World Beer Cup Gold Clone #12: Far Field Infrared American Amber Ale

Wie eine fast vergessene American Amber Ale 2024 noch Gold beim World Beer Cup gewinnen konnte

American Amber Ale ist heute vielleicht nicht mehr der Bierstil, über den in der Craft-Beer-Szene am meisten gesprochen wird.

IPA, Double IPA, Hazy IPA, Pastry Stout oder moderne Lagerbiere stehen deutlich häufiger im Mittelpunkt.

Und trotzdem gewann 2024 ein Vertreter dieses vergleichsweise klassischen Stils Gold beim World Beer Cup:

Infrared

von Far Field Beer Co. aus Lawndale in Kalifornien.

In der Kategorie American-Style Amber/Red Ale traten insgesamt 123 Biere an. Gold ging an Far Field Infrared. (世界啤酒杯)

Noch interessanter wird die Geschichte, wenn man sich die Rezeptur ansieht.

Infrared ist keine besonders schwere Red Ale. Die von Head Brewer Bryce Lowrance veröffentlichte Homebrew-Rezeptur liegt bei:

OG 1.062 · FG 1.011 · 6,8 % vol. · 48 IBU. (Craft Beer & Brewing)

Die Rezeptur kombiniert eine relativ zurückhaltende Menge Crystal Malt mit einer deutlich moderneren Hopfenauswahl aus:

CTZ, Simcoe, Citra und Taiheke/NZ Cascade.

Das Ergebnis soll gleichzeitig:

malzig, leicht karamellig, fruchtig, zitrisch und harzig

wirken.

Genau diese Kombination macht Infrared für unsere World Beer Cup Gold Clone Series interessant.

Denn die entscheidende Frage lautet:

Wie viel Crystal Malt braucht eine Red Ale wirklich – und wie viel moderne Hopfenaromatik kann man hinzufügen, ohne daraus einfach eine Red IPA zu machen?


1. Das Goldmedaillenbier im Überblick

MerkmalFar Field Infrared
BrauereiFar Field Beer Co.
HerkunftLawndale, California, USA
World Beer Cup2024
AuszeichnungGold Medal
KategorieAmerican-Style Amber/Red Ale
Teilnehmer123
OG1.062 / 15,3 °P
FG1.011 / 2,8 °P
Alkohol6,8 % vol.
IBU48
HefeAmerican Ale Yeast
BasisTwo-Row
SpezialmalzeCaraMunich I, DRC, Crystal Light, wenig Chocolate Malt
HopfenCTZ, Simcoe, Citra, Taiheke
CharakterMalz, Karamell, Steinfrucht, Zitrus, Pinie

Die veröffentlichte Rezeptur ist auf 19 Liter und eine Sudhausausbeute von 72 % ausgelegt. (Craft Beer & Brewing)


2. Warum gerade eine American Amber Ale?

American Amber Ale ist ein interessanter Stil, weil er zwischen mehreren Welten liegt.

Eine klassische Interpretation lebt von:

Malz + Karamell + moderater Bittere + amerikanischen Hopfenaromen.

Das bedeutet:

Sie ist nicht so hopfenbetont wie eine IPA.

Aber:

Sie ist auch nicht einfach eine dunklere Pale Ale.

Das Verhältnis zwischen Malz und Hopfen ist entscheidend.

Genau diesen Punkt trifft Infrared sehr gut.

Far Field beschreibt das Bier als:

generously malted

mit:

slight caramel backbone

und gleichzeitig:

prominent stone-fruit character sowie Zitrus- und Piniennoten. (Craft Beer & Brewing)

Damit ist die Richtung klar:

Malz bildet das Fundament. Die Hopfen bauen darüber die zweite Ebene auf.


3. Die Geschichte hinter Infrared

Die Rezeptur von Infrared hat einen interessanten Ursprung.

Bryce Lowrance hatte zuvor eine deutlich stärkere:

Imperial Red Ale

gebraut.

Diese Version lag bei ungefähr:

10 % Alkohol.

Das Bier funktionierte geschmacklich, war aber entsprechend kräftig.

Infrared entstand letztlich aus der Idee:

Die charakteristische Kombination aus dunklerem Malz und amerikanischen Hopfen beibehalten, aber das Bier leichter und trinkbarer machen.

Damit wurde aus einem starken Imperial Red eine:

6,8-%-Amber/Red Ale.

Die Absenkung der Stärke war also kein Verlust an Charakter.

Sie war ein bewusstes Rezeptdesign.


4. 6,8 % statt 10 %

Das ist ein wichtiger Punkt.

Man könnte meinen:

Mehr Alkohol = mehr Geschmack.

Infrared zeigt das Gegenteil.

Mit:

OG 1.062

und:

FG 1.011

entsteht bereits genug Substanz für:

  • Malzaroma
  • Karamell
  • Körper
  • Hopfenintensität.

Gleichzeitig bleibt genügend Vergärbarkeit, damit das Bier nicht süß und schwer wird. (Craft Beer & Brewing)

Das Ziel lautet also:

voll im Aroma, aber nicht schwer im Alkohol.


5. Two-Row – die saubere Basis

Der größte Teil der Schüttung besteht aus:

Two-Row

in einer Menge von rund:

4,7 kg auf 19 Liter. (Craft Beer & Brewing)

Damit bleibt die Basis bewusst relativ neutral.

Das ist wichtig, denn die eigentliche Differenzierung erfolgt später über:

Crystal Malt

und:

Hopfen.

Wenn die Basismalzseite bereits sehr dominant wäre, könnte das Zusammenspiel schnell überladen wirken.


6. Warum nicht noch Munich Malt?

Das wäre bei einer Amber Ale durchaus möglich.

Aber hier wird bewusst darauf verzichtet.

Der Brauer möchte:

eine relativ klare Malzbasis

und nutzt Spezialmalze nur als Akzent.

Das ist ein interessanter Unterschied zu unserem Northbound Doppelbock:

Northbound

Munich Malt als Hauptdarsteller.

Infrared

Two-Row als Basis, Spezialmalze als Akzente.

Damit verfolgen beide Biere trotz ihrer starken Malzorientierung völlig unterschiedliche Rezeptstrategien.


7. CaraMunich I

Eine der wichtigsten Spezialmalzkomponenten ist:

Weyermann CaraMunich I

mit etwa:

283 g. (Craft Beer & Brewing)

Das sind nur rund 5 % der Gesamtschüttung.

CaraMunich bringt:

  • Karamell
  • Toffee
  • leichte Röstaromen
  • Farbe
  • Rundheit.

Aber:

Es soll nicht nach Dessert schmecken.

Seine Aufgabe ist eher:

ein leichter Karamell-Rahmen um die Malzbasis.


8. Simpsons DRC

Dazu kommt:

Simpsons DRC

mit ungefähr:

227 g.

DRC steht für:

Double Roasted Crystal.

Im Vergleich zu einem normalen hellen Crystal Malt bringt es mehr:

  • dunkle Frucht
  • Rosine
  • Toffee
  • tiefere Karamellaromen.

Das passt sehr gut zu den Hopfen, die später ebenfalls:

Steinfrucht

und:

dunkle Fruchtnoten

beitragen.


9. Warum DRC und Hopfen so gut zusammenpassen

Das ist einer der interessantesten Punkte dieser Rezeptur.

DRC liefert:

Plum / Raisin / Dark Fruit

Simcoe liefert:

Stone Fruit + Pine

Citra liefert:

Citrus + Fruit

Dadurch entsteht kein einfacher Gegensatz zwischen:

„Malz gegen Hopfen“.

Stattdessen überlappen sich die Aromen.

Das bedeutet:

Malz und Hopfen verstärken teilweise dieselbe Fruchtrichtung.

Genau daraus entsteht Komplexität.


10. Crystal Light

Die Rezeptur verwendet zusätzlich:

Simpsons Crystal Light

mit etwa:

142 g. (Craft Beer & Brewing)

Wieder ist die Menge klein.

Das ist wichtig.

Denn Bryce Lowrance betont, dass er Crystal Malt grundsätzlich eher zurückhaltend einsetzt.

Der Grund:

A little bit goes a long way.

Crystal Malt liefert gleichzeitig:

  • Farbe
  • Karamell
  • Süße
  • Körper.

Man kann deshalb sehr schnell zu viel davon einsetzen.


11. Der wichtigste Punkt: Amber bedeutet nicht „viel Crystal“

Das ist ein häufiger Denkfehler.

Eine Amber Ale muss nicht durch:

15–20 % Crystal Malt

rot oder kupferfarben werden.

Denn damit erhöht man gleichzeitig:

die Karamellsüße.

Infrared zeigt einen anderen Ansatz:

Nur kleine Mengen verschiedener Crystal Malts + ein wenig Chocolate Malt.

Dadurch lässt sich:

Farbe

und:

Karamellcharakter

viel genauer steuern.


12. Ein winziger Anteil Chocolate Malt

Die Rezeptur enthält nur:

35 g Chocolate Malt.

Das ist auf 19 Liter extrem wenig. (Craft Beer & Brewing)

Und genau das ist der Punkt.

Das Chocolate Malt soll nicht:

Schokoladengeschmack

erzeugen.

Es dient vor allem dazu, die Farbe etwas tiefer in Richtung:

Rot

zu verschieben.

Das ist eine klassische Brauertechnik:

Color Adjustment

statt:

Flavor Addition.


13. Farbe und Geschmack getrennt betrachten

Wir haben dieses Prinzip bereits bei mehreren Gold Clones gesehen.

Auch bei Infrared wird es besonders deutlich.

Nur:

35 g Chocolate Malt

reichen für eine farbliche Korrektur.

Würde man stattdessen:

300–500 g

verwenden, würde die Biercharakteristik deutlich in Richtung:

Brown Ale

kippen.

Deshalb:

Ein Spezialmalz kann eine technische Aufgabe erfüllen, ohne geschmacklich dominant zu werden.


14. Die Malzschüttung ist bewusst klein gehalten

Wenn man die Spezialmalze zusammenfasst:

  • CaraMunich I
  • DRC
  • Crystal Light
  • Chocolate Malt

machen sie nur einen relativ kleinen Anteil der Gesamtschüttung aus.

Der Großteil bleibt:

Two-Row.

Das ist kein Zufall.

Denn die andere Hälfte des Geschmackskonzepts kommt:

aus den Hopfen.


15. Jetzt kommt der moderne Teil: die Hopfen

Infrared wäre ohne seine Hopfenkomponente nur eine relativ klassische Amber Ale.

Doch Far Field setzt bei den Hopfen deutlich modernere Akzente.

Die zentrale Kombination besteht aus:

CTZ + Simcoe + Citra + Taiheke/NZ Cascade. (Craft Beer & Brewing)

Damit entsteht ein Profil aus:

  • Zitrus
  • Steinfrucht
  • Pinie
  • Harz
  • leichter Fruchtigkeit.

16. Simcoe

Simcoe ist einer der wichtigsten Hopfen im Bier.

Bryce Lowrance nennt insbesondere:

Simcoe und Citra

als besonders wichtige Bestandteile des Hopfenprofils. (Craft Beer & Brewing)

Simcoe kann unter anderem liefern:

  • Pinie
  • Harz
  • Steinfrucht
  • Zitrus
  • leichte Würze.

Damit ist es eine sehr gute Verbindung zwischen:

Malz

und:

modernen amerikanischen Hopfenaromen.


17. Citra

Citra bringt die nächste Ebene:

  • Zitrus
  • tropische Frucht
  • Steinfrucht
  • moderne Hopfenintensität.

Das macht Infrared deutlich moderner als eine klassische American Amber Ale.

Aber:

Citra ist nicht allein.

Dadurch bleibt das Bier komplexer als eine einfach „Citra-lastige“ Red Ale.


18. CTZ

Dann kommt:

CTZ

also die Columbus/Tomahawk/Zeus-Hopfenfamilie.

CTZ bringt unter anderem:

  • Resin
  • Spice
  • Citrus
  • kräftige Bittere
  • leichtes „Dank“-Aroma.

Während Citra und Simcoe eher die:

Frucht

aufbauen,

gibt CTZ:

Struktur und Rückgrat.


19. Taiheke

Besonders interessant ist:

Taiheke, ein neuseeländischer Cascade-Typ.

Der Hopfen wurde laut Bryce Lowrance unter anderem als Ersatz für Amarillo eingesetzt.

Seine Stärke:

Stone Fruit

und eine weichere Fruchtigkeit als bei vielen klassischen amerikanischen Cascade-Varianten.

Das passt sehr gut in das vorhandene Profil.


20. Warum nicht einfach mehr Citra?

Weil das Bier sonst schnell in Richtung:

Red IPA

geht.

Das Ziel ist:

Amber/Red Ale mit moderner Hopfenaromatik.

Nicht:

IPA mit roter Farbe.

Deshalb braucht Infrared mehrere kleinere Aromabausteine.


21. Hop Blending statt Hop Bomb

Das ist vielleicht die beste Beschreibung für die Hopfenstrategie.

Simcoe

→ Pine + Stone Fruit

Citra

→ Citrus + Fruit

CTZ

→ Resin + Spice + Bittere

Taiheke

→ Stone Fruit + leichte Zitrusnoten

Zusammen:

Fruit + Citrus + Pine + Resin

Die einzelnen Sorten sollen nicht isoliert wahrgenommen werden.

Sie bilden:

eine gemeinsame Aromaschicht.


22. 48 IBU

Die veröffentlichte Rezeptur nennt:

48 IBU. (Craft Beer & Brewing)

Das ist deutlich mehr als bei unseren letzten beiden Gold Clones:

Northbound Doppelbock

18 IBU

Más Fuego

22 IBU

Aber es passt sehr gut zu Infrared.

Denn hier ist Hopfen nicht nur:

Balance Tool.

Hopfen ist:

Aromaträger + Balance + Stilmerkmal.


23. Warum die Bittere nicht noch höher sein sollte

Bei:

48 IBU

ist bereits eine deutliche Bitterstruktur vorhanden.

Wenn man deutlich höher geht, beispielsweise:

60–70 IBU,

kann das Bier beginnen, in Richtung:

Red IPA

zu kippen.

Das würde den ursprünglichen Stilcharakter verschieben.

Deshalb ist:

48 IBU

ein wichtiger Balancepunkt.


24. Whirlpool

Die veröffentlichte Rezeptur verwendet eine:

Whirlpool-Gabe

und lässt die Würze anschließend etwa:

10 Minuten zirkulieren

und:

20 Minuten ruhen. (Craft Beer & Brewing)

Damit kann eine große Menge Hopfenaroma extrahiert werden, ohne die Bittere so stark zu erhöhen wie bei einer langen Kochgabe.


25. Dry Hop

Infrared wird außerdem:

Dry Hopped.

Das ist der nächste deutliche Unterschied zur klassischen Amber Ale.

Dry Hop bringt zusätzliche:

  • Zitrus
  • Frucht
  • Pinie
  • moderne Hopfenfrische.

Damit wird aus:

klassischem Malt + Crystal Beer

ein:

moderner American Amber.


26. Warum Dry Hop erst spät?

Das Ziel ist ein:

klares Hopfenaroma.

Deshalb erfolgt die Dry-Hop-Gabe erst, wenn die Hauptgärung weitgehend abgeschlossen ist.

Damit lässt sich der Einfluss der Hefe auf das Hopfenaroma besser kontrollieren.


27. Dry Hop: vier Tage

Die veröffentlichte Prozessbeschreibung sieht ungefähr:

4 Tage Dry-Hop-Kontakt

vor. (Craft Beer & Brewing)

Das ist lang genug für:

deutliche Extraktion

aber kurz genug, um unnötige:

  • pflanzliche Noten
  • übermäßige Polyphenole

zu vermeiden.


28. Die Hefe

Die veröffentlichte Recipe verwendet eine:

American Ale Yeast.

Die Hefe soll sauber arbeiten und das Bier relativ trocken ausgären.

Das Ziel:

FG 1.011.

Damit bleibt genügend Raum für:

Hopfenaroma.

Eine fruchtige Hefe wäre hier eher kontraproduktiv.

Warum?

Weil wir bereits:

Stone Fruit + Citrus

aus den Hopfen haben.

Zusätzliche Hefefrucht könnte das Profil unnötig überladen.


29. Gärtemperatur

Die Veröffentlichung arbeitet mit:

19 °C

zu Beginn.

Wenn die Gärung ungefähr:

1.019 SG

erreicht:

Temperatur auf 22 °C

erhöhen. (Craft Beer & Brewing)

Diese Temperaturerhöhung wird ungefähr:

vier Tage

beibehalten.


30. Warum 22 °C?

Nicht um mehr Ester zu produzieren.

Sondern um:

die Endvergärung sicher abzuschließen

und einen Diacetyl Rest zu ermöglichen.

Das ist besonders wichtig bei:

OG 1.062.

Denn die Hefe muss noch einige Punkte Restextrakt abbauen.


31. Crystal Malt und FG

Hier zeigt sich ein wichtiger Zusammenhang.

Die Schüttung enthält mehrere:

Crystal Malts.

Trotzdem:

FG 1.011.

Das bedeutet:

Crystal Malt macht nicht automatisch ein süßes Bier.

Entscheidend ist:

  • Anteil
  • Maischetemperatur
  • Hefe
  • Gärmanagement
  • Endvergärung.

32. Maische

Die DIYBrew-Rekonstruktion kann sehr einfach gehalten werden:

67 °C × 60 min

Danach:

Mash-out bei etwa 76 °C.

Diese Temperatur ist ein guter Kompromiss.

Wir wollen:

ausreichend Vergärbarkeit

aber auch:

genug Körper.


33. Kein komplizierter Step Mash

Im Gegensatz zu Más Fuego ist hier keine mehrstufige Lager-Maische nötig.

Das Bier ist:

Ale

und die Malzschüttung enthält:

gut modifizierte moderne Malze.

Die Rezeptur lebt viel stärker von:

Hopfensteuerung

als von einer komplexen Maischeführung.


34. Wasser

Far Field veröffentlicht ein relativ ausgewogenes Wasserprofil:

IonZiel
Ca50 ppm
Cl55 ppm
SO₄65 ppm
Mg5 ppm
Na4 ppm

Diese Werte stammen aus der veröffentlichten Brewer-Rezeptur. (Craft Beer & Brewing)

Das ist bemerkenswert ausgeglichen.

Nicht:

extrem viel Sulfat.

Nicht:

extrem viel Chlorid.

Sondern:

leichte Unterstützung von Hopfen und Malz gleichzeitig.


35. Warum ungefähr gleich viel Chlorid und Sulfat?

Das passt perfekt zur Rezeptidee.

Chlorid

unterstützt:

Körper und Malzwahrnehmung.

Sulfat

unterstützt:

klarere Bittere und Hopfenwahrnehmung.

Da Infrared beides braucht:

Malt + Hop

liegt das Wasser ebenfalls:

zwischen den Extremen.


36. Kein typisches IPA-Wasser

Das ist wichtig.

Ein klassisches West Coast IPA könnte beispielsweise ein deutlich höheres:

Sulfat:Chlorid-Verhältnis

haben.

Bei Infrared wäre das nicht unbedingt sinnvoll.

Denn wir wollen nicht:

Hopfen maximal scharf machen.

Wir wollen:

Hopfen und Malz gleichzeitig sichtbar halten.


37. Cold Crash und Klärung

Am Ende wird das Bier:

kaltgestellt

und anschließend:

geklärt, beispielsweise mit Biofine.

Die veröffentlichte Recipe betont, dass das Bier anschließend möglichst klar abgefüllt werden soll. (Craft Beer & Brewing)

Das ist kein nebensächliches Detail.

Denn der optische Eindruck ist Teil des Bieres.


38. Warum Klarheit bei Infrared wichtig ist

Far Field beschreibt gerade den visuellen Effekt:

das rote Bier im Glas, wenn Licht hindurchscheint. (Craft Beer & Brewing)

Eine trübe Amber Ale kann natürlich trotzdem gut schmecken.

Aber für diesen Clone gehört:

klare, rote Erscheinung

zum ursprünglichen Konzept.

Deshalb:

Cold Crash + Fining

sind hier sinnvoll.


39. DIYBrew 20-L-Reconstruction

Da Bryce Lowrance selbst eine 19-L-Rezeptur veröffentlicht hat, können wir sehr nah daran bleiben.

Zielwerte

ParameterDIYBrew
Ausschlag20 L
OG1.062
FG1.011
ABVca. 6,8 %
IBUca. 48
Maische67 °C × 60 min
Kochzeit90 min
Gärung19 °C
Diacetyl Rest22 °C
Dry Hop4 Tage
Carbonationca. 2,5–2,6 Vol. CO₂

40. DIYBrew-Malzschüttung

Für etwa 20 Liter:

MalzMenge
Two-Row4,7 kg
Weyermann CaraMunich I283 g
Simpsons DRC227 g
Simpsons Crystal Light142 g
Simpsons Chocolate Malt35 g
Gesamtca. 5,39 kg

Die Struktur entspricht weitgehend der veröffentlichten Brewer-Rezeptur. (Craft Beer & Brewing)


41. Die wichtigste Erkenntnis aus der Schüttung

Nur ein relativ kleiner Teil besteht aus Spezialmalzen.

Das bedeutet:

Die rote Farbe kommt nicht aus einer riesigen Crystal-Menge.

Und:

Der Geschmack kommt nicht ausschließlich aus dem Malz.

Der eigentliche Charakter entsteht aus:

Base Malt + wenig Crystal + viel Hopfencharakter.


42. Hopfenplan

Für die DIYBrew-Version:

Bittergabe

CTZ

Whirlpool

Simcoe + Citra + CTZ / Taiheke

Dry Hop

Simcoe + Citra + Taiheke

Der genaue Grammbetrag sollte anhand der tatsächlichen Alpha-Säure und des gewünschten IBU-Ziels berechnet werden.

Entscheidend ist:

ca. 48 IBU

und nicht eine starre Grammzahl.


43. Gärung

Anstellen

19 °C

Hauptgärung

bis:

SG etwa 1.019

Temperaturerhöhung

22 °C

Diacetyl Rest

4 Tage

Danach:

Dry Hop.


44. Dry Hop und anschließende Klärung

Dry Hop

etwa 4 Tage.

Danach:

Hopfen entfernen bzw. absetzen lassen.

↓

Cold Crash

↓

Biofine oder vergleichbare Schönung

↓

klare Abfüllung.

Diese Reihenfolge orientiert sich eng an der veröffentlichten Brewer-Rezeptur. (Craft Beer & Brewing)


45. Carbonation

Für diese moderne American Amber würde ich:

2,5–2,6 Vol. CO₂

als guten Ausgangspunkt nehmen.

Ein etwas höherer CO₂-Gehalt unterstützt:

Frische

und:

Hopfenaromatik.

Aber:

zu hohe Karbonisierung

kann die Bittere härter wirken lassen.


46. Wie sollte das fertige Bier aussehen?

Appearance

Klar.

Amber bis tief rot.

Im Gegenlicht:

deutlich rubinrot.

Der Schaum:

cremefarben.

Und genau dieser rote Farbeindruck gehört zum Charakter des Bieres. (Craft Beer & Brewing)


47. Aroma

Zuerst:

leichte Malzsüße.

Dann:

Karamell.

Danach:

Steinfrucht.

Anschließend:

Zitrus.

Und im Hintergrund:

Pinie und Resin.

Die Aromatik sollte:

modern

aber:

nicht IPA-artig aggressiv

wirken.


48. Geschmack

Der erste Eindruck:

Malz + leichte Karamellnote.

Danach:

DRC bringt dunkle Frucht.

Dann:

Citra und Simcoe.

Zum Schluss:

CTZ und eine deutliche, aber nicht harte Bittere.

Das Finish:

relativ trocken und sauber.


49. Was sollte man nicht schmecken?

Nicht:

Karamellsirup.

Nicht:

starke Röstung.

Nicht:

Schokolade.

Nicht:

aggressive IPA-Bittere.

Nicht:

Hazy-Hopfencharakter.

Und auch nicht:

Alkoholschärfe.


50. Die häufigsten Fehler

Zu viel Crystal Malt

→ süß und schwer.

Zu viel Chocolate Malt

→ Brown Ale statt Red Ale.

Zu wenig Hopfen

→ traditionelle, sehr malzbetonte Amber Ale.

Zu viel Dry Hop

→ Red IPA.

Zu hohe IBU

→ Hopfen überdeckt das Malz.

Zu hohe Maischetemperatur

→ FG zu hoch, Bier wirkt zu schwer.

Zu wenig Klärung

→ Farbe und Charakter des Originals werden optisch verfehlt.


51. Was macht Infrared zum Gold Clone?

Nicht eine einzelne außergewöhnliche Zutat.

Es ist die Kombination aus:

wenig Crystal

starker, aber sauberer Hopfenpräsenz

relativ trockenem Finish

klarer roter Optik.

Das Bier versucht nicht:

„noch stärker“ zu sein.

Es versucht:

beide Seiten gleichzeitig sichtbar zu halten.


52. Crystal Malt: weniger ist mehr

Eine der wichtigsten Aussagen von Bryce Lowrance ist sinngemäß:

Mit Crystal Malt sollte man vorsichtig umgehen.

Denn bereits kleine Mengen können einen großen Unterschied machen. (Craft Beer & Brewing)

Das ist eine gute Faustregel für Hobbybrauer:

Wenn dein Bier zu süß wird, ist „mehr Crystal für mehr Farbe“ meistens keine gute Lösung.

Besser:

Farbe und Süße getrennt betrachten.


53. American Amber ist nicht automatisch süß

Das ist vielleicht die wichtigste Lektion aus diesem Clone.

Amber Farbe:

≠

Amber Süße.

Crystal Malt:

≠

hoher FG.

Ein Bier kann:

intensiv rot

und:

deutlich karamellig

sein,

aber trotzdem:

FG 1.011

haben.

Genau deshalb ist Infrared so trinkbar.


54. Moderne Hopfen ohne Red IPA

Der zweite wichtige Lernpunkt:

Ein Amber Ale darf moderne Hopfenaromen besitzen.

Die Grenze zum Red IPA liegt nicht bei:

„Sobald Citra verwendet wird, ist es ein IPA.“

Die Gesamtbalance zählt:

  • Malz
  • Farbe
  • Stammwürze
  • Bittere
  • Hopfenintensität
  • Finish.

Infrared hält die Balance so, dass:

Malt + Hop

gleichzeitig erkennbar bleiben.


55. Ein sehr gutes Experiment: Crystal verdoppeln

Für einen zweiten Sud:

Batch A

Original:

ca. 12 % Spezialmalz.

Batch B

Crystal-Anteil verdoppeln.

Dann blind vergleichen:

  • Karamell
  • Süße
  • Red Color
  • Body
  • Hopfenwahrnehmung.

Das Ergebnis dürfte sehr deutlich zeigen:

Wie schnell Crystal Malt ein Bier schwerer machen kann.


56. Noch ein Experiment: nur Simcoe + Citra

Ein zweiter interessanter Vergleich:

Batch A

Original:

CTZ + Simcoe + Citra + Taiheke

Batch B

nur:

Simcoe + Citra

Damit lässt sich beobachten:

Was geben CTZ und Taiheke tatsächlich zum Gesamtprofil hinzu?

Gerade bei Hop Blends ist dieser Vergleich sehr lehrreich.


57. Infrared und Más Fuego – zwei völlig unterschiedliche Philosophien

Die letzten beiden Beiträge bilden einen schönen Gegensatz.

Más Fuego

80 % Rauchmalz

Alles dreht sich um:

Smoke.

Die Hopfen:

nur Bittere.


Infrared

ca. 87 % Two-Row

Alles dreht sich um:

Malt + Hop.

Die Hopfen liefern:

Bittere + Aroma + Charakter.

Damit sehen wir zwei völlig unterschiedliche Wege zu einem Gold Medal Beer:

Ein dominantes Rohstoffprofil

versus:

eine fein abgestimmte Balance mehrerer Aromaschichten.


58. Recipe DNA

Wenn wir Infrared auf seine wesentlichen Elemente reduzieren:

Two-Row

→ saubere Basis

↓

CaraMunich I

→ Karamell

↓

DRC

→ Toffee + dunkle Frucht

↓

Crystal Light

→ Farbe + leichter Karamellcharakter

↓

wenig Chocolate Malt

→ Farbkorrektur

↓

Simcoe

→ Pinie + Steinfrucht

↓

Citra

→ Zitrus + Frucht

↓

CTZ

→ Resin + Bitterstruktur

↓

Taiheke

→ Steinfrucht

↓

American Ale Yeast

→ saubere Vergärung

↓

Cold Crash + Fining

→ klare rote Optik

Das ist:

Infrared Recipe DNA


59. Original Recipe, Brewer Recipe und DIYBrew Reconstruction

Bei Infrared ist die Quellenlage besonders gut.

World Beer Cup Gold

🟢 offiziell bestätigt.

Kategorie

🟢 American-Style Amber/Red Ale.

Brewer

🟢 Bryce Lowrance.

Brewer Recipe

🟢 veröffentlicht.

OG / FG / ABV / IBU

🟢 veröffentlicht.

Malt Bill

🟢 veröffentlicht.

Hopfen

🟢 veröffentlicht.

Wasser

🟢 veröffentlicht.

Fermentation / Dry Hop / Clarification

🟢 veröffentlicht. (Craft Beer & Brewing)

Daher:

Recipe Status: Published Brewer Recipe


60. Lohnt sich der Clone?

Ja, besonders für Hobbybrauer, die normalerweise entweder Lager oder IPA brauen.

Infrared sitzt genau dazwischen.

Du bekommst:

Malz

aber nicht:

schwere Süße.

Du bekommst:

moderne Hopfen

aber nicht:

IPA-Intensität.

Du bekommst:

6,8 % Alkohol

aber nicht:

ein schweres Starkbier.

Und du bekommst:

eine deutliche rote Farbe

ohne:

eine riesige Menge Crystal Malt.


61. Der eigentliche Lernwert

Infrared zeigt sehr schön:

Ein Rezept kann mit relativ wenigen Zutaten sehr komplex wirken, wenn jede Zutat eine klar definierte Aufgabe hat.

Two-Row:

Basis.

Crystal:

Karamell und Farbe.

Chocolate Malt:

minimale Farbkorrektur.

Simcoe:

Pinie und Frucht.

Citra:

Zitrus.

CTZ:

Bittere und Resin.

Taiheke:

zusätzliche Steinfrucht.

Nichts davon muss allein dominieren.

Zusammen entsteht:

Infrared.


Fazit

Far Field Infrared ist wahrscheinlich nicht das spektakulärste Bier unserer World Beer Cup Gold Clone Series.

Keine extrem hohe Stammwürze.

Kein Barrel.

Keine exotische Zutat.

Keine besonders komplexe Maische.

Und genau darin liegt seine Stärke.

Die Rezeptur zeigt, wie präzise ein scheinbar einfacher Bierstil aufgebaut werden kann.

Die Malzbasis bleibt:

Two-Row.

Die Spezialmalze werden bewusst klein gehalten.

Caramunich und DRC liefern:

Karamell und dunkle Frucht.

Eine winzige Menge Chocolate Malt hilft bei:

Farbe.

Und dann übernimmt der Hopfen:

Simcoe + Citra + CTZ + Taiheke

mit:

Steinfrucht, Zitrus, Pinie und Resin.

Durch eine Endvergärung bei ungefähr:

1.011

bleibt das Bier trotz 1.062 OG relativ trocken.

Und genau dadurch entsteht der entscheidende Punkt:

Malt + Caramel + Modern Hop Character

ohne:

Sweet Red Ale

und ohne:

Red IPA.

Vielleicht ist das die wichtigste Lektion aus diesem Gold Clone:

Ein Bier muss nicht einem aktuellen Trend folgen, um modern zu wirken.

Manchmal reicht es, einen klassischen Stil sehr sauber neu zu interpretieren.


World Beer Cup Gold Clone #12

Far Field Infrared

🏆 World Beer Cup 2024 – Gold Medal

Kategorie: American-Style Amber/Red Ale

Recipe Status: Published Brewer Recipe
Brewer: Bryce Lowrance / Far Field Beer Co.

DIYBrew Reconstruction

20 L · OG 1.062 · FG 1.011 · ca. 6,8 % vol. · 48 IBU

Two-Row · CaraMunich I · DRC · Crystal Light · Chocolate Malt

CTZ · Simcoe · Citra · Taiheke

19 °C Gärung · 22 °C Diacetyl Rest · Dry Hop · Cold Crash + Fining

Eine American Amber Ale muss weder süß noch altmodisch wirken. Infrared zeigt, wie wenig Crystal Malt nötig ist, wenn Malz und moderne Hopfen sauber zusammenspielen.

Für 20 L Ausschlag:

  • Two-Row: ca. 4,2 kg
  • CaraMunich I: ca. 250 g
  • DRC: ca. 150 g
  • Crystal Light: ca. 150 g
  • Chocolate Malt: ca. 50 g
  • CTZ: ca. 15 g
  • Simcoe: ca. 15 g
  • Citra: ca. 15 g
  • Taiheke: ca. 15 g
  • Hefe: neutrale Ale-Hefe, z. B. US-05, ca. 11,5 g
  • Maische: ca. 65–66 °C / 60 min
  • Kochzeit: 60 min
  • Gärung: 19 °C
  • Diacetylrast: ca. 22 °C gegen Ende der Hauptgärung
  • Dry Hop: ca. 50–70 g
  • Cold Crash: ca. 1–2 °C
  • Fining: nach Bedarf
  • Karbonisierung: ca. 2,4–2,6 Vol. CO₂

Ziel: Ein modernes American Amber Ale mit klarer Malzbasis, dezenter Karamellnote, dunkler Malzwürze und einem ausgeprägten, aber ausgewogenen amerikanischen Hopfencharakter.

Hinweis: Die Mengen sind eine DIYBrew-Rekonstruktion auf Basis der öffentlich verfügbaren Informationen und nicht das originale Far-Field-Rezept.


Quellen

World Beer Cup 2024 – Official Winners List
Far Field Beer Co. gewann mit INFRARED Gold in der Kategorie American-Style Amber/Red Ale. Insgesamt wurden in dieser Kategorie 123 Biere eingereicht. (世界啤酒杯)

Craft Beer & Brewing – Recipe: Far Field Infrared American Red Ale
Die von Head Brewer Bryce Lowrance veröffentlichte 19-Liter-Rezeptur mit 72 % Sudhausausbeute, OG 1.062, FG 1.011, 48 IBU und 6,8 % vol. (Craft Beer & Brewing)

Craft Beer & Brewing – American Amber Ale / Brewer Perspective
Hintergrundinformationen zur Entwicklung von Infrared sowie zur Rolle von Crystal Malt und der verwendeten Hopfen. (Craft Beer & Brewing)

Craft Beer & Brewing – Recipe / Brewer Notes
Die veröffentlichte Rezeptur enthält die detaillierten Angaben zu Two-Row, CaraMunich I, DRC, Crystal Light, Chocolate Malt, CTZ, Simcoe, Citra und Taiheke sowie Wasser-, Gär- und Dry-Hop-Parameter. (Craft Beer & Brewing)

Hinweis zur Rezeptquelle:
Die DIYBrew-Version basiert auf der öffentlich veröffentlichten Brewer-Rezeptur von Bryce Lowrance und wurde auf etwa 20 Liter Heimbraumaßstab übertragen. Sie stellt nicht die vollständige kommerzielle Produktionsrezeptur von Far Field Beer Co. dar. Bei den Hopfen sollten die tatsächlichen Alpha-Säurewerte berücksichtigt werden; entscheidend ist das Ziel von etwa 48 IBU und nicht eine starre Grammzahl.

Bild Quelle: Prashant pacific von Pexels

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