World Beer Cup Gold Clone #05: Wild Fields Pine Mountain Monolith – Was eine Brown Ale wirklich komplex macht

Ein World-Beer-Cup-Goldmedaillengewinner als Homebrew-Rezept rekonstruiert

Nach Belgian Tripel, Barley Wine und Gose geht unsere World Beer Cup Gold Clone-Serie diesmal in eine ganz andere Richtung.

Unser Bier dieser Ausgabe ist:

Pine Mountain Monolith

von Wild Fields Brewhouse aus Atascadero, Kalifornien.

Eine Brown Ale.

Kein IPA.
Kein Imperial Stout.
Kein Sour Beer.
Kein Bier mit exotischen Zutaten.

Und trotzdem gewann dieses Bier beim World Beer Cup 2022 die Goldmedaille in der Kategorie English-Style Brown Ale.

Noch interessanter: Das Bier hatte bereits ein Jahr zuvor beim Great American Beer Festival Gold gewonnen.

Für uns als Hobbybrauer ist aber etwas anderes besonders spannend:

Der Brauer Ryan Fields hat die Rezeptur öffentlich gemacht.

Damit können wir bei diesem Clone ungewöhnlich tief in die Rezeptur einsteigen.


1. Das Original im Überblick

MerkmalPine Mountain Monolith
BrauereiWild Fields Brewhouse
HerkunftAtascadero, Kalifornien, USA
World Beer Cup2022
AuszeichnungGold Medal
KategorieEnglish-Style Brown Ale
Stammwürzeca. 13,3 °P / 1.054
Alkoholca. 5,5 % vol.
Bittereca. 20–30 IBU*
Farbeca. 19–20 SRM
CharakterMalzbetont, toastig, nussig, leicht karamellig
FinishTrocken und sauber

* Die veröffentlichten Quellen nennen unterschiedliche IBU-Werte bzw. errechnete Werte. Für unsere Rekonstruktion ist deshalb eher die geschmackliche Balance als eine einzelne exakte IBU-Zahl entscheidend.

Wild Fields führt Pine Mountain Monolith offiziell als Goldmedaillengewinner des World Beer Cup 2022. Das Bier gewann außerdem bereits 2021 Gold beim Great American Beer Festival.


2. Warum gerade eine Brown Ale?

Wenn Hobbybrauer über spannende Clone-Rezepte sprechen, stehen meistens Biere wie IPA, Imperial Stout oder Barley Wine im Mittelpunkt.

Brown Ale wirkt dagegen zunächst fast langweilig.

Aber genau das macht Pine Mountain Monolith interessant.

Denn eine Brown Ale hat kaum Möglichkeiten, Fehler zu verstecken.

Zu viel Caramel Malt?

→ Das Bier wird süß.

Zu viel Chocolate Malt?

→ Es geht in Richtung Porter.

Zu viel Bittere?

→ Die Malzaromen wirken hart.

Zu wenig Körper?

→ Das Bier wirkt dünn.

Zu viel Körper?

→ Es wird schwer und sättigend.

Die Herausforderung lautet deshalb:

Viele kleine Geschmackselemente müssen zusammenpassen, ohne dass eines davon dominiert.


3. Die geschmackliche Idee hinter Pine Mountain Monolith

Ryan Fields beschreibt das Bier unter anderem mit Aromen von:

  • gebackenem Brot
  • gerösteten Nüssen
  • Karamell
  • Toast
  • einer ausgeprägten Malzbasis

Gleichzeitig soll das Bier:

nicht übermäßig süß

und im Abgang:

sauber und frisch

sein.

Genau diese Kombination ist entscheidend.

Pine Mountain Monolith ist keine Brown Ale, die einfach möglichst viele dunkle Malzaromen sammelt.

Das Ziel ist vielmehr:

Brot

→ Toast

→ Nuss

→ Karamell

→ leichte Schokolade

→ trockener Abgang


4. Die Recipe DNA

Wenn wir das veröffentlichte Rezept auf seine wichtigsten Bausteine reduzieren, entsteht ein sehr klares Bild:

Maris Otter

→ Malzbasis

Flaked Oats

→ Mundgefühl

CaraMunich III

→ Karamell und Tiefe

Carafoam

→ Körper und Schaum

Pale Chocolate Malt

→ Kakao und Röstnoten

Chocolate Malt

→ dunklere Malztiefe

Hallertau Mittelfrüh

→ Bittere und dezente Hopfenaromatik

California Ale Yeast

→ saubere Gärung

Das ist die eigentliche DNA dieses Bieres.


5. Maris Otter – die Grundlage

Der größte Teil der Schüttung besteht aus:

Maris Otter

und genau das ist kein Zufall.

Maris Otter bringt selbst bereits deutliche Malzaromen mit:

  • Brot
  • Biskuit
  • Getreide
  • leichte Toastnoten

Damit entsteht ein wichtiger Grundsatz:

Die Komplexität beginnt bereits beim Basismalz.

Man muss also nicht versuchen, eine einfache Basismalzschüttung mit immer mehr Spezialmalzen zu „retten“.

Eine gute Brown Ale beginnt mit einer guten Malzbasis.


6. Warum nicht einfach Pale Ale Malt?

Natürlich könnte man eine Brown Ale auch mit Pale Ale Malt brauen.

Aber das Ergebnis wäre anders.

Pale Ale Malt liefert eine relativ neutrale Basis.

Maris Otter bringt dagegen selbst schon Charakter mit.

Bei einem Bier, das so stark von seiner Malzstruktur lebt, ist das ein wichtiger Unterschied.

Deshalb würde ich beim Clone nicht versuchen, Maris Otter durch ein möglichst neutrales Basismalz zu ersetzen.


7. Flaked Oats – nicht für Hafergeschmack

Etwa 8–9 % der Schüttung bestehen aus:

Flaked Oats.

Das bedeutet nicht, dass das Bier nach Hafer schmecken soll.

Die Aufgabe ist vielmehr:

  • weicheres Mundgefühl
  • etwas mehr Körper
  • bessere Schaumstruktur
  • rundere Textur

Das ist eine interessante Ergänzung zu einer ansonsten eher klassischen Malzschüttung.


8. CaraMunich III – Karamell ohne Dessertbier

Einen weiteren größeren Anteil bildet:

CaraMunich III

mit ungefähr 8–9 % der Schüttung.

CaraMunich bringt unter anderem:

  • Karamell
  • Toffee
  • dunklere Zuckeraromen
  • etwas Fruchtigkeit

Aber:

Karamellaroma bedeutet nicht automatisch Süße.

Genau hier liegt eine der wichtigsten Aufgaben beim Brauen dieser Brown Ale.

Wir wollen:

Karamell

aber nicht:

Karamellsirup.


9. Carafoam – Körper gezielt aufbauen

Ebenfalls überraschend ist der Anteil an:

Carafoam

Carafoam wird eingesetzt, um unter anderem Körper und Schaumstabilität zu unterstützen.

Das ist interessant, weil es zeigt:

Körper entsteht nicht nur durch eine hohe Maischetemperatur.

Bei Pine Mountain Monolith wird der gewünschte Eindruck über mehrere Stellschrauben aufgebaut:

  • Maischetemperatur
  • Hafer
  • Carafoam
  • CaraMunich
  • Hefevergärung

Das Ergebnis soll nicht schwer wirken, sondern:

weich und trotzdem gut trinkbar.


10. Pale Chocolate Malt

Jetzt kommen wir zu den dunkleren Malzen.

Pale Chocolate Malt liegt in der veröffentlichten Rezeptur nur bei ungefähr:

3 %.

Das reicht bereits für:

  • Kakao
  • leichte Röstnoten
  • Nussigkeit
  • Toast

Gerade bei Brown Ale ist das sinnvoll.

Denn wir wollen zwar einen dunklen Malzcharakter, aber keine dominante Röstbittere.


11. Chocolate Malt

Zusätzlich werden nur etwa:

1,5 % Chocolate Malt

eingesetzt.

Das ist sehr wenig.

Und genau das ist wichtig.

Denn sobald man bei einer Brown Ale zu großzügig mit Chocolate Malt umgeht, verschiebt sich das Bier schnell in Richtung:

Brown Ale → Porter → Stout

Pine Mountain Monolith bleibt bewusst auf der helleren Seite dieses Spektrums.


12. Zwei Chocolate-Malze statt eines großen Anteils

Das Zusammenspiel von:

Pale Chocolate Malt

und

Chocolate Malt

ist deshalb besonders interessant.

Das hellere Chocolate Malt liefert die weicheren:

Kakao- und Toastnoten.

Das dunklere Chocolate Malt ergänzt:

eine kleine Menge tieferer Röstnoten.

So entsteht mehr Tiefe, ohne dass die Röstung zu dominant wird.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie man Komplexität erzeugen kann, ohne einfach die Menge zu erhöhen.


13. Die Farbe

Pine Mountain Monolith soll nicht schwarz sein.

Die veröffentlichte Rezeptur liegt ungefähr bei:

19–20 SRM.

Das entspricht optisch einem:

tiefen Braun mit rötlichen Reflexen

wenn das Bier gegen Licht gehalten wird.

Das ist wichtig:

Die Farbe ist nicht das Ziel.

Die Farbe entsteht als Ergebnis der Malzschüttung.

Wir sollten also nicht versuchen, das Bier durch zusätzliches Röstmalz „dunkler“ zu machen.


14. Der Hopfen: Hallertau Mittelfrüh

Eine weitere interessante Entscheidung:

Hallertau Mittelfrüh

Die Brauerei verwendet also keinen Citra, Cascade oder Centennial.

Stattdessen kommt eine klassische deutsche Aromasorte zum Einsatz.

Hallertau Mittelfrüh bringt:

  • dezente florale Noten
  • Kräuter
  • eine leichte Würzigkeit
  • zurückhaltende Hopfenaromatik

Das passt sehr gut zur Idee dieses Bieres.

Der Hopfen soll nicht sagen:

„Schau, wie viel Hopfen ich habe.“

Er soll vielmehr die Malzbasis unterstützen.


15. Warum kein moderner American Hop?

Mit Citra oder Mosaic würde die Rezeptur eine völlig andere Richtung einschlagen.

Dann könnten Aromen wie:

  • Zitrus
  • Tropenfrucht
  • Harz

in den Vordergrund treten.

Das wäre eher eine:

American Brown Ale

oder sogar eine:

Hoppy Brown Ale.

Pine Mountain Monolith verfolgt einen anderen Ansatz:

Malz zuerst.


16. Die veröffentlichte Hopfengabe

Die veröffentlichte Rezeptur verwendet Hallertau Mittelfrüh in drei Gaben:

ZeitpunktHopfen
90 minHallertau Mittelfrüh
15 minHallertau Mittelfrüh
WhirlpoolHallertau Mittelfrüh

Die Mengen der Originalrezeptur sind auf eine deutlich größere Hobbybraumenge ausgelegt und sollten für einen 20-Liter-Sud nicht einfach 1:1 übernommen werden.

Für unsere Rekonstruktion ist deshalb sinnvoller:

nach gewünschter Bittere und tatsächlicher Alphasäure zu dosieren.


17. Die IBU-Frage

Hier stoßen wir auf ein typisches Problem bei Clone Recipes.

In der Veröffentlichung des Brauers werden ungefähr:

30 IBU

genannt.

Andere Rezeptdatenbanken errechnen je nach Modell und verwendeter Alphasäure deutlich niedrigere Werte.

Das ist kein ungewöhnlicher Widerspruch.

IBU-Berechnungen hängen unter anderem ab von:

  • Alphasäure
  • Kochzeit
  • Würzekonzentration
  • Hopfenmenge
  • Ausnutzungsmodell
  • Whirlpooltemperatur

Deshalb würde ich bei dieser Rekonstruktion nicht versuchen, eine historische Zahl auf die Nachkommastelle zu reproduzieren.

Wichtiger ist:

Die Bittere muss die Malzsüße ausbalancieren, ohne selbst in den Vordergrund zu treten.


18. Maischen

Die veröffentlichte Rezeptur arbeitet ungefähr bei:

68 °C

für etwa 45 Minuten.

Für einen normalen Heimbrau-Sud können wir daraus sehr einfach:

67–68 °C für 60 Minuten

machen.

Das Ziel ist eine gute Balance zwischen:

  • Vergärbarkeit
  • Körper
  • Malzigkeit

19. Warum nicht bei 64 °C?

Eine sehr niedrige Rasttemperatur würde die Würze stärker vergärbar machen.

Das kann bei vielen Bieren sinnvoll sein.

Für diese Brown Ale möchten wir aber etwas mehr:

Körper und Rundheit.

Deshalb ist 67–68 °C ein sinnvoller Bereich.

Aber auch hier gilt:

Wir wollen keinen süßen, schweren Malzblock.


20. Kochzeit: 90 Minuten

Das veröffentlichte Rezept sieht:

90 Minuten Kochzeit

vor.

Im Vergleich zu unserem vorherigen Barley-Wine-Clone ist das noch moderat.

Die 90 Minuten dienen hier vor allem dazu, eine stabile, konzentrierte Würze zu erzeugen und die klassische Hopfengabe abzubilden.


21. Die Hefe

Für Pine Mountain Monolith wird:

California Ale Yeast

verwendet.

Das ist interessant, weil wir eigentlich eine:

English-Style Brown Ale

brauen.

Trotzdem wird bewusst ein relativ sauber vergärender Hefestamm verwendet.

Der Vorteil:

Die Hefe soll nicht selbst die Hauptrolle spielen.

Sie soll vielmehr den Weg frei machen für:

Maris Otter + Karamell + Toast + Schokolade.


22. Gärtemperatur

Die veröffentlichte Rezeptur empfiehlt ungefähr:

20 °C

für die Gärung.

Für den Homebrew-Sud würde ich mit:

19–20 °C

starten.

Danach kann die Temperatur gegen Ende der Gärung leicht steigen, damit die Hefe sauber ausgärt.

Wie immer gilt:

Nicht nach dem Kalender abfüllen.

Erst wenn die Endvergärung stabil ist.


23. US-05 als praktische Alternative

Wer nicht mit WLP001 oder einem anderen California-Ale-Stamm arbeitet, kann für einen Homebrew-Clone auch:

US-05

verwenden.

Das passt grundsätzlich zur gewünschten sauberen Gärung.

Wer dagegen bewusst mehr englischen Charakter möchte, könnte einen klassischen English-Ale-Stamm verwenden.

Aber das wäre bereits eine geschmackliche Interpretation.

Für die erste Version würde ich deshalb:

möglichst nah an der veröffentlichten California-Ale-Hefe bleiben.


24. Wasser – ein oft unterschätzter Punkt

Bei dieser Rezeptur hat der Brauer ebenfalls Angaben zum Wasser gemacht.

Verwendet wird ein:

ausgeglichenes Brown-Ale-Wasserprofil

auf Basis von gefiltertem Stadtwasser und RO-Wasser.

Außerdem werden unter anderem:

Calciumchlorid

und

Gips / Calcium Sulfate

eingesetzt.

Besonders interessant:

Mash pH ca. 5,4

und

Knockout pH ca. 5,3.

Das zeigt, dass die Wasserchemie hier durchaus Teil der Rezeptur ist.


25. Warum pH bei einer Brown Ale wichtig ist

Auch wenn diese Brown Ale nicht besonders dunkel ist, enthalten wir:

  • CaraMunich
  • Pale Chocolate
  • Chocolate Malt

Diese Malze beeinflussen die Maische.

Ein zu hoher pH kann die Malzaromatik und die Bittere ungünstig verändern.

Ein zu niedriger pH kann dagegen:

  • die Würze zu hart wirken lassen
  • Körper und Malzcharakter verändern.

Deshalb ist ein Zielbereich von ungefähr:

pH 5,3–5,4

eine gute Orientierung.


26. DIYBrew Reconstruction – 20 Liter

Jetzt übersetzen wir die öffentliche Rezeptur in einen für Hobbybrauer praktikablen 20-Liter-Sud.

Zielwerte

ParameterZiel
Ausschlag20 L
OG1.054–1.055
FG1.012–1.014
Alkoholca. 5,5 % vol.
Bittereca. 20–30 IBU
Farbeca. 19–20 SRM
Maische67–68 °C
Kochzeit90 min
Gärung19–20 °C

27. Die Malzschüttung

Für 20 Liter können wir ungefähr mit folgender Schüttung arbeiten:

MalzMenge
Maris Otter3,45 kg
Flaked Oats420 g
CaraMunich III420 g
Carafoam420 g
Pale Chocolate Malt150 g
Chocolate Malt75 g
Gesamtca. 4,94 kg

Diese Schüttung orientiert sich an der öffentlich zugänglichen Rezeptstruktur von Ryan Fields.


28. Warum wir die Rezeptur nicht einfach „verbessern“

Man könnte jetzt natürlich anfangen:

etwas Munich Malt hinzufügen.

Oder:

mehr Chocolate Malt verwenden.

Oder:

eine Prise Special B ergänzen.

Oder:

Citra dazugeben.

Aber dann machen wir kein Clone Recipe mehr.

Wir machen:

unser eigenes Brown-Ale-Rezept.

Das kann später interessant sein.

Aber für die World Beer Cup Gold Clone-Serie gilt:

Zuerst verstehen, dann verändern.


29. Wasser

Für einen ersten Versuch reicht ein ausgewogenes Brown-Ale-Wasserprofil.

Wichtiger als eine vermeintlich perfekte Mineralstofftabelle ist:

ein stabiler Maische-pH von ungefähr 5,3–5,4.

Wer mit sehr mineralreichem Leitungswasser arbeitet, sollte zunächst das eigene Wasserprofil berücksichtigen, statt die Salzgaben aus einem amerikanischen Rezept blind zu übernehmen.


30. Der komplette Ablauf

Mash

67–68 °C · 60 min

↓

Lautering

Normal abläutern.

↓

Boil

90 min

↓

Hopfen

Hallertau Mittelfrüh

↓

Whirlpool

Hallertau Mittelfrüh

↓

Chilling

Auf etwa:

19–20 °C

↓

Fermentation

California Ale Yeast

↓

Reifung

Bis die Endvergärung stabil ist.

↓

Packaging

Keg oder Flasche.


31. Wie sollte das fertige Bier schmecken?

Aussehen

Tiefbraun.

Im Gegenlicht:

rötlich-braune Reflexe.

Der Schaum:

hellbeige bis leicht bräunlich.


Aroma

Zuerst:

geröstetes Brot

Dann:

Nüsse

Danach:

Karamell

und eine leichte:

Schokoladennote.

Die Hopfenaromatik bleibt im Hintergrund.


Geschmack

Der erste Eindruck sollte klar malzbetont sein.

Dann entwickelt sich:

Brot

→

Toast

→

Nuss

→

Karamell

→

leichte Schokolade.

Am Ende:

trocken, sauber und überraschend erfrischend.


32. Was sollte man vermeiden?

Zu süß

Dann stimmt die Balance nicht.

Zu viel Röstmalz

Dann wird das Bier eher Porter.

Zu viel Chocolate Malt

Dann verschwindet die Brown-Ale-Charakteristik.

Zu viel Hopfen

Dann verliert das Bier seinen malzbetonten Charakter.

Zu wenig Vergärung

Dann bleibt die Süße stehen.

Zu viel Hefearoma

Dann werden die feinen Malznoten überdeckt.


33. Warum diese Rezeptur so lehrreich ist

Pine Mountain Monolith zeigt sehr schön:

Komplexität entsteht nicht automatisch durch viele Zutaten.

Die Rezeptur ist eigentlich relativ übersichtlich.

Trotzdem entsteht ein breites Aromenspektrum:

Brot

→ Toast

→ Nuss

→ Karamell

→ Kakao

→ leichte Röstung.

Das funktioniert, weil die einzelnen Komponenten unterschiedliche Aufgaben übernehmen.


34. Die wichtigste Lektion für Hobbybrauer

Wenn ein Bier nicht komplex genug schmeckt, ist die erste Reaktion oft:

„Ich brauche noch ein Spezialmalz.“

Oder:

„Ich brauche noch einen weiteren Hopfen.“

Pine Mountain Monolith zeigt eine andere Möglichkeit:

Die vorhandenen Zutaten besser aufeinander abstimmen.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen:

Zutaten sammeln

und:

ein Rezept entwickeln.


35. Was macht dieses Bier zu einem Gold Clone?

Nicht irgendeine spektakuläre Zutat.

Sondern:

Malzbasis

Maris Otter.

Struktur

Oats + Carafoam.

Karamell

CaraMunich III.

Röstung

Pale Chocolate + Chocolate Malt.

Balance

Hallertau Mittelfrüh.

Fermentation

saubere California Ale Yeast.

Und darüber:

eine sehr präzise Balance.


36. Original Recipe oder DIYBrew Clone?

Auch bei dieser Ausgabe unterscheiden wir sauber zwischen den Begriffen.

World Beer Cup Gold

Gesichert.

Kategorie

English-Style Brown Ale.

Brewer Recipe

Öffentlich verfügbar.

Malz / Hopfen / Hefe

Öffentlich dokumentiert.

Wasser und pH

Teilweise öffentlich dokumentiert.

Vollständige kommerzielle Produktionsrezeptur

Nicht automatisch öffentlich.

Deshalb nennen wir das Ergebnis:

DIYBrew Reconstruction

und nicht:

Original Wild Fields Recipe.


37. Recipe DNA

Wenn wir das gesamte Bier auf seine wesentlichen Elemente reduzieren:

Maris Otter

→ Malzgrundlage

Flaked Oats

→ weicheres Mundgefühl

CaraMunich III

→ Karamell

Carafoam

→ Körper und Schaum

Pale Chocolate

→ Kakao und Toast

Chocolate Malt

→ dunkle Malztiefe

Hallertau Mittelfrüh

→ Bittere und dezente Würze

California Ale Yeast

→ sauberer Abschluss

Das ist:

Pine Mountain Monolith.


38. Drei verschiedene Arten von „Komplexität“

Wenn wir die bisherigen Gold Clones miteinander vergleichen, wird etwas Interessantes sichtbar.

Final Absolution

Komplexität durch:

Hefe + Alkohol

Salty Kiss

Komplexität durch:

Säure + Frucht + Salz

Pine Mountain Monolith

Komplexität durch:

Malz + Röstung + Balance

Das zeigt sehr schön:

Es gibt nicht nur eine Art, ein komplexes Bier zu brauen.


39. Unser Fazit

Pine Mountain Monolith ist vielleicht nicht das spektakulärste Bier unserer World Beer Cup Gold Clone-Serie.

Aber es ist eines der lehrreichsten.

Denn es zeigt, was passiert, wenn ein Brauer nicht versucht, das Bier möglichst außergewöhnlich zu machen.

Stattdessen geht es darum:

eine Stilidee konsequent umzusetzen.

Maris Otter liefert die Basis.

CaraMunich bringt Karamell.

Pale Chocolate und Chocolate Malt liefern Tiefe.

Oats und Carafoam geben Struktur.

Hallertau Mittelfrüh sorgt für Balance.

Und eine saubere Gärung hält das Ganze zusammen.

Das Ergebnis ist keine laute, spektakuläre Bierkreation.

Es ist:

eine sehr gut gemachte Brown Ale.

Und genau deshalb gewann sie Gold.


World Beer Cup Gold Clone #05

Wild Fields Pine Mountain Monolith

🏆 World Beer Cup 2022 – Gold Medal
Kategorie: English-Style Brown Ale

20-L-DIYBrew-Reconstruction

OG: 1.054–1.055
FG: 1.012–1.014
Alkohol: ca. 5,5 % vol.
IBU: ca. 20–30
Farbe: ca. 19–20 SRM

Maris Otter · Flaked Oats · CaraMunich III · Carafoam · Pale Chocolate · Chocolate Malt

Hallertau Mittelfrüh · California Ale Yeast

Eine Goldmedaille ohne Showeffekte – gewonnen durch Malz, Balance und sauberes Brauhandwerk.

Für 20 L Ausschlag:

  • Maris Otter: ca. 3,2 kg
  • Flaked Oats: ca. 400 g
  • CaraMunich III: ca. 300 g
  • Carafoam: ca. 200 g
  • Pale Chocolate: ca. 100 g
  • Chocolate Malt: ca. 100 g
  • Hallertauer Mittelfrüh: ca. 20–25 g, auf 20–30 IBU berechnet
  • California Ale Yeast: 1 × 11,5 g, z. B. US-05
  • Maische: ca. 65–66 °C / 60 min
  • Kochzeit: 60 min
  • Gärung: ca. 18–20 °C
  • Karbonisierung: ca. 2,3–2,5 Vol. CO₂

Ziel: Ein dunkles, malzbetontes Brown Ale mit weichem Körper, Noten von Karamell, Toast und dunkler Schokolade sowie einer zurückhaltenden, sauberen Hopfenbittere.

Hinweis: Die Mengen sind eine DIYBrew-Rekonstruktion auf Basis der öffentlich verfügbaren Informationen und nicht das originale Wild-Fields-Rezept.


Quellen

  • Wild Fields Brewhouse – offizielle Award-Historie.
  • Craft Beer & Brewing – öffentliches Rezept und Hintergrund zu Pine Mountain Monolith.
  • Experimental Brewing – veröffentlichtes Rezept von Ryan Fields / Wild Fields.
  • Brewer’s Friend – öffentlich dokumentierte Rezept- und Wasserparameter.

Hinweis: Die auf DIYBrew angegebene 20-L-Rezeptur ist eine auf öffentlich zugänglichen Angaben basierende Rekonstruktion für Hobbybrauer. Sie ist nicht als vollständige kommerzielle Originalrezeptur von Wild Fields Brewhouse zu verstehen.

Bild Quelle: Eva Bronzini von Pexels

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