Brauanlagen verstehen – Teil 2
Wer sich zum ersten Mal mit Brauanlagen beschäftigt, stößt schnell auf eine ganze Reihe unterschiedlicher Systeme: BIAB, Einkesselanlagen, Drei-Gefäß-Anlagen, HERMS und RIMS.
Auf den ersten Blick wirken diese Systeme sehr unterschiedlich. Manche bestehen aus kaum mehr als einem Kessel und einem Malzbeutel, andere aus mehreren Edelstahlgefäßen, Pumpen, Wärmetauschern und einer ganzen Sammlung von Schläuchen und Armaturen.
Da stellt sich zwangsläufig die Frage:
Warum gibt es überhaupt so viele unterschiedliche Brausysteme?
Und noch wichtiger:
Welches System ist für einen Hobbybrauer das richtige?
Die Antwort ist weniger kompliziert, als es zunächst aussieht. Denn all diese Systeme verfolgen im Grunde dasselbe Ziel:
Aus Wasser und Malz eine gut kontrollierte Würze herzustellen und sie anschließend sicher zum Kochen und zur Gärung zu bringen.
Der Unterschied liegt vor allem darin, wie die einzelnen Prozessschritte technisch umgesetzt werden.
Genau das schauen wir uns in diesem Beitrag an.
1. Bevor wir Systeme vergleichen: Was muss eine Brauanlage eigentlich leisten?
Beim Blick auf eine Brauanlage sollte man nicht zuerst auf das Gerät schauen, sondern auf den Prozess.
Beim klassischen All-Grain-Brauen müssen einige grundlegende Aufgaben erledigt werden:
Maischen
Malz und Wasser werden zusammengeführt und über eine bestimmte Zeit bei definierten Temperaturen gehalten.
↓
Läutern
Die Würze wird vom Treber getrennt.
↓
Sparging / Nachguss
Je nach Verfahren wird zusätzliches Wasser verwendet, um noch lösliche Extraktstoffe aus dem Treberbett zu gewinnen.
↓
Würzekochen
Die Würze wird gekocht und dabei unter anderem mit Hopfen versetzt.
↓
Whirlpool / Trubtrennung
Hopfenreste und Heißtrub können gezielt abgesetzt werden.
↓
Kühlen
Die heiße Würze wird möglichst schnell auf die gewünschte Anstelltemperatur gebracht.
Das Ziel ist also immer ähnlich.
Die technische Lösung kann aber völlig unterschiedlich aussehen.
2. Der grundlegende Unterschied: ein Gefäß oder mehrere?
Die wichtigste Frage bei der Einordnung von Brausystemen lautet:
Wie viele getrennte Gefäße und Prozesskreise werden verwendet?
Am einen Ende steht ein sehr einfaches System:
Ein Kessel + Malzbeutel
Am anderen Ende steht eine komplexe Anlage mit:
Heißwassertank + Maischebottich + Sudkessel + Pumpen + Wärmetauscher + Regelung
Dazwischen gibt es zahlreiche Mischformen.
Damit lassen sich die wichtigsten Systeme bereits grob einordnen:
- BIAB
- Einkesselanlage
- Drei-Gefäß-Anlage
- HERMS
- RIMS
Diese Begriffe sollte man allerdings nicht als streng voneinander getrennte Kategorien verstehen. In der Praxis gibt es viele Misch- und Eigenbaulösungen.
3. BIAB – Brew in a Bag
BIAB steht für Brew in a Bag.
Das Grundprinzip ist denkbar einfach:
Ein Kessel + ein Malzbeutel
Das geschrotete Malz wird in einen großen hitzebeständigen Beutel gegeben und direkt im Braukessel eingemaischt.
Nach dem Maischen wird der gesamte Beutel mit dem Treber aus dem Kessel gehoben. Die Würze bleibt im Kessel und kann anschließend direkt gekocht werden.
Damit werden mehrere Prozessschritte in einem einzigen Gefäß zusammengefasst.
Die Vorteile von BIAB
BIAB überzeugt vor allem durch seine Einfachheit:
- wenig Equipment
- geringe Anschaffungskosten
- geringer Platzbedarf
- schnelle Einrichtung
- einfache Reinigung
- wenig Schläuche und Anschlüsse
- kaum Pumpentechnik erforderlich
Für viele Einsteiger ist das ein hervorragender Zugang zum Hobbybrauen.
Und auch erfahrene Hobbybrauer nutzen BIAB bewusst, weil sie die Einfachheit schätzen.
4. BIAB ist nicht einfach eine „billige“ Brauanlage
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, BIAB als abgespeckte Version einer „richtigen“ Brauanlage zu betrachten.
Das wird dem System nicht gerecht.
BIAB ist ein eigenständiges Anlagenkonzept.
Es verfolgt bewusst das Ziel:
Mit möglichst wenig Hardware möglichst viele Prozessschritte abzudecken.
Dadurch wird die Anlage einfacher.
Allerdings nimmt man dafür bestimmte Einschränkungen in Kauf.
Zum Beispiel sind klassische Läuter- und Nachgussverfahren weniger ausgeprägt. Auch bei größeren Schüttungen wird das Handling des nassen Malzbeutels zunehmend anspruchsvoller.
Die Frage lautet deshalb nicht:
„Ist BIAB gut genug?“
Sondern:
„Passt BIAB zu meinem Brauprozess und meinen Erwartungen?“
5. Einkesselanlagen – mehrere Funktionen in einem Gerät
Die nächste Stufe, die viele Hobbybrauer kennenlernen, sind Einkesselanlagen beziehungsweise All-in-One-Systeme.
Typischerweise findet man darin:
- einen äußeren Kessel,
- einen herausnehmbaren Malzkorb,
- eine Heizung,
- eine Umwälzpumpe,
- Temperaturfühler,
- eine Steuerung
- und verschiedene Anschlüsse.
Damit können mehrere Prozessschritte in einer kompakten Anlage durchgeführt werden.
Typischer Ablauf:
Aufheizen
↓
Einmaischen
↓
Maischen
↓
Rezirkulation
↓
Malzkorb anheben
↓
Abläutern
↓
Kochen
Viele Anlagen können zusätzlich einen Whirlpool oder zumindest eine kontrollierte Würzeumwälzung ermöglichen.
6. Warum sind Einkesselanlagen so beliebt?
Einkesselanlagen treffen einen ziemlich interessanten Kompromiss.
Sie bieten deutlich mehr Kontrolle und Komfort als ein minimalistisches BIAB-Setup, benötigen aber wesentlich weniger Platz und Einzelkomponenten als eine klassische Drei-Gefäß-Anlage.
Für viele Hobbybrauer ist genau das attraktiv:
Mehr Kontrolle, ohne gleich eine kleine Brauerei im Keller aufzubauen.
Besonders interessant sind Funktionen wie:
- programmierbare Temperaturstufen
- automatische Aufheizphasen
- Umwälzung der Würze
- Timer
- integrierte Pumpen
- Temperaturregelung
Die konkrete Ausstattung unterscheidet sich allerdings stark zwischen den verschiedenen Geräten.
Deshalb sollte man bei einer Einkesselanlage nicht nur auf den Namen oder die Literangabe schauen, sondern auf die tatsächliche Technik.
7. Was bedeutet „Einkessel“ eigentlich?
Der Begriff kann etwas irreführend sein.
Denn eine Einkesselanlage besteht technisch natürlich nicht nur aus einem simplen Kessel.
Im Inneren oder direkt daran befinden sich häufig:
- ein Malzkorb
- ein Lochboden oder Siebbereich
- eine Pumpe
- eine Heizung
- Temperaturfühler
- Rohrleitungen
- Ventile
- Regelungselektronik
Die Bezeichnung bedeutet deshalb vor allem:
Mehrere Brauprozesse werden in einem zentralen Kesselsystem zusammengefasst.
Das unterscheidet die Einkesselanlage deutlich von einem klassischen Mehrgefäßsystem.
8. Die Drei-Gefäß-Anlage
Das klassische Gegenmodell ist die Drei-Gefäß-Anlage.
Der typische Aufbau lautet:
HLT → Mash Tun → Kettle
Dabei steht:
HLT = Hot Liquor Tank
also ein Behälter für das heiße Brauwasser.
Mash Tun
ist der Maischebottich.
Kettle
ist der Sud- beziehungsweise Würzekessel.
Jedes Gefäß erfüllt eine klar definierte Funktion.
9. Warum drei Gefäße?
Der große Vorteil dieser Architektur ist die Trennung der Prozesse.
Während im Maischebottich die Rast läuft, kann beispielsweise im HLT bereits das Nachgusswasser auf Temperatur gebracht werden.
Die Würze kann anschließend kontinuierlich in den Sudkessel laufen, während andere Prozesse weiter vorbereitet werden.
Dadurch entsteht ein sehr flexibler Ablauf.
Man kann beispielsweise unabhängig voneinander festlegen:
- welche Temperatur der HLT haben soll,
- wie schnell geläutert wird,
- wie stark die Würze umgewälzt wird,
- wie der Nachguss durchgeführt wird,
- wie stark der Sudkessel beheizt wird.
Die Drei-Gefäß-Anlage bietet dadurch sehr viel Freiheit.
10. Der Preis für diese Freiheit: mehr Technik
Mit der zusätzlichen Flexibilität steigt aber auch die Komplexität.
Eine Drei-Gefäß-Anlage benötigt je nach Ausführung:
- mehrere Gefäße
- Pumpen
- Schläuche
- Ventile
- Fittings
- Temperaturfühler
- Halterungen
- gegebenenfalls Durchflussregelung
Auch der Reinigungsaufwand steigt.
Und plötzlich wird ein ganz anderes Thema wichtig:
Wie transportiere ich die Flüssigkeit von A nach B?
Damit kommen wir zu einem Bauteil, das bei komplexeren Anlagen immer wichtiger wird:
die Pumpe.
11. Schwerkraft oder Pumpe?
Bei einem einfachen System kann die Flüssigkeit durch die Schwerkraft von einem Behälter in den nächsten laufen.
Bei einer Mehrgefäßanlage kann man die einzelnen Behälter jedoch nicht immer sinnvoll übereinander aufstellen.
Deshalb werden Pumpen eingesetzt.
Typischerweise zum Beispiel für:
- die Würzerezirkulation
- den Transfer zwischen Gefäßen
- das Umwälzen während des Maischens
- Whirlpool
- den Transport zur Kühlung
Damit wird aus einer einfachen Brauanlage zunehmend ein Flüssigkeitssystem.
Und plötzlich werden Themen relevant, die beim BIAB kaum eine Rolle spielen:
- Förderleistung
- Förderhöhe
- Schlauchdurchmesser
- Druckverluste
- Toträume
- Ansaugverhalten
- Trockenlauf
- Reinigung
Das Thema Pumpen werden wir deshalb später noch separat behandeln.
12. HERMS – Temperaturkontrolle über Wärmeaustausch
Wer noch einen Schritt weiter in Richtung Prozesskontrolle geht, stößt auf:
HERMS – Heat Exchange Recirculating Mash System
Das Prinzip:
Die Maische wird kontinuierlich umgewälzt.
Die Würze wird aus dem Maischebottich abgezogen und durch einen Wärmetauscher geführt.
Dort wird sie indirekt durch heißes Wasser erwärmt.
Anschließend fließt die Würze wieder zurück in den Maischebottich.
Vereinfacht:
Mash Tun → Pumpe → Wärmetauscher → Mash Tun
Das Heizwasser befindet sich dabei in einem separaten Kreislauf.
13. Warum indirekt heizen?
Das Ziel ist eine möglichst kontrollierte und gleichmäßige Temperaturführung.
Anstatt eine Heizung direkt in der Maische oder im Würzekreislauf zu verwenden, erfolgt die Wärmeübertragung über einen Wärmetauscher.
Dadurch kann die Temperatur sehr fein geregelt werden.
HERMS ist deshalb besonders interessant für Hobbybrauer, die Wert auf:
- stabile Maischetemperaturen
- reproduzierbare Rasten
- Rezirkulation
- kontrollierte Temperaturänderungen
- Automatisierung
legen.
Allerdings wächst mit dem Funktionsumfang auch die technische Komplexität.
14. RIMS – direkte Erwärmung des Rezirkulationskreislaufs
RIMS = Recirculating Infusion Mash System
Auch hier wird die Maische kontinuierlich umgewälzt.
Der entscheidende Unterschied:
Die rezirkulierende Würze wird direkt über ein Heizelement erwärmt.
Der typische Kreislauf sieht vereinfacht so aus:
Mash Tun → Pumpe → RIMS Heater → Mash Tun
Das System reagiert sehr schnell auf Temperaturänderungen.
Genau das ist ein großer Vorteil.
Gleichzeitig stellt die direkte Erwärmung höhere Anforderungen an:
- Heizleistung
- Pumpenleistung
- Durchfluss
- Temperaturmessung
- Regelung
Denn wenn die Würze zu langsam durch das beheizte Rohr fließt, kann die lokale Temperatur stark ansteigen.
15. HERMS oder RIMS – welches System ist besser?
Diese Frage wird in der Hobbybrauszene regelmäßig diskutiert.
Eine pauschale Antwort ist allerdings nicht sinnvoll.
Beide Systeme verfolgen dasselbe Ziel:
Die Maische während der Rezirkulation möglichst präzise auf Temperatur zu halten beziehungsweise kontrolliert aufzuheizen.
Der technische Weg ist unterschiedlich.
| Kriterium | HERMS | RIMS |
|---|---|---|
| Wärmeübertragung | indirekt | direkt |
| Temperaturreaktion | eher moderat | sehr schnell |
| Heizquelle | Heißwasserkreislauf | Heizelement im Würzekreislauf |
| Systemkomplexität | hoch | hoch |
| Regelungsbedarf | hoch | sehr hoch |
| Risiko lokaler Überhitzung | geringer | stärker zu beachten |
| Automatisierung | sehr gut möglich | sehr gut möglich |
Welches System besser passt, hängt letztlich vom gesamten Anlagenkonzept und den eigenen Zielen ab.
16. Diese Systeme sind keine „Leistungsklassen“
Ein häufiger Fehler bei der Betrachtung solcher Systeme ist die Vorstellung:
BIAB = Anfänger
Einkesselanlage = Fortgeschrittene
Drei-Gefäß = Profi
HERMS/RIMS = Master Brewer
So einfach ist es nicht.
Eine komplexere Anlage bedeutet nicht automatisch ein besseres Bier.
Sie ermöglicht vor allem:
- mehr Kontrolle
- mehr Automatisierung
- mehr Flexibilität
- bessere Reproduzierbarkeit
Aber diese zusätzlichen Möglichkeiten müssen auch sinnvoll genutzt werden.
Ein erfahrener Brauer kann mit einem sehr einfachen Setup hervorragende Ergebnisse erzielen.
17. Mehr Technik bedeutet nicht automatisch besseres Bier
Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieses Artikels.
Eine perfekte Temperaturregelung kann keine schlechte Hefe retten.
Eine teure Edelstahlpumpe verhindert keine Oxidation beim Verpacken.
Eine vollautomatische Brauanlage korrigiert kein falsches Wasserprofil.
Und ein HERMS-System macht aus einem schlecht eingestellten Rezept kein gutes Bier.
Die Qualität des Bieres hängt von vielen Faktoren ab:
- Rohstoffe
- Wasser
- Schrotung
- Maischeführung
- Hopfengaben
- Hefe
- Gärtemperatur
- Sauerstoffmanagement
- Hygiene
- Verpackung
Die Technik ist dabei ein Werkzeug.
Gutes Equipment soll den Brauprozess besser kontrollierbar machen – nicht das Brauhandwerk ersetzen.
18. Der zweite wichtige Faktor: Automatisierungsgrad
Neben dem Anlagenkonzept gibt es noch eine zweite Dimension:
Wie viel davon soll die Anlage selbst übernehmen?
Zwei Anlagen können beispielsweise technisch fast gleich aufgebaut sein.
Bei der einen muss der Brauer:
- Temperaturen manuell einstellen
- Pumpen einschalten
- Ventile bedienen
- Zeiten überwachen
- Prozessdaten notieren
Bei der anderen übernimmt ein Controller große Teile davon automatisch.
Damit entstehen unterschiedliche Automatisierungsstufen:
Manuell
Der Brauer steuert den Prozess selbst.
Teilautomatisiert
Temperatur, Zeit oder Pumpe werden automatisch geregelt.
Hochautomatisiert
Die Anlage führt einen großen Teil des Brauprogramms selbstständig aus.
Das ist unabhängig davon, ob man BIAB, Einkessel, Drei-Gefäß, HERMS oder RIMS verwendet.
19. Komplexität hat immer zwei Seiten
Mehr Technik kann sehr nützlich sein.
Aber jedes zusätzliche Bauteil bringt auch neue Anforderungen.
Eine zusätzliche Pumpe bedeutet:
→ zusätzlicher Schlauch
→ zusätzliche Anschlüsse
→ zusätzliche Dichtungen
→ zusätzlicher Reinigungsaufwand
→ zusätzlicher Wartungsaufwand
Ein Wärmetauscher bedeutet:
→ bessere Temperaturkontrolle
→ aber auch zusätzliche Oberflächen und Leitungen
Ein automatisches Ventil bedeutet:
→ mehr Komfort
→ aber auch mehr Technik, die gewartet werden muss
Darum sollte man nicht fragen:
„Was kann ich alles einbauen?“
Sondern:
„Welche Funktion brauche ich wirklich?“
20. Wie findet man das passende Brausystem?
Eine sinnvolle Entscheidung beginnt mit einigen einfachen Fragen.
Wie groß sind meine Sude?
5 Liter, 10 Liter, 20 Liter, 30 Liter oder mehr?
Die passende Technik verändert sich mit der Batchgröße.
Wie wichtig ist mir Einfachheit?
Wer möglichst schnell und unkompliziert brauen möchte, wird wahrscheinlich anders planen als jemand, der sein System ständig optimiert.
Wie wichtig ist mir Temperaturkontrolle?
Für manche Rezepte reicht eine einfache Temperaturführung.
Andere Brauer wünschen sich sehr präzise Maischeprogramme.
Wie viel Automatisierung möchte ich?
Manche Hobbybrauer genießen die aktive Arbeit.
Andere möchten möglichst viel automatisieren.
Wie wichtig ist mir Erweiterbarkeit?
Soll später beispielsweise Folgendes möglich sein?
- Druckgärung
- Kegging
- Closed Transfer
- Dry Hop unter CO₂
- automatisierte Temperaturführung
Dann lohnt es sich, bereits bei der Grundkonfiguration auf passende Schnittstellen zu achten.
21. Ein Überblick über die wichtigsten Systeme
Zum Schluss lohnt sich ein direkter Vergleich.
| System | Komplexität | Platzbedarf | Kosten | Flexibilität | Automatisierung | Typischer Vorteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| BIAB | niedrig | sehr gering | niedrig | mittel | gering | einfach und kompakt |
| Einkesselanlage | mittel | gering | mittel | mittel | hoch | viele Funktionen in einem Gerät |
| Drei-Gefäß | hoch | hoch | mittel–hoch | sehr hoch | mittel–hoch | maximale Freiheit bei der Prozessgestaltung |
| HERMS | sehr hoch | hoch | hoch | sehr hoch | sehr hoch | präzise Temperaturführung |
| RIMS | sehr hoch | hoch | hoch | sehr hoch | sehr hoch | schnelle und präzise Temperaturregelung |
Diese Tabelle sollte man allerdings nicht als Rangliste verstehen.
Mehr Sterne bedeuten nicht automatisch besseres Bier.
Sie zeigen lediglich, wie viel technische Kontrolle und Komplexität ein System mit sich bringt.
22. Eine mögliche Entscheidungslogik
Für die erste Orientierung kann folgende Denkweise helfen:
Ich möchte möglichst einfach brauen.
→ BIAB
Ich möchte kompakt bleiben, aber mehr Kontrolle und Komfort.
→ Einkesselanlage
Ich möchte maximale Freiheit bei der Prozessgestaltung.
→ Drei-Gefäß-Anlage
Ich möchte die Maischetemperatur sehr präzise führen und Rezirkulation intensiv nutzen.
→ HERMS oder RIMS
Und dann kommt die zweite Frage:
Wie viel davon soll automatisch ablaufen?
Damit entsteht eine deutlich sinnvollere Entscheidung als die bloße Suche nach dem „besten“ Braukessel.
Fazit
BIAB, Einkesselanlagen, Drei-Gefäß-Systeme, HERMS und RIMS sind keine fünf verschiedenen Arten, Bier zu brauen.
Sie sind fünf unterschiedliche technische Antworten auf dieselbe grundlegende Aufgabe:
Wie möchte ich Maischen, Läutern, Nachguss und Würzebereitung organisieren?
BIAB setzt auf maximale Einfachheit.
Die Einkesselanlage kombiniert viele Funktionen in einem kompakten System.
Die Drei-Gefäß-Anlage trennt die Prozesse und bietet dadurch besonders viel Flexibilität.
HERMS und RIMS gehen noch stärker in Richtung kontinuierliche Rezirkulation, präzise Temperaturführung und Automatisierung.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Welche Anlage ist die beste?“
Sondern:
„Welche Anlage passt zu meinem Braustil, meiner Batchgröße, meinem Platz, meinem Budget und dem Maß an Kontrolle, das ich tatsächlich brauche?“
Genau diese Frage werden wir im weiteren Verlauf der Serie immer konkreter beantworten.
Im nächsten Schritt schauen wir uns nicht mehr die gesamte Anlagenarchitektur an, sondern beginnen ganz am Anfang des Brauprozesses:
Die Getreidemühle – warum die Schrotung zu den wichtigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Teilen des Brauequipments gehört.
Bild Quelle: tiburi von Pixabay


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