
sondern:
schrittweise reifen.
Für einen Clone ist das interessanter als ein rein „funktionaler“ Cold Crash.
32. Warum keine klassische Diacetylrast?
Bei diesem kalten, sauberen Gärprofil ist eine ausgeprägte klassische Diacetylrast laut den veröffentlichten Brewer Notes nicht zwingend der zentrale Prozessschritt.
Das bedeutet nicht:
Diacetyl ist egal.
Sondern:
eine gute Gärführung kann den Bedarf an aggressiven Korrekturmaßnahmen reduzieren.
Für DIYBrew gilt trotzdem:
Bei tatsächlichem Diacetyl-Befund Temperatur anheben und vollständig ausgären lassen.
33. Die lange Lagerung
Für Solveza ist:
Zeit
einer der wichtigsten Bestandteile des Rezepts.
Die Brauerei betrachtet das Bier nicht als:
„4,5-%-Lager, das schnell fertig sein muss“.
Sondern als:
vollwertiges Lagerbier, das Zeit bekommt.
Das ist vielleicht die wichtigste Abweichung vom typischen Hobbybrauer-Ansatz.
34. Carbonation
Die veröffentlichte Zielgröße liegt bei etwa:
2,6–2,65 Vol. CO₂. (Craft Beer & Brewing)
Für diesen Bierstil passt das sehr gut.
Eine höhere Karbonisierung unterstützt:
- Frische
- Crispness
- Schaumbildung
- Durstlöscher-Charakter.
Aber:
zu hoch
würde den leichten Malz- und Maischarakter unnötig überdecken.
35. Die Balance
Solveza ist im Grunde ein sehr einfaches Dreieck:
Malt
→ Pilsner + Two-Row
Corn
→ Leichtigkeit + dezente Maisnote
Hops
→ feine Bittere + Noble Aroma
Und über allem:
Clean Lager Fermentation
36. DIYBrew 20-L-Reconstruction
Da Seth Carter selbst eine 19-L-Brewer-Rezeptur veröffentlicht hat, ist die Ausgangslage für diesen Clone sehr gut. (Craft Beer & Brewing)
Zielwerte
| Parameter | DIYBrew |
|---|---|
| Ausschlag | 20 L |
| OG | 1.044 |
| FG | 1.009 |
| ABV | ca. 4,5 % |
| IBU | ca. 16 |
| Hauptgärung | 9–10 °C |
| Lagerung | 0–4 °C |
| Gesamtprozess | ca. 7–8 Wochen |
| CO₂ | 2,6–2,65 Vol. |
37. DIYBrew-Malzschüttung
möglichst nah an der Brewer Recipe
| Malz / Getreide | Menge |
|---|---|
| Pilsner Malt | 1,8 kg |
| Two-Row Malt | 1,2 kg |
| Flaked Corn | 680 g |
| Sauermalz | nach pH-Bedarf, ca. 80–110 g als Ausgangspunkt |
| Gesamt | ca. 3,8 kg |
Die ersten drei Mengen entsprechen der veröffentlichten Recipe; beim Sauermalz sollte die Menge ausdrücklich nach dem tatsächlichen Wasser und Maische-pH angepasst werden. (datocms-assets.com)
38. Deutschland-Version
Wenn Tennessee Two-Row nicht verfügbar ist:
Pilsner Malt + ein zweites helles Two-Row
ist die sinnvollste Alternative.
Noch einfacher:
Pilsner Malt + Flaked Corn
Das entspricht sogar Seth Carters eigener Empfehlung für Hobbybrauer. (Craft Beer & Brewing)
Ich würde allerdings für die erste Clone-Version die:
Pilsner + Two-Row + Corn
Variante bevorzugen.
39. Maische
Die veröffentlichte Recipe arbeitet mit:
61 °C
30 min
↓
70 °C
45 min
↓
77 °C
5 min Mash-out. (datocms-assets.com)
Diese Maischeführung ist bewusst einfach.
40. Warum 61 °C?
Der erste Rastschritt unterstützt:
hohe Vergärbarkeit.
Das hilft später bei:
FG 1.009.
Das Bier soll:
leicht
und:
trocken
werden.
Gerade wegen des Flaked Corn ist das sinnvoll.
41. Warum anschließend 70 °C?
Ganz trocken bedeutet nicht automatisch:
besser.
Bei 70 °C wird noch etwas Struktur aufgebaut.
Dadurch bekommt die fertige Lager:
ausreichend Körper,
ohne:
süß zu wirken.
Das Ziel:
Light Body, but not Empty.
42. pH-Ziel
Ein guter Ausgangspunkt:
Mash pH 5,4–5,5
während des Maischens.
Wenn der pH höher liegt:
Sauermalz bzw. Säure nachdosieren.
Wenn er bereits passt:
keine zusätzliche Säure hinzufügen.
Das ist wichtiger als das Kopieren einer festen Grammzahl.
43. Wasser
Eine ideale Ausgangsbasis für DIYBrew:
RO-Wasser oder sehr weiches Wasser
danach gezielt mineralisieren.
Die genaue Mineralisierung sollte sich an:
Ca / Cl / SO₄ / Alkalität
orientieren.
Hier ist:
weiches, chloridbetontes Wasser
sinnvoller als:
stark sulfathaltiges IPA-Wasser.
44. Hopfenplan
Nach der veröffentlichten Rezeptur:
First Wort Hop
Saaz – 6 g
ca.:
2 IBU
60 min
Columbus – 4 g
ca.:
7 IBU
10 min
Saaz – 23 g
Tettnanger – 23 g
ca.:
7 IBU. (datocms-assets.com)
Gesamt:
16 IBU.
45. Keine zusätzlichen Hopfengaben
Ich würde bei der ersten Clone-Version bewusst nicht hinzufügen:
- Whirlpool Hop
- Dry Hop
- Hopstand
- moderne Aromahopfen.
Das würde die Rezeptur unnötig verändern.
Solveza soll:
subtil hopfig
sein.
46. Kochzeit
80 Minuten
Das ist Teil der veröffentlichten Homebrew-Rezeptur. (datocms-assets.com)
Bei einem hellen Lager mit hohem Pilsner-Anteil ist eine kräftige, saubere Kochung sinnvoll.
Besonders wichtig:
DMS vermeiden.
47. Gärung
Anstellen
9 °C
Hauptgärung
10 °C
bis:
FG stabil.
Das ist der Punkt, an dem der größte Teil der späteren sensorischen Qualität entsteht.
48. Keine unnötige Eile
Bei:
OG 1.044
könnte man versucht sein:
„Nach fünf Tagen ist die Hauptgärung bestimmt fertig.“
Vielleicht.
Aber:
Dichte messen.
Nicht:
Kalender lesen.
Erst wenn:
FG stabil
und:
VDK unauffällig,
beginnt die nächste Phase.
49. Step-Down
Nach abgeschlossener Hauptgärung:
langsam auf 4 °C.
Dann:
10 Tage bei 4 °C.
Danach:
langsam auf 0 °C.
Dann:
10 Tage bei 0 °C. (datocms-assets.com)
50. Lagerung
Danach:
weiter bei etwa 0–1 °C lagern.
Ziel:
ungefähr 7–8 Wochen Gesamtprozess.
Wer das Bier schon früher probiert, wird wahrscheinlich feststellen:
Es ist trinkbar.
Aber:
mit zunehmender Lagerzeit wird es sauberer und harmonischer.
51. Carbonation
Ziel:
2,6–2,65 Vol. CO₂.
Für Keg:
entsprechend langsam einstellen.
Für Flaschen:
Priming sauber berechnen.
Das Ziel ist:
frisch und spritzig
nicht:
aggressiv karbonisiert.
52. Wie sollte Solveza aussehen?
Appearance
Hellgolden
sehr klar
brillanter Glanz
weißer, feinporiger Schaum.
Das Bier sollte sofort:
„Light Lager“
signalisieren.
53. Aroma
Sehr zurückhaltend:
Pilsner Malt
↓
leichtes Getreide
↓
dezente Maisnote
↓
etwas Saaz / Tettnanger.
Nichts sollte herausstechen.
54. Geschmack
Der erste Eindruck:
Crisp
Dann:
leichte Malzigkeit
↓
etwas Corn Character
↓
sehr feine Bittere.
Der Finish:
trocken, sauber und kurz.
Und genau hier entsteht:
Drinkability.
55. Was sollte nicht vorhanden sein?
Nicht:
ausgeprägtes Hopfenaroma.
Nicht:
starke Corn Sweetness.
Nicht:
Ester.
Nicht:
Diacetyl.
Nicht:
DMS.
Nicht:
mineralische Härte.
Und vor allem:
kein leerer, wässriger Eindruck.
Light heißt:
nicht:
Wasser.
56. Die häufigsten Fehler
Zu viel Corn
→ süß und getreidig.
Zu wenig Corn
→ Charakter des Mexican-style Lager geht verloren.
Zu hohe Wasseralkalität
→ Bier wirkt stumpf.
Zu viel Sauermalz
→ pH zu niedrig.
Zu warme Gärung
→ Ester.
Zu kurze Lagerung
→ jung und rau.
Zu wenig CO₂
→ weniger Crispness.
Dry Hop
→ komplett anderer Bierstil.
57. Warum Solveza so wertvoll für DIYBrew ist
Weil diese Rezeptur eine der wichtigsten Wahrheiten beim Lagerbrauen sehr deutlich macht:
Je einfacher das Bier aussieht, desto wichtiger ist die Prozessqualität.
Bei einem Imperial Stout können:
Chocolate Malt
und:
Barrel Character
kleine Fehler teilweise verdecken.
Bei Solveza:
nicht viel.
Wenn das Wasser nicht stimmt:
merkt man es.
Wenn die Hefe schlecht läuft:
merkt man es.
Wenn DMS vorhanden ist:
merkt man es.
Wenn das Lagering zu kurz ist:
merkt man es.
58. Solveza vs. Construct of Quality
Diese beiden Gold Clones stehen direkt hintereinander und sind deshalb besonders lehrreich.
Construct of Quality
Munich-Style Helles
1.050 OG
5,2 %
14 IBU
Pilsner Malt
Ziel:
Malt Purity
Solveza
International Light Lager
1.044 OG
4,5 %
16 IBU
Pilsner + Two-Row + Corn
Ziel:
Crispness + Refreshment
Die Unterschiede sind klein.
Aber sensorisch sehr relevant.
59. Das ist kein „American Helles“
Solveza bewegt sich stilistisch in einer anderen Richtung.
Das Bier soll:
leicht
trocken
frisch
dezent maisig
sein.
Eine Helles ist normalerweise:
stärker malzorientiert
und:
etwas runder.
Solveza möchte stärker:
refreshing
sein.
60. Recipe DNA
Wenn wir Solveza auf seine wichtigsten Elemente reduzieren:
Pilsner Malt
→ klassische Lagerbasis
↓
Tennessee Two-Row
→ Cracker / Grain
↓
Flaked Corn
→ Leichtigkeit + dezente Maisnote
↓
Sauermalz
→ pH-Kontrolle
↓
Saaz
→ Noble Aroma
↓
Tettnanger
→ feine Kräuter- und Würznoten
↓
Columbus
→ Bitterstruktur
↓
W-34/70
→ saubere Lagergärung
↓
9 → 10 °C
→ langsame, kontrollierte Gärung
↓
4 °C / 10 Tage
→ Zwischenlagerung
↓
0 °C / 10 Tage + weitere Lagerung
→ Klärung und Integration
↓
2,6–2,65 Vol. CO₂
→ Crispness
Das ist die:
Solveza Recipe DNA
61. Original Recipe, Brewer Recipe und DIYBrew Reconstruction
Die Datenlage für diesen Clone ist sehr gut.
World Beer Cup Gold
🟢 bestätigt
WBC-Kategorie
🟢 International Light Lager
Stilbezeichnung der Brauerei
🟢 Mexican Lager
Brewer
🟢 Seth Carter
Brewer Recipe
🟢 veröffentlicht
OG / FG / IBU / ABV
🟢 veröffentlicht
Malt Bill
🟢 veröffentlicht
Hop Schedule
🟢 veröffentlicht
Hefe
🟢 veröffentlicht
Fermentation
🟢 veröffentlicht
Lagering
🟢 veröffentlicht. (Craft Beer & Brewing)
Damit:
Recipe Status: Published Brewer Recipe
Das ist eine der vollständigsten Datenlagen unserer bisherigen Gold Clone Series.
62. Was ist bei diesem Clone besonders wertvoll?
Nicht nur die Rezeptur.
Sondern die Tatsache, dass Seth Carter sehr offen über seine:
Brauphilosophie
spricht.
Er verfolgt bewusst:
möglichst einfache Rezepte,
aber:
maximale Prozesskontrolle.
Das ist wahrscheinlich die wichtigste Botschaft dieses Gold Clones.
63. Das beste DIYBrew-Experiment: mit und ohne Mais
Ich würde für eine eigene Versuchsreihe zwei kleine Sude machen.
Batch A
Pilsner + Two-Row + Flaked Corn
Batch B
gleiche Stammwürze, aber ohne Corn
und entsprechend mehr Pilsner / Two-Row.
Vergleiche:
- Body
- Crispness
- Grain Character
- Corn Aroma
- Finish
- Drinkability.
Dadurch wird sehr deutlich:
Was Flaked Corn tatsächlich zum Bier beiträgt.
64. Das zweite Experiment: Lagering
Drei Proben:
3 Wochen
6 Wochen
8 Wochen
Dann blind verkosten.
Die Frage:
Ab wann schmeckt Solveza wirklich fertig?
Das ist wesentlich interessanter als die Frage:
„Wie viele Tage muss mein Lagerbier lagern?“
65. Das dritte Experiment: Wasser
Hier lohnt sich ein besonders sauberer Vergleich.
Batch A
RO + gezielte Mineralisierung
Batch B
normales Leitungswasser
Gleiche Recipe.
Gleiche Hefe.
Gleiche Temperatur.
Dann:
Blindverkostung.
Bei einer so hellen und einfachen Lager können die Unterschiede enorm deutlich werden.
Fazit
Peaceful Side Solveza ist wahrscheinlich eine der unscheinbarsten Rezepturen unserer World Beer Cup Gold Clone Series.
Und genau deshalb ist sie so interessant.
Es gibt:
kein Dry Hop.
Keine:
Spezialfrüchte.
Kein:
Barrel.
Keine:
extreme Stammwürze.
Keine:
komplizierte Schüttung.
Stattdessen:
Pilsner Malt
Two-Row
Flaked Corn
Saaz
Tettnanger
Columbus
und:
W-34/70.
Die Rezeptur ist einfach.
Der Prozess ist es nicht.
Die Gärung startet bei:
9 °C,
läuft bei:
10 °C
und bekommt anschließend:
mehrere Wochen Zeit.
Das Bier wird zunächst auf:
4 °C
und anschließend auf:
0 °C
geführt.
Dann folgt:
lange Lagerung.
Erst danach wird es auf ungefähr:
2,6–2,65 Vol. CO₂
gebracht. (datocms-assets.com)
Das Entscheidende ist:
Solveza versucht nicht, möglichst viel Geschmack hineinzupacken.
Es versucht:
möglichst wenig störende Dinge hineinzubringen.
Genau deshalb ist dieses Bier ein hervorragender World Beer Cup Gold Clone.
Denn eine einfache Lager zeigt besonders deutlich:
Ob der Brauer seine Prozesse wirklich im Griff hat.
Und vielleicht ist das die wichtigste Lektion dieser Folge:
Bei einem Light Lager ist Einfachheit kein Shortcut. Sie ist eine härtere Prüfung.
World Beer Cup Gold Clone #15
Peaceful Side Solveza
🏆 World Beer Cup 2025 – Gold Medal
Kategorie: International Light Lager
Brauerei-Stil: Mexican Lager
Recipe Status: Published Brewer Recipe
Brewer: Seth Carter / Peaceful Side Brewery
DIYBrew Reconstruction
20 L · OG 1.044 · FG 1.009 · ca. 4,5 % vol. · 16 IBU
Pilsner Malt · Two-Row · Flaked Corn · Sauermalz
Saaz · Tettnanger · Columbus
W-34/70 · 9–10 °C Gärung · langsamer Step-Down · lange Lagerung · 2,6–2,65 Vol. CO₂
Ein gutes Light Lager braucht nicht mehr Geschmack. Es braucht weniger Störfaktoren und eine saubere Prozessführung.
Für 20 L Ausschlag:
- Pilsner Malz: ca. 2,0 kg
- American Two-Row: ca. 1,3 kg
- Flaked Corn: ca. 0,7 kg
- Sauermalz: ca. 0,1 kg
- Saaz: ca. 10 g
- Tettnanger: ca. 10 g
- Columbus: ca. 5 g
- W-34/70: 1 × 11,5 g
- Maische: ca. 64–65 °C / 60 min
- Gärung: 9–10 °C
- Temperaturführung: langsamer Step-Down
- Lagerung: mindestens 5–6 Wochen
- Karbonisierung: 2,6–2,65 Vol. CO₂
Ziel: Ein sehr helles, trockenes und leichtes Lager mit dezenter Getreidenote, feiner Hopfenwürze und hoher Trinkbarkeit.
Hinweis: Die Mengen sind eine DIYBrew-Rekonstruktion auf Basis der öffentlich verfügbaren Informationen und nicht das originale Peaceful-Side-Rezept.
Quellen
World Beer Cup 2025 – Official Results
Solveza von Peaceful Side Brewery gewann Gold in der Kategorie International Light Lager. 86 Biere nahmen an dieser Kategorie teil. (forbes)
Craft Beer & Brewing – Recipe: Peaceful Side Solveza Mexican-Style Lager
Von Seth Carter veröffentlichte 19-Liter-Brewer-Rezeptur mit 72 % Sudhausausbeute, OG 1.044, FG 1.009, 16 IBU und 4,5 % vol. (Craft Beer & Brewing)
Craft Beer & Brewing Fall 2025
Enthält die veröffentlichte Homebrew-Rezeptur mit 1,8 kg Pilsner Malt, 1,2 kg Tennessee Two-Row, 680 g Flaked Corn und 113 g Sauermalz sowie den detaillierten Hopfenplan. (datocms-assets.com)
Peaceful Side Brewery – Beers
Die Brauerei führt Solveza als Mexican Lager und aktuell als dauerhaft verfügbares Bier. (Peaceful Side Brewery)
World Beer Cup 2025 Style Guidelines
Bestätigt die offizielle Kategorie International Light Lager und die Einordnung von Latin-American-Style Light Lager innerhalb dieser Kategorie. (cdn.worldbeercup.org)
Hinweis zur Rezeptquelle
Dieser Artikel unterscheidet bewusst zwischen der offiziellen World-Beer-Cup-Kategorie International Light Lager und der Stilbezeichnung von Peaceful Side Mexican Lager.
Die DIYBrew-Version basiert auf der von Seth Carter veröffentlichten 19-Liter-Brewer-Rezeptur und ist für den Hobbybraumaßstab angepasst. Sie ist keine vollständige kommerzielle Produktionsrezeptur der Peaceful Side Brewery.
Hinweis zu Wasser und Sauermalz
Die veröffentlichte Menge von etwa 113 g Sauermalz gilt nur innerhalb der ursprünglichen Wasser- und Maischebedingungen. Für eine eigene Anlage sollte der tatsächliche Mash-pH gemessen und die Säuremenge entsprechend angepasst werden. Die konkrete Wasserchemie ist bei einer so hellen Lager ein wesentlicher Bestandteil des Endergebnisses.
Bild Quelle: Frank Schrader von Pexels


Kommentar verfassen