World Beer Cup Gold Clone #03: Pelican Stormwatcher’s Winterfest – Barley Wine mit 12 % Alkohol

Eine Rekonstruktion eines World-Beer-Cup-Goldmedaillengewinners von 2012

Ein Barley Wine ist für viele Hobbybrauer eine besondere Herausforderung.

Nicht unbedingt, weil die Rezeptur besonders kompliziert wäre. Im Gegenteil: Die Zutatenliste kann erstaunlich überschaubar sein.

Die Schwierigkeit liegt an anderer Stelle:

Sehr hohe Stammwürze, große Mengen Malz, lange Kochzeiten, hohe Anforderungen an die Hefe und eine lange Reifezeit.

Genau deshalb ist Pelican Stormwatcher’s Winterfest ein interessantes Bier für unsere World Beer Cup Gold Clone Serie.

Beim World Beer Cup 2012 gewann Stormwatcher’s Winterfest von Pelican Pub & Brewery aus Pacific City, Oregon, die Goldmedaille in der Kategorie Barley Wine-Style Ale. Insgesamt traten in dieser Kategorie 62 Biere an.

Für DIYBrew ist dieses Bier aber nicht nur wegen der Medaille interessant.

Es zeigt sehr gut, was beim Brauen eines High-Gravity-Bieres tatsächlich passiert.


Das Original im Überblick

MerkmalStormwatcher’s Winterfest
BrauereiPelican Pub & Brewery
HerkunftPacific City, Oregon, USA
World Beer Cup2012
AuszeichnungGold Medal
KategorieBarley Wine-Style Ale
Alkoholca. 12 % vol.
CharakterMalzbetont, karamellig, wärmend
Typische AromenToast, Toffee, Caramel, Trockenfrüchte
Bitterekräftig, aber ausgleichend

Die historischen Produktbeschreibungen charakterisieren Stormwatcher’s Winterfest als kräftiges, malzbetontes Barley Wine mit deutlichen Toast-, Toffee- und Karamellnoten sowie einem wärmenden Finish.

Wichtig ist dabei:

Wir rekonstruieren hier nicht das geheime kommerzielle Originalrezept der Brauerei.

Es handelt sich um eine Clone-Rezeptur auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen.


1. Warum gerade dieses Bier?

Unsere World Beer Cup Gold Clone Serie soll nicht einfach eine Sammlung möglichst bekannter Gewinnerbiere sein.

Jedes Bier soll uns beim Brauen etwas anderes zeigen.

Bei Stormwatcher’s Winterfest geht es vor allem um:

  • High-Gravity Brewing
  • hohe Malzschüttungen
  • lange Kochzeiten
  • Hefemanagement
  • hohe Alkoholgehalte
  • Reifung

Damit unterscheidet sich dieses Bier deutlich von den ersten beiden Rezepten der Serie.

Bei einer IPA-Rekonstruktion steht beispielsweise die Hopfenaromatik im Mittelpunkt.

Bei einem Belgian Tripel ist die Hefe besonders wichtig.

Beim Barley Wine dagegen ist das gesamte System gefordert.


2. Ein Barley Wine beginnt nicht bei 5 °P

Die meisten Hobbybrauer bewegen sich beim normalen Bierbrauen irgendwo im Bereich von 10 bis 16 °P.

Ein kräftiges IPA liegt vielleicht bei 16–18 °P.

Ein Barley Wine spielt in einer anderen Liga.

Eine veröffentlichte Clone-Rezeptur für Stormwatcher’s Winterfest arbeitet mit einer Stammwürze von ungefähr:

1.130 SG

Das entspricht grob:

30 °P

Damit wird bereits deutlich, welche Herausforderung vor uns liegt.

Denn 30 °P Würze entstehen nicht einfach dadurch, dass man „etwas mehr Malz“ verwendet.


3. Die eigentliche Herausforderung: Konzentration

Bei einem normalen 20-Liter-Sud kann man relativ problemlos mit einer moderaten Malzmenge arbeiten.

Bei einem Barley Wine steigt die Malzmenge dagegen sehr schnell an.

Eine veröffentlichte Clone-Rezeptur verwendet für einen 5-Gallon-Sud ungefähr:

  • 16 lb Golden Promise
  • 7 lb Munich Malt
  • 2 lb Crystal 80
  • 1 lb Torrified Wheat

Das entspricht insgesamt knapp 12 kg Malz für rund 19 Liter fertiges Bier.

Das ist für viele Hobbybrauanlagen bereits eine ernsthafte Belastung.

Und genau hier beginnt das eigentliche Problem:

Die Anlage muss diese Malzmenge überhaupt verarbeiten können.


4. Die Malzschüttung

Die veröffentlichte Clone-Rezeptur ist bemerkenswert übersichtlich.

Golden Promise

Der größte Teil der Schüttung besteht aus Golden Promise.

Dieses Malz liefert die Grundlage für den gesamten Biercharakter:

  • kräftige Malzaromen
  • Getreide
  • leichte Biscuit-Noten
  • eine ausgeprägte Malzbasis

Bei einem Barley Wine ist diese Basis besonders wichtig.

Denn wir wollen nicht einfach:

viel Alkohol + viel Restzucker

sondern:

Alkohol + komplexe Malzaromatik.


5. Munich Malt – der Schlüssel zur Tiefe

Besonders interessant ist der relativ hohe Anteil an Munich Malt.

In der genannten Clone-Rezeptur macht Munich Malt ungefähr 27 % der Schüttung aus.

Das ist deutlich mehr, als man bei einem normalen Pale Ale erwarten würde.

Der Grund ist einfach:

Munich Malt bringt unter anderem:

  • Brot
  • Toast
  • kräftige Malzsüße
  • leichte Röstaromen
  • mehr Tiefe

Diese Eigenschaften passen sehr gut zu den typischen Beschreibungen von Stormwatcher’s Winterfest:

Toasted Malt, Toffee und Caramel.


6. Crystal Malt für Toffee und Caramel

Der dritte wichtige Baustein ist Crystal 80L.

Der Anteil liegt bei ungefähr 8 %.

Crystal Malt liefert:

  • Karamell
  • Toffee
  • dunklere Fruchtnoten
  • zusätzliche Farbe
  • eine gewisse Süße

Dabei sollte man aber einen wichtigen Punkt beachten:

Crystal Malt ist nicht einfach ein Mittel, um das Bier süßer zu machen.

Seine eigentliche Stärke liegt in der Aromakomplexität.

Gerade bei einem Barley Wine kann die Kombination aus:

Golden Promise + Munich + Crystal

eine sehr vielschichtige Malzbasis erzeugen.


7. Warum Torrified Wheat?

Der Anteil an Torrified Wheat ist relativ klein.

In der Clone-Rezeptur liegt er bei ungefähr 4 %.

Es geht dabei nicht darum, einen Weizenbiercharakter zu erzeugen.

Torrified Wheat kann vielmehr helfen,:

  • Schaumstabilität
  • Mundgefühl
  • Schaumstruktur

zu verbessern.

Bei einem Bier mit rund 12 % Alkohol und sehr hoher Stammwürze ist das durchaus sinnvoll.


8. Die Hopfen spielen eine andere Rolle als bei einer IPA

Auf den ersten Blick wirken etwa 60–70 IBU bei einem Barley Wine ziemlich hoch.

Aber die Stammwürze muss dabei berücksichtigt werden.

Bei:

OG 1.130

würde ein Bier mit nur 20–30 IBU schnell sehr süß und schwer wirken.

Die Bittere muss deshalb ausreichend hoch sein, um die Malzsüße auszugleichen.

Aber:

Stormwatcher’s Winterfest ist keine IPA.

Die Hopfen sollen nicht das gesamte Bier dominieren.

Ihre Aufgabe ist vor allem:

Balance.


9. Eine klassische Hopfenstruktur

Eine veröffentlichte Clone-Rezeptur verwendet unter anderem:

ZeitpunktHopfen
60 minMagnum
30 minEast Kent Goldings
WhirlpoolHallertau Mittelfrüh
WhirlpoolEast Kent Goldings

Die berechnete Bittere liegt bei ungefähr 68 IBU.

Interessant ist dabei die Kombination.

Magnum

liefert hauptsächlich:

Bittere

East Kent Goldings

bringt:

erdige, würzige, leicht fruchtige Noten

Hallertau Mittelfrüh

ergänzt:

florale und kräuterartige Aromen

Das Ergebnis ist deutlich anders als ein modernes American Barley Wine mit großen Mengen Citra, Simcoe oder Mosaic.


10. Drei Stunden Kochzeit

Hier wird das Rezept wirklich interessant.

Die veröffentlichte Clone-Rezeptur sieht einen:

180-Minuten-Koch

vor.

Also:

drei Stunden.

Warum so lange?

Nicht primär wegen der Bittere.

Der entscheidende Punkt ist:

Konzentration.


11. Warum lange kochen?

Stellen wir uns vereinfacht vor:

Nach dem Läutern haben wir eine große Menge relativ dünner Würze.

Wir möchten aber eine Stammwürze von über 25 °P erreichen.

Dafür gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit A

Immer mehr Malz einsetzen.

Möglichkeit B

Die Würze stärker konzentrieren.

Bei einem Barley Wine wird häufig beides kombiniert.

Eine lange Kochzeit reduziert das Volumen und erhöht dadurch die Konzentration der gelösten Extraktstoffe.

Das ist einer der Gründe, warum Barley-Wine-Rezepte häufig deutlich längere Kochzeiten verwenden als ein normales Pale Ale.


12. Aber: Die Effizienz sinkt

Eine große Malzschüttung bedeutet nicht automatisch:

mehr Effizienz.

Im Gegenteil.

Bei sehr hohen Schüttungen wird das Läuterbett:

  • höher
  • kompakter
  • schwieriger zu durchströmen

Außerdem bindet das Malz viel Wasser.

Deshalb kann die Sudhausausbeute deutlich sinken.

Das sollte man bei der Planung berücksichtigen.


13. Nicht versuchen, das letzte Prozent herauszuwaschen

Bei einem normalen Bier kann eine gute Auswaschung des Trebers sinnvoll sein.

Bei einem Barley Wine sollte man aber vorsichtig sein.

Wenn man sehr lange nachwäscht, erhält man zwar mehr Würzevolumen, aber die nachlaufende Würze wird immer dünner.

Für ein High-Gravity-Bier kann deshalb eine andere Strategie sinnvoller sein:

Weniger, konzentriertere Würze statt möglichst viel Würze.

Die konkrete Vorgehensweise hängt allerdings stark von der eigenen Anlage ab.


14. Eine mögliche DIYBrew-Rekonstruktion für 20 Liter

Für eine Hobbybrauanlage würde ich nicht versuchen, die historische Clone-Rezeptur einfach 1:1 auf 20 Liter herunterzurechnen.

Der Grund:

Die technische Belastung der Anlage ist zu groß.

Stattdessen ist eine etwas konservativere Rekonstruktion sinnvoll.

Zielwerte

ParameterZiel
Ausschlag20 L
OG1.115–1.125
FGca. 1.030–1.035
Alkoholca. 11,5–12,5 % vol.
Bittere60–70 IBU
Farbetiefes Amber bis Rotbraun

Das Ziel ist nicht, unbedingt:

1.130

zu erreichen.

Das Ziel ist:

ein stabiles, gut vergorenes Barley Wine zu brauen.


15. DIYBrew Malzschüttung

Für 20 Liter kann eine mögliche Rekonstruktion so aussehen:

MalzMenge
Golden Promise6,0 kg
Munich Malt hell2,5 kg
Crystal 80L700 g
Torrified Wheat300 g
Gesamt9,5 kg

Die Mengen orientieren sich an der Struktur der veröffentlichten Clone-Rezeptur und sind keine Behauptung über die kommerzielle Originalrezeptur.


16. Maischen

Ich würde bei dieser Rezeptur mit:

65–66 °C für 60 Minuten

arbeiten.

Anschließend:

Mash-out bei etwa 76 °C

Warum relativ niedrig?

Weil wir bei einer sehr hohen Stammwürze eine möglichst vollständige Vergärung erreichen möchten.

Eine zu hohe Rasttemperatur könnte den Anteil weniger vergärbarer Zucker erhöhen.

Bei einem Bier mit ohnehin hoher Stammwürze ist das nicht unbedingt wünschenswert.


17. Die Ausbeute realistisch planen

Bei 9–10 kg Malz sollte man nicht mit der gleichen Effizienz rechnen wie bei einem normalen 5-kg-Sud.

Deshalb würde ich die Rezeptur nicht auf eine theoretische Sudhausausbeute von 80 % auslegen.

Besser:

mit einer konservativen Effizienz kalkulieren und anschließend die tatsächliche Stammwürze anpassen.

Wenn die Würze zu dünn ist:

länger kochen.

Wenn sie bereits zu konzentriert ist:

entsprechend mit Wasser korrigieren.

Das ist bei High-Gravity-Bieren wesentlich praktischer, als blind eine bestimmte Malzmenge einzuhalten.


18. Kochzeit: 180 Minuten

Wenn die Anlage es erlaubt:

180 Minuten

als Ausgangspunkt.

Dabei sollte die Kochintensität kontrolliert werden.

Zu aggressives Kochen kann bei einer sehr konzentrierten Würze zu Problemen führen:

  • Anbrennen
  • starke Maillard-Reaktionen
  • zu dunkle Farbe
  • unerwünschte Karamellisierung

Ein Barley Wine darf zwar kräftige Malzaromen besitzen.

Aber:

„dunkler“ bedeutet nicht automatisch „besser“.


19. Die Hefe ist bei diesem Bier wahrscheinlich der kritischste Faktor

Eine OG von 1.115–1.130 ist für Hefe eine enorme Belastung.

Die veröffentlichte Clone-Rezeptur verwendet:

Wyeast 1968 London ESB Ale

Das passt gut zum gewünschten Charakter:

  • englischer Ale-Charakter
  • relativ hohe Flockung
  • runder Malzeindruck
  • moderate Ester

Aber:

Eine normale Packung Hefe reicht für diese Stammwürze nicht aus.


20. Hefemenge und Sauerstoff

Bei einem High-Gravity-Bier sollte man besonders auf:

ausreichende Hefemenge

und

gute Sauerstoffversorgung der Anstellwürze

achten.

Die Hefe muss nicht nur die erste Gärung starten.

Sie muss anschließend auch in einer Umgebung mit:

  • steigendem Alkohol
  • hoher osmotischer Belastung
  • abnehmenden Nährstoffen

weiterarbeiten.

Deshalb ist Hefemanagement bei diesem Rezept wichtiger als bei einem normalen 12-°P-Bier.


21. Gärführung

Eine mögliche Gärführung:

Start

18 °C

↓

nach deutlichem Gärbeginn:

19 °C

↓

im weiteren Verlauf:

20–21 °C

Falls die Gärung gegen Ende deutlich langsamer wird, kann man die Temperatur vorsichtig weiter anheben.

Das Ziel ist:

vollständige und saubere Vergärung.

Nicht:

möglichst viele Ester.


22. Geduld bei der Endvergärung

Ein Barley Wine braucht Zeit.

Während ein normales Ale nach wenigen Tagen bereits weitgehend durchgegoren sein kann, kann ein High-Gravity-Bier deutlich länger benötigen.

Deshalb gilt:

Nicht nach Kalender abfüllen.

Sondern:

FG messen und Stabilität überprüfen.

Gerade bei einem späteren Flaschenbier ist das entscheidend.


23. Warum 1.032 FG nicht automatisch zu hoch ist

Bei einem normalen Pale Ale wäre ein FG von:

1.032

ein klares Warnsignal.

Bei:

OG 1.130

ist die Situation völlig anders.

Eine veröffentlichte Clone-Rezeptur nennt ungefähr:

OG 1.130
FG 1.032
ABV 12,8 %

Hier gehört ein gewisser Restextrakt zum Charakter.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Wie niedrig ist die FG?“

Sondern:

„Ist die Süße im Verhältnis zu Alkohol, Bittere und Malzaromen ausgewogen?“


24. Reifung: Der schwierigste Teil kommt nach dem Brautag

Ein frisch vergorenes Barley Wine kann zunächst sehr unausgewogen wirken.

Typisch sind:

  • deutliche Alkoholwärme
  • starke Süße
  • kantige Bittere
  • intensive Malzaromen
  • noch nicht integrierte Ester

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Rezeptur schlecht ist.

Ein Barley Wine verändert sich mit der Zeit deutlich.


25. Warum Zeit hier eine Zutat ist

Bei einem solchen Bier kann man fast sagen:

Zeit ist Teil des Rezeptes.

Die Aromen von:

  • Alkohol
  • Karamell
  • Toast
  • Malz
  • Hopfen

integrieren sich während der Reifung zunehmend.

Deshalb sollte man ein Barley Wine nicht nur nach wenigen Wochen beurteilen.


26. Erst einmal ohne Holz

Stormwatcher’s Winterfest ist besonders interessant, weil aus dieser Bierbasis auch holz- bzw. bourbonfassgereifte Varianten entstanden sind.

Ein bekanntes Beispiel ist:

Mother of All Storms

Für die erste eigene Rekonstruktion würde ich trotzdem darauf verzichten.

Zuerst sollte man verstehen:

Wie schmeckt die Grundversion?

Erst danach lohnt sich ein Experiment mit:

  • Eichenholz
  • Bourbon
  • Fasslagerung

27. Verpackung

Für ein Bier mit über 11 % Alkohol ist ein Keg besonders angenehm.

Nach abgeschlossener Gärung:

möglichst sauerstoffarm umschlauchen

und anschließend:

kalt lagern und reifen lassen.

Bei Flaschenabfüllung gilt besondere Vorsicht.

Eine nicht vollständig abgeschlossene Gärung kann bei einem solchen Bier zu:

Überkarbonisierung

führen.

Deshalb:

Erst stabile Endvergärung, dann abfüllen.


28. Wie sollte das fertige Bier schmecken?

Aussehen

Ein tiefes:

Amber bis Rotbraun

mit möglicher rubinroter Kante im Gegenlicht.

Der Schaum sollte eher:

cremefarben bis hellbraun

wirken.


Aroma

Im Vordergrund:

  • Toast
  • Karamell
  • Toffee
  • kräftige Malzaromen

Dazu können kommen:

  • Trockenfrüchte
  • leichte florale Hopfennoten
  • würzige Noten

Der Alkohol darf wahrnehmbar sein.

Er sollte aber nicht nach:

Lösungsmittel

riechen oder schmecken.


29. Geschmack

Der erste Eindruck:

voll und malzbetont.

Danach:

Karamell → Toffee → Toast → wärmender Alkohol.

Die Bittere sorgt anschließend dafür, dass das Bier trotz seiner hohen Stammwürze nicht vollständig in Süße endet.

Genau diese Balance macht einen guten Barley Wine aus.


30. Die häufigsten Fehler

Zu geringe Sudhausausbeute

Bei großen Schüttungen normal.


Zu starkes Auswaschen

Kann zu sehr dünner Nachlaufwürze führen.


Zu kurze Kochzeit

Die notwendige Konzentration wird nicht erreicht.


Zu wenig Hefe

Kann zu einer stockenden Gärung führen.


Zu wenig Sauerstoff

Die Hefe verliert unter hoher Alkoholbelastung schneller an Vitalität.


Zu hohe Gärtemperatur

Kann zu übermäßiger Esterbildung und unangenehmer Alkoholschärfe führen.


Zu frühes Abfüllen

Besonders bei Flaschen riskant.


Zu frühes Verkosten

Ein junges Barley Wine ist häufig noch nicht besonders harmonisch.


31. Was können wir aus diesem Clone lernen?

Stormwatcher’s Winterfest zeigt sehr schön:

High Gravity Brewing ist kein einzelner Parameter.

Es ist eine Kette von Entscheidungen:

Malzschüttung

↓

Maische

↓

Ausbeute

↓

Würzekonzentration

↓

Kochzeit

↓

Hopfenbalance

↓

Hefemenge

↓

Sauerstoff

↓

Gärführung

↓

Reifung

Erst wenn diese Faktoren zusammenpassen, entsteht ein gutes Barley Wine.


32. Originalrezept oder Clone?

Bei DIYBrew unterscheiden wir deshalb bewusst zwischen verschiedenen Informationsstufen.

Offizielle WBC-Daten

Gesichert

Stormwatcher’s Winterfest gewann 2012 Gold in der Kategorie Barley Wine-Style Ale.

Öffentliche Clone-Rezepte

Vorhanden

Unter anderem wurde das Bier bereits 2010 in BYO als Clone-Rezept veröffentlicht.

Detaillierte Homebrew-Rezepturen

Vorhanden

Es existieren konkrete Rezepturen mit Malz, Hopfen, Hefe und Prozessparametern.

Offizielles kommerzielles Originalrezept

Nicht öffentlich bestätigt.

Deshalb nennen wir dieses Rezept:

DIYBrew Reconstruction

und nicht:

Original Pelican Recipe


33. DIYBrew Reconstruction – 20 Liter

Zielwerte

Ausschlag: 20 L
OG: 1.115–1.125
FG: ca. 1.030–1.035
Alkohol: ca. 11,5–12,5 % vol.
IBU: 60–70

Malz

  • 6,0 kg Golden Promise
  • 2,5 kg Munich Malt
  • 700 g Crystal 80L
  • 300 g Torrified Wheat

Hopfen

  • Magnum – 60 min
  • East Kent Goldings – 30 min
  • Hallertau Mittelfrüh – Whirlpool
  • East Kent Goldings – Whirlpool

Hefe

Wyeast 1968 London ESB Ale
oder eine vergleichbare englische Ale-Hefe.

Maischen

65–66 °C / 60 min

Mash-out

ca. 76 °C

Kochen

180 min

Gärung

18 → 20–21 °C


34. Muss es unbedingt 1.130 °P sein?

Nein.

Das ist vielleicht die wichtigste praktische Erkenntnis dieses Rezepts.

Wenn die eigene Anlage bei:

1.115–1.120

stabil arbeitet, ist das für den ersten Versuch wahrscheinlich sinnvoller als ein erzwungenes:

1.130.

Ein gut vergorenes, ausgewogenes 12-%-Barley-Wine ist wertvoller als ein technisch beeindruckendes, aber unausgewogenes 13-%-Bier.

Reproduzierbarkeit geht vor Rekordwerten.


Fazit

Pelican Stormwatcher’s Winterfest ist ein hervorragendes Beispiel dafür, warum ein Clone-Rezept mehr sein sollte als eine Zutatenliste.

Die eigentliche Frage lautet nicht:

„Wie viele Kilogramm Malz brauche ich?“

Sondern:

Wie bekomme ich aus dieser Malzschüttung eine hochkonzentrierte Würze, die die Hefe anschließend auch vollständig und sauber vergären kann?

Genau darin liegt die Herausforderung.

Die Kombination aus:

Golden Promise

Munich Malt

Crystal 80

Torrified Wheat

liefert die malzbetonte Basis.

Eine kräftige, aber nicht dominante Hopfengabe bringt die notwendige Balance.

Und schließlich entscheidet die Hefe darüber, ob aus einer 1.120er Würze tatsächlich ein harmonisches Barley Wine wird.

Der letzte Faktor ist:

Zeit.

Ein solches Bier ist nicht am Ende des Brautages fertig.

Eigentlich beginnt seine interessanteste Phase erst danach.


World Beer Cup Gold Clone #03

Pelican Stormwatcher’s Winterfest

2012 World Beer Cup – Gold Medal
Category: Barley Wine-Style Ale

DIYBrew Reconstruction

20 L · OG 1.115–1.125 · FG 1.030–1.035 · ca. 12 % ABV · 60–70 IBU

Ein Bier, bei dem nicht die Komplexität der Zutaten, sondern die Beherrschung des gesamten Brauprozesses den Unterschied macht.

Für 20 L Ausschlag:

  • Pale Ale / Maris Otter Malz: ca. 6,5–7,0 kg
  • Crystal Malt: ca. 500 g
  • Munich Malt: ca. 500 g
  • Specialty Malts: ca. 300–500 g, je nach gewünschtem Farb- und Malzprofil
  • Magnum / Chinook: auf 60–70 IBU berechnen
  • English Ale Yeast: kräftige, hochvergärende Ale-Hefe; für 20 L idealerweise 2 × 11,5 g Trockenhefe oder ein ausreichend großer Flüssighefe-Starter
  • Maische: ca. 64–66 °C / 60–90 min
  • Kochzeit: 90–120 min
  • Gärung: zunächst ca. 18–19 °C, anschließend kontrolliert anheben
  • Lagerung/Reifung: mindestens 8–12 Wochen, besser länger
  • Karbonisierung: ca. 2,0–2,3 Vol. CO₂

Ziel: Ein kräftiger, komplexer Barley Wine mit intensivem Malzkörper, Karamell- und Trockenfruchtnoten, deutlicher, aber gut eingebundener Bittere und einem langen, wärmenden Finish.

Hinweis: Die Mengen sind eine DIYBrew-Rekonstruktion auf Basis der öffentlich verfügbaren Informationen und nicht das originale Pelican-Rezept.


Quellen

  • World Beer Cup 2012 – offizielle Gewinnerliste.
  • BYO – historische Clone-Rezeptur Pelican Stormwatcher’s Winterfest.
  • Detaillierte veröffentlichte Homebrew-Rezeptur mit Malz-, Hopfen- und Hefedaten.
  • Historische Produktinformationen zu Stormwatcher’s Winterfest und Mother of All Storms.

Hinweis: Die in diesem Artikel vorgestellte DIYBrew-Rezeptur ist eine auf öffentlich zugänglichen Informationen basierende Rekonstruktion. Sie stellt nicht das offizielle kommerzielle Originalrezept der Pelican Pub & Brewery dar.

Bild Quelle: Eva Bronzini von Pexels

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