World Beer Cup Gold Clone #07: Incendiary Schwarzbier

Wie ein schwarzes Bier trotzdem wie ein Pils schmecken kann

Schwarzbier wird beim ersten Blick häufig falsch eingeordnet.

Dunkle Farbe, Röstmalz und ein gewisser Kaffeeton – viele Hobbybrauer denken dabei sofort an Porter oder Stout.

Doch genau das ist der interessante Punkt:

Ein gutes Schwarzbier soll nicht wie ein dunkles Stout schmecken.

Es soll sich vielmehr wie ein sauberes, leichtes Lager trinken – nur mit einer zusätzlichen Schicht aus Toast, Röstung und dunklem Malz.

Incendiary Schwarzbier aus Winston-Salem, North Carolina, ist ein sehr gutes Beispiel dafür.

2023 gewann das Bier beim World Beer Cup Gold in der Kategorie Schwarzbier. Für Brewmaster Adam Goetz war das Rezept keine Spielerei, sondern seine Interpretation eines Bierstils, den er seit Jahren besonders schätzt.

Und genau deshalb ist dieses Bier für unsere World Beer Cup Gold Clone Series interessant.

Wir wollen nicht einfach ein schwarzes Lager nachbrauen.

Wir wollen verstehen:

Wie viel dunkles Malz braucht ein Schwarzbier – und ab wann wird daraus Porter oder Stout?


1. Das Goldmedaillenbier im Überblick

MerkmalIncendiary Schwarzbier
BrauereiIncendiary Brewing Company
HerkunftWinston-Salem, North Carolina, USA
World Beer Cup2023
AuszeichnungGold Medal
KategorieSchwarzbier
Stammwürze1.047
Endvergärung1.008
Alkoholca. 5,1 % vol.
Bittereca. 24 IBU
HefeGerman Lager Yeast
Charakterleicht, trocken, malzig, sanft röstig

Die veröffentlichte Rezeptur von Adam Goetz arbeitet mit einer Stammwürze von 1.047, einer Endvergärung von 1.008 und rund 24 IBU. Der Alkoholgehalt liegt bei etwa 5,1 % vol.

Schon diese Zahlen zeigen, wohin die Reise geht:

Schwarzbier ist kein High-Gravity-Bier.

Es braucht keine hohe Stammwürze und keinen hohen Alkoholgehalt, um aromatisch interessant zu sein.


2. Was ist ein Schwarzbier eigentlich?

Schwarzbier ist ein traditioneller deutscher Lagerbierstil.

Typisch sind:

  • sehr dunkle Farbe
  • moderate Stammwürze
  • relativ niedriger bis mittlerer Alkoholgehalt
  • dezente Röstmalzaromen
  • saubere Lagergärung
  • trockener und gut trinkbarer Abgang

Das Entscheidende ist:

Dunkle Farbe und schwere Textur gehören nicht automatisch zusammen.

Ein Schwarzbier kann fast schwarz aussehen und sich trotzdem deutlich leichter trinken als ein Porter.

Genau diese Kombination macht den Stil so interessant.


3. Die Grundidee von Incendiary

Brewmaster Adam Goetz beschreibt Schwarzbier als einen Stil, den er besonders mag.

Seine Vorstellung ist relativ klar:

Eine gute Schwarzbier-Version sollte sich ähnlich leicht und selbstverständlich trinken lassen wie ein Pils oder Helles – ergänzt um eine zurückhaltende Röstmalz-Komponente.

Damit ist die wichtigste technische Aussage dieser Rezeptur bereits formuliert:

Das Schwarzbier braucht nicht mehr Röstung. Es braucht die richtige Menge Röstung.

Zu viel davon und das Bier entwickelt sich in Richtung Porter oder Stout.

Zu wenig und es verliert seinen charakteristischen Schwarzbiercharakter.


4. Schwarzbier ist kein „Stout Light“

Das ist wahrscheinlich der häufigste Denkfehler.

Ein Stout kann aufbauen auf:

  • intensiven Röstnoten
  • Kaffee
  • Schokolade
  • kräftigem Körper
  • höherer Restextrakt

Ein Schwarzbier arbeitet anders.

Hier stehen im Vordergrund:

Lager + Malz + leichte Röstung.

Deshalb ist der erste Schritt beim Clone nicht:

„Wie bekomme ich das Bier möglichst schwarz?“

Sondern:

„Wie bekomme ich eine dunkle Farbe, ohne unnötig viel Röstgeschmack einzubauen?“


5. Die Malzschüttung

Die veröffentlichte Clone-Rezeptur basiert auf einer vergleichsweise einfachen Struktur:

MalzAufgabe
Pilsner Malthelle, saubere Basis
Munich MaltMalztiefe
CaraMunich IIKaramell und Rundheit
Carafa Special IIdunkle Farbe, sanfte Röstung
Carafa Special IIInoch mehr Farbe, wenig zusätzliche Härte
Roasted Barleykleine zusätzliche Röstnote

Das Grundprinzip lautet:

Die meisten vergärbaren Extrakte kommen aus hellen Malzen.

Die dunklen Malze sind eher Gewürz als Hauptbestandteil.


6. Pilsner Malt – die Basis bleibt hell

Der größte Anteil der Schüttung besteht aus:

Pilsner Malt

Das klingt bei einem schwarzen Bier zunächst etwas überraschend.

Aber genau das ist gewollt.

Pilsner Malt liefert:

  • saubere Getreidenoten
  • leichte Malzsüße
  • helle Lagerbasis

Damit bleibt genügend Raum für die eigentliche Schwarzbieridee.

Das Bier soll trotz seiner Farbe:

hell und frisch wirken.

Nicht optisch, sondern sensorisch.


7. Munich Malt – mehr Tiefe ohne Röstung

Etwa 15 % der Schüttung entfallen auf:

Munich Malt.

Munich Malt bringt:

  • Brot
  • Toast
  • Getreide
  • eine tiefere Malzaromatik

ohne die typischen Kaffee- oder Röstnoten von Chocolate Malt oder Roasted Barley.

Das macht ihn für Schwarzbier besonders interessant.

Die Kombination:

Pilsner + Munich

bildet das eigentliche Fundament des Bieres.


8. CaraMunich II – Karamell in kleiner Dosis

Ein weiterer größerer Bestandteil ist:

CaraMunich II

mit ungefähr 10 %.

Seine Aufgabe:

  • Karamell
  • Toffee
  • leichte Süße
  • mehr Rundheit
  • zusätzliche Farbe

Wichtig ist aber:

Das Bier soll nicht süß schmecken.

CaraMunich soll vielmehr eine zusätzliche aromatische Ebene schaffen.

Wenn die Maische, Hefe und Bittere richtig eingestellt sind, bleibt das Bier am Ende trotzdem trocken genug.


9. Die Farbe kommt nicht zwingend aus viel Röstmalz

Jetzt kommen wir zum technisch interessantesten Punkt der Rezeptur.

Die veröffentlichte Version verwendet:

Carafa Special II

und

Carafa Special III.

Das erlaubt uns, sehr dunkle Farbe zu erzeugen, ohne automatisch eine große Menge stark gerösteter Malze einzusetzen.

Das ist für ein Schwarzbier ideal.

Denn wir wollen:

schwarz aussehen

aber nicht:

wie eine Tasse Espresso schmecken.


10. Warum Carafa Special?

Carafa Special ist entspelztes Röstmalz.

Durch den fehlenden Spelzenanteil kann es gegenüber vielen klassischen Röstmalzen eine weichere Röstcharakteristik liefern.

Für Schwarzbier ist das interessant:

möglichst viel Farbe

mit:

möglichst wenig harter Röstbittere.

Das ist genau der Unterschied zwischen:

„dunkel“

und:

„stark geröstet“.


11. Und dann kommt noch Roasted Barley

Jetzt könnte man sich fragen:

Wenn Carafa bereits für Farbe sorgt, warum überhaupt noch Roasted Barley?

Die Antwort liegt im Geschmack.

Die veröffentlichte Rezeptur enthält nur einen sehr kleinen Anteil:

Roasted Barley.

In einer öffentlichen Homebrew-Rekonstruktion liegt er bei ungefähr 0,7 %.

Das ist extrem wenig.

Aber genau darin liegt die Idee.

Es soll keine deutliche Stout-Röstung erzeugen.

Es soll nur eine zusätzliche:

dunkle, trockene Röstnuance

beitragen.


12. Ein Prozent kann sensorisch wichtig sein

Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Bedeutung eines Rohstoffs nicht immer mit seiner Menge zusammenhängt.

Roasted Barley:

nur sehr wenig.

Aber:

genau genug, um das Malzprofil etwas zu vertiefen.

Wenn man die Menge verdoppelt oder verdreifacht, bekommt man zwar weiterhin ein dunkles Bier – aber der Charakter verändert sich.

Das ist das Prinzip:

Subtile Complexity


13. Farbe und Geschmack sind zwei verschiedene Stellschrauben

Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Clone.

Viele Hobbybrauer denken:

Dunkleres Bier = mehr Röstmalz.

Aber man kann:

Farbe

und:

Röstaromatik

zum Teil getrennt steuern.

Mit Carafa lässt sich die Farbe stark erhöhen.

Mit etwas Roasted Barley kann man gezielt Geschmack hinzufügen.

Das bedeutet:

Die Farbe muss nicht über den Geschmack „bezahlt“ werden.


14. Die Stammwürze bleibt niedrig

Ein weiteres wichtiges Detail:

OG 1.047

Das entspricht ungefähr:

11,7 °P.

Das ist eher die Größenordnung eines normalen Lagerbieres als die eines kräftigen Stouts.

Damit ist klar:

Die dunkle Farbe ist nicht das Ergebnis einer extrem hohen Konzentration.


15. Und die Endvergärung ist noch niedriger

Die veröffentlichte Rezeptur:

FG 1.008

Damit entsteht ein relativ trockenes Bier.

Diese trockene Endvergärung ist entscheidend für die Trinkbarkeit.

Denn selbst mit:

  • Munich
  • CaraMunich
  • Röstmalz

soll das Bier nicht süß wirken.


16. 5,1 % Alkohol

Das Ziel:

etwa 5,1 % vol.

passt perfekt zur Idee.

Das Bier ist stark genug, um Substanz zu haben.

Aber:

nicht so stark, dass Alkohol selbst zum Geschmackselement wird.

Ein gutes Schwarzbier soll nach dem ersten Glas nicht anstrengend wirken.

Es soll Lust auf das zweite machen.


17. Nur 24 IBU

Auch bei der Bittere bleibt Incendiary zurückhaltend.

ca. 24 IBU.

Das ist wichtig.

Die Bittere soll:

die Malzsüße und Röstnoten ausbalancieren.

Sie soll aber nicht:

als Hopfenaroma im Vordergrund stehen.


18. Tettnanger statt amerikanischer Aromahopfen

Für die Hopfengaben kommen klassische europäische Sorten zum Einsatz.

Vor allem:

Tettnanger

und:

Hallertau Mittelfrüh.

Das ist stilistisch sehr passend.

Tettnanger liefert:

  • feine Kräuter
  • leichte Würze
  • florale Noten

Hallertau Mittelfrüh ergänzt:

  • florale Aromen
  • Kräuter
  • leichte Gewürznoten

Beides fügt sich sehr gut in ein dunkles Lager ein.


19. Der interessante Teil: Hallertau im Whirlpool

Die Whirlpool-Gabe ist eine der interessanteren Details dieser Rezeptur.

Adam Goetz verwendet Hallertau Mittelfrüh nicht nur für die klassische Bitter- und Aromagabe, sondern auch im Whirlpool.

Das Ziel ist nicht, das Bier hopfig zu machen.

Vielmehr erhält das Schwarzbier dadurch:

eine zusätzliche leichte aromatische Ebene.

Gerade bei einer stark malzbetonten Rezeptur kann das verhindern, dass das Bier eindimensional wirkt.


20. Wie viel Whirlpool-Hopfen ist genug?

Hier gilt wieder:

weniger ist mehr.

Wenn wir den Whirlpool mit großen Mengen Hopfen beladen, verändern wir die Stilrichtung.

Dann entsteht leicht ein:

Hoppy Dark Lager

oder sogar:

Black IPA

Das wollen wir nicht.

Die Hopfenaromatik soll erst im Hintergrund auftauchen.


21. Die Hefe: jetzt beginnt der eigentliche Unterschied

Bis hierhin könnten wir theoretisch auch ein dunkles Ale herstellen.

Aber jetzt kommt:

Lager Yeast.

Das ist entscheidend.

Die veröffentlichte Rezeptur verwendet eine:

German Lager Yeast.

Für Hobbybrauer sind beispielsweise:

  • Fermentis W-34/70
  • ähnliche German Lager Yeasts

geeignet.

Die genaue Marke ist weniger wichtig als:

ein sauberes, neutrales Lagerprofil.


22. Warum keine English Ale Yeast?

Mit einer English Ale Yeast würden wir wahrscheinlich:

  • mehr Ester
  • mehr Fruchtigkeit
  • mehr Hefearoma

erhalten.

Das könnte durchaus ein gutes Bier ergeben.

Aber:

es wäre nicht mehr dieselbe Idee.

Bei Incendiary soll die Hefe möglichst sauber arbeiten.

Das Ergebnis soll am Ende mehr nach:

Lager

als nach:

Ale

schmecken.


23. Die Gärtemperatur

Eine veröffentlichte Homebrew-Version arbeitet mit ungefähr:

12 °C

für die Hauptgärung.

Gegen Ende steigt die Temperatur auf:

14–15 °C

damit die Hefe die Gärung sauber abschließen kann.

Das ist ein klassisches Lagerprinzip:

kalt anstellen

↓

kontrolliert vergären

↓

Diacetyl Rest

↓

kalt lagern


24. Warum ein Diacetyl Rest?

Bei Lagerbier entsteht während der Gärung unter anderem:

Diacetyl.

In kleinen Mengen kann es bereits auffällig sein.

Deshalb wird die Temperatur gegen Ende der Gärung angehoben.

Dadurch kann die Hefe verbliebene Vorstufen und Diacetyl besser abbauen.

Gerade bei einem so sauber aufgebauten Bier ist das wichtig.

Denn:

Ein kleiner Fehler wird bei einem einfachen Lagerbier sehr deutlich wahrgenommen.


25. Lagering – hier bekommt das Bier seine Ruhe

Nach abgeschlossener Hauptgärung ist das Bier noch nicht fertig.

Für diesen Clone sind mehrere Wochen:

Lagering bei niedriger Temperatur

sinnvoll.

Eine öffentliche Homebrew-Version empfiehlt:

3–4 Wochen bei niedriger Temperatur.

Ich würde für den ersten Versuch eher:

4 Wochen

anpeilen.

Warum?

Weil die Kombination aus:

  • Lagerhefe
  • dunklen Malzen
  • geringer Bittere

davon profitiert, wenn sich die Aromen etwas setzen und harmonisieren.


26. Die DIYBrew 20-L-Rekonstruktion

Bei diesem Clone ist die Datenlage sehr gut.

Deshalb orientieren wir uns eng an der veröffentlichten Brewer-Rezeptur.

Zielwerte

ParameterDIYBrew Ziel
Ausschlag20 L
OG1.047
FG1.008
Alkoholca. 5,1 %
IBUca. 24
Hauptgärungca. 12 °C
Diacetyl Rest14–15 °C
Lagering2–4 °C, ca. 4 Wochen
CO₂ca. 2,4–2,6 Vol.

27. DIYBrew Malzschüttung

Eine praktische 20-L-Version:

MalzMenge
Pilsner Malt3,50 kg
Munich Malt750 g
CaraMunich II500 g
Carafa Special II175 g
Carafa Special III175 g
Roasted Barley35 g
Gesamtca. 5,14 kg

Die Struktur basiert auf der öffentlich verfügbaren Homebrew-Rekonstruktion der Adam-Goetz-Rezeptur.


28. Eine wichtige Bemerkung zu Carafa

Beim ersten Versuch würde ich Carafa nicht blind nach Farbe dosieren.

Denn verschiedene Hersteller können:

  • unterschiedliche Farbwerte
  • unterschiedliche Röstintensität
  • unterschiedliche Extraktionswirkung

haben.

Deshalb:

Das Ziel ist die Farbe des fertigen Bieres, nicht eine bestimmte Carafa-Menge um jeden Preis.

Wenn dein Carafa deutlich dunkler ist als das Produkt aus dem Originalrezept, kann die Menge etwas reduziert werden.


29. Maische

Eine einfache und robuste Vorgehensweise:

66 °C für 60 Minuten

Danach:

Mash-out bei etwa 76 °C

und normal abläutern.

Die Maische muss nicht kompliziert sein.

Wir wollen vor allem:

eine gut vergärbare Lagerwürze.


30. Kochzeit

Für die DIYBrew-Version:

60 Minuten

Das ist für einen normalen Pilsner-Malz-Sud ausreichend.

Wer seine Anlage und sein Pilsner Malz grundsätzlich mit 90 Minuten kocht, kann das ebenfalls tun.

Für einen möglichst engen Clone würde ich aber zunächst:

60 Minuten

beibehalten.


31. Hopfengaben

Als Ausgangspunkt:

Bittergabe

Tettnanger

↓

späte Gabe

Tettnanger

↓

Whirlpool

Hallertau Mittelfrüh

Ziel:

ca. 24 IBU.

Die Grammzahl sollte anhand der tatsächlichen Alpha-Säure des Hopfens berechnet werden.


32. Whirlpool

Für die Heimbrauanlage:

78–82 °C

etwa:

20–30 Minuten

mit Hallertau Mittelfrüh.

Das sollte genug sein, um eine kleine aromatische Schicht aufzubauen.

Wir wollen ausdrücklich:

keinen hopfigen Schwarzbier-Effekt.


33. Hefe

Für 20 Liter:

W-34/70

oder eine vergleichbare German Lager Yeast.

Bei:

OG 1.047

ist die Stammwürze nicht extrem.

Trotzdem sollte die Hefemenge nicht zu knapp kalkuliert werden.

Ein gesundes Pitching bei Lagerbier zahlt sich direkt aus:

  • sauberer Start
  • geringere Fehlnoten
  • bessere Endvergärung
  • sauberer Diacetylabbau.

34. Gärung Schritt für Schritt

Anstellen

12 °C

Hauptgärung

etwa 12 °C

bis die Dichte deutlich gefallen ist.

Diacetyl Rest

bei:

14–15 °C

bis die Gärung vollständig abgeschlossen ist.

Danach

langsam:

auf 2–4 °C

absenken.

Lagerung

ca. 4 Wochen


35. Wann darf man abfüllen?

Erst wenn:

FG stabil bei ungefähr 1.008

ist.

Danach:

Cold Crash / Lagering

und anschließend:

Verpackung.

Gerade bei einem Lagerbier sollte man nicht versuchen, durch frühes Abfüllen Zeit zu sparen.


36. Carbonation

Für dieses Bier halte ich:

2,4–2,6 Vol. CO₂

für einen guten Bereich.

Warum etwas mehr als bei einem typischen Stout?

Weil die höhere Carbonation hilft, die dunklen Malzaromen leichter wirken zu lassen.

Eine zu niedrige Karbonisierung kann ein Schwarzbier schnell:

schwer und flach

erscheinen lassen.


37. Wie sollte das fertige Bier aussehen?

Farbe

Tiefbraun bis Schwarz.

Aber im Gegenlicht:

dunkle rote oder rubinrote Reflexe.

Der Schaum:

hellbeige bis leicht cremig.


38. Aroma

Zuerst:

saubere Lager-Malznote.

Dann:

Brot und Toast

durch Munich Malt.

Danach:

leichte Karamellnoten.

Und schließlich:

dezente Röst- und Kakaonoten.

Im Hintergrund:

Hallertau / Tettnanger.

Alles sollte relativ zurückhaltend wirken.


39. Geschmack

Der erste Schluck sollte nicht heißen:

„Stout!“

Sondern eher:

„Lager.“

Danach kommt:

Toast

→

Malz

→

leichte Karamellsüße

→

dezente Röstung

→

trockener Abgang.

Das ist der entscheidende Punkt.


40. Was sollte man nicht schmecken?

Nicht:

verbrannter Kaffee.

Nicht:

intensive Schokolade.

Nicht:

schwere Süße.

Nicht:

deutliche Frucht-Ester.

Und nicht:

aggressiven Hopfen.

Wenn eines davon deutlich dominiert, ist die Balance vermutlich verloren gegangen.


41. Die häufigsten Fehler beim Clone

Zu viel Röstmalz

Porter oder Stout.

Zu viel CaraMunich

zu süß.

Zu hohe Maischetemperatur

zu hoher FG.

Lagerhefe zu warm vergoren

zu viele Ester.

Zu kurze Lagerung

noch nicht sauber integriert.

Zu viel Whirlpool-Hopfen

Hoppy Dark Lager.

Zu wenig CO₂

schwerer und flacher Eindruck.


42. Was macht dieses Bier zum Gold Clone?

Die Antwort ist überraschend einfach:

Zurückhaltung.

Adam Goetz versucht nicht, die Stärken des Bierstils maximal auszureizen.

Er versucht, sie:

präzise zu dosieren.

Das bedeutet:

  • genug Farbe
  • genug Röstung
  • genug Karamell
  • genug Bittere
  • genug Hopfen
  • genug Körper

aber:

nichts davon zu viel.


43. Das eigentliche Lernziel dieser Rezeptur

Für Hobbybrauer ist Incendiary Schwarzbier vor allem eine Lektion in:

Subtlety

Ein guter Clone entsteht nicht dadurch, dass wir immer mehr Zutaten einsetzen.

Sondern dadurch, dass wir lernen:

wann eine Zutat bereits genug geleistet hat.

Das ist bei einem Lagerbier besonders wichtig.


44. Ein gutes Beispiel: Roasted Barley

0,7 %.

Warum überhaupt?

Weil ein kleiner Anteil den letzten fehlenden Baustein liefern kann.

Was passiert, wenn wir:

3 %

verwenden?

Dann haben wir plötzlich:

deutliche Röstung.

Das Bier wird schwerer.

Die Balance verschiebt sich.

Also:

Mehr ist nicht besser.


45. Noch ein Beispiel: Whirlpool-Hallertau

Warum überhaupt?

Es wäre möglich, das Bier komplett ohne Whirlpool-Gabe zu brauen.

Aber eine kleine späte Hopfengabe:

öffnet das Aroma etwas.

Das Bier wirkt dadurch nicht unbedingt stärker aromatisiert.

Es wirkt:

offener.

Das ist ein kleiner Unterschied – aber genau solche kleinen Unterschiede können ein Wettbewerbsbier ausmachen.


46. Rezept-DNA

Wenn wir Incendiary Schwarzbier auf seine wichtigsten Bestandteile reduzieren:

Pilsner Malt

→ saubere Lagerbasis

Munich Malt

→ Brot und Tiefe

CaraMunich II

→ Karamell und Rundheit

Carafa Special II/III

→ Farbe und sanfte Dunkelmalzstruktur

Roasted Barley

→ kleine Röstnote

Tettnanger

→ Bittere und feine Würze

Hallertau Mittelfrüh

→ leichte florale Aromatik

German Lager Yeast

→ saubere, trockene Gärung

Das ist die:

Recipe DNA

dieses Goldmedaillenbiers.


47. Original Recipe vs. DIYBrew

Brewer RecipeDIYBrew
Batch Sizeca. 19 L20 L
OG1.0471.047
FG1.0081.008
ABV5,1 %ca. 5,1 %
IBU24ca. 24
HefeGerman Lager YeastW-34/70
Maischeca. 66 °C66 °C
Hauptgärungca. 12 °C12 °C
Diacetyl Rest14–15 °C14–15 °C
Lageringmehrere Wochenca. 4 Wochen
StatusPublished Brewer RecipeDIYBrew Reconstruction

Die DIYBrew-Version bleibt bewusst sehr nah an der öffentlich verfügbaren Rezeptur.


48. Dieser Clone ist nicht kompliziert – aber präzise

Das ist wahrscheinlich die beste Zusammenfassung.

Man braucht:

  • kein riesiges Malzlager
  • keine exotischen Zutaten
  • keine hohe Stammwürze
  • keine komplizierte Hopfenmischung

Aber man braucht:

Temperaturkontrolle.

Und:

Geduld.

Und:

Zurückhaltung bei den dunklen Malzen.

Das macht ihn für viele Hobbybrauer sogar interessanter als ein komplexeres Imperial Stout.


49. Ein schönes Experiment für Hobbybrauer

Wer den Stil wirklich verstehen möchte, könnte einen zweiten Versuch machen.

Sud A – Gold Clone

Die veröffentlichte Rezeptstruktur.

Sud B – „Dark Ale“

Gleiche Basis, aber:

deutlich mehr Chocolate / Roasted Barley.

Anschließend blind vergleichen.

Sehr wahrscheinlich wird man feststellen:

Beide Biere sind schwarz.

Aber nur eines schmeckt wirklich nach:

Schwarzbier.

Das Experiment macht sichtbar, wie stark die dunklen Malze die Stilwahrnehmung verändern.


50. Fazit

Incendiary Schwarzbier ist vielleicht einer der leisesten Goldmedaillengewinner dieser Serie.

Es hat nichts Spektakuläres.

Keinen extrem hohen Alkoholgehalt.

Keine riesige Hopfenladung.

Keine Früchte.

Keine Gewürze.

Und genau darin liegt seine Stärke.

Die Herausforderung besteht darin, mehrere sehr kleine Elemente miteinander zu verbinden:

helle Lagerbasis

Munich-Malztiefe

dezente Karamellnoten

weiche Dunkelmalzfarbe

minimale Röstung

klassische deutsche Hopfen

saubere Lagergärung

Das Ergebnis soll nicht wie ein Stout wirken.

Es soll auch nicht versuchen, spektakulär zu sein.

Es soll einfach:

eine sehr gute Schwarzbier sein.

Und wenn ein fast schwarzes Bier nach dem ersten Schluck trotzdem leicht, trocken und ausgesprochen trinkbar wirkt, dann hat die Rezeptur ihren wichtigsten Punkt erreicht.


World Beer Cup Gold Clone #07

Incendiary Schwarzbier

🏆 World Beer Cup 2023 – Gold Medal

Kategorie: Schwarzbier

Recipe Status: Published Brewer Recipe
Brewer: Adam Goetz / Incendiary Brewing Company

DIYBrew Reconstruction

20 L · OG 1.047 · FG 1.008 · 5,1 % vol. · ca. 24 IBU

Pilsner Malt · Munich Malt · CaraMunich II · Carafa Special II/III · Roasted Barley

Tettnanger · Hallertau Mittelfrüh

German Lager Yeast

Ein gutes Schwarzbier muss nicht stark sein. Es muss wissen, wie viel Röstung genug ist.

Für 20 L Ausschlag:

  • Pilsner Malz: ca. 2,8 kg
  • Munich Malt: ca. 800 g
  • CaraMunich II: ca. 200 g
  • Carafa Special II/III: ca. 150 g
  • Roasted Barley: ca. 50 g
  • Tettnanger: ca. 15 g
  • Hallertauer Mittelfrüh: ca. 10 g
  • German Lager Yeast: 1 × 11,5 g, z. B. W-34/70
  • Maische: ca. 65 °C / 60 min
  • Kochzeit: 60–90 min
  • Gärung: ca. 9–10 °C
  • Lagerung: mindestens 4–6 Wochen
  • Karbonisierung: ca. 2,4–2,6 Vol. CO₂

Ziel: Ein tiefdunkles, aber schlankes Schwarzbier mit weicher Röstung, dezenten Kaffee- und Schokoladennoten, sauberer Lagergärung und einem trockenen, leicht bitteren Finish.

Hinweis: Die Mengen sind eine DIYBrew-Rekonstruktion auf Basis der öffentlich verfügbaren Informationen und nicht das originale Incendiary-Rezept.


Quellen

Craft Beer & Brewing – Recipe: Incendiary Schwarzbier
Die von Adam Goetz veröffentlichte Rezeptur mit OG 1.047, FG 1.008, 24 IBU und 5,1 % ABV. Zum veröffentlichten Brewer Recipe

Craft Beer & Brewing – Gold Medal Schwarzbier / Brewer’s Perspective
Hintergrundgespräch mit Adam Goetz über die Entwicklung der Rezeptur, seine Interpretation des Schwarzbier-Stils und die Bedeutung der zurückhaltenden Röstmalzgabe. Zum Brewer’s Perspective

Craft Beer & Brewing Summer 2023
Veröffentlichung des Gold-Medal-Schwarzbier-Rezepts und Hintergrundinformationen zu Adam Goetz und Incendiary Brewing. Zum Magazinartikel

Brewer’s Friend – öffentliche Homebrew-Rekonstruktionen
Zusätzliche Rezeptdaten zu Pilsner Malt, Munich Malt, CaraMunich, Carafa, Roasted Barley, Tettnanger, Hallertau Mittelfrüh und W-34/70 sowie Angaben zu Gärung und Lagerung. Zur Rezeptdatenbank

Hinweis zur Rezeptquelle:
Die DIYBrew-Version basiert auf einer von Adam Goetz veröffentlichten Brewer-Rezeptur sowie ergänzenden öffentlich zugänglichen Homebrew-Daten. Die 20-L-Version ist für den Hobbybraumaßstab angepasst und stellt nicht die vollständige kommerzielle Produktionsrezeptur von Incendiary Brewing dar.

Bild Quelle: Valeriya Kobzar von Pexels

Back to top arrow

Diesen Artikel teilen

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen