Malz Serie #5: α-Amylase und ß-Amylase – wie Maischen die Zuckerzusammensetzung bestimmt

Warum unterschiedliche Maischtemperaturen zu unterschiedlicher Vergärbarkeit führen

In den bisherigen Teilen unserer Malz-Serie haben wir uns Schritt für Schritt an das Thema herangearbeitet.

Wir wissen inzwischen:

Gerste ist nicht gleich Malz.

Wir haben gesehen, wie aus Gerste durch Weichen, Keimen und Darren ein für das Brauen geeigneter Rohstoff entsteht.

Und wir haben uns angeschaut, was überhaupt in einem Malzkorn steckt:

  • Stärke
  • Enzyme
  • Proteine
  • Zellwandbestandteile
  • Mineralstoffe
  • weitere Begleitstoffe

Im letzten Beitrag haben wir uns dann genauer mit der Stärke beschäftigt.

Dabei wurde ein entscheidender Zusammenhang deutlich:

Die Hefe vergärt nicht einfach die Stärke des Malzes.

Erst beim Maischen wird die Stärke durch Enzyme in verschiedene Zucker und Dextrine umgewandelt. Welche Zucker dabei entstehen, beeinflusst später unter anderem den Vergärungsgrad, den Restextrakt und das Mundgefühl des Bieres.

Die beiden wichtigsten Enzyme dabei sind:

α-Amylase

und

β-Amylase

Viele Hobbybrauer kennen die vereinfachte Aussage:

„Niedrige Temperatur = Beta-Amylase, hohe Temperatur = Alpha-Amylase.“

Als Einstieg ist das nicht völlig falsch.

Für ein wirkliches Verständnis des Maischens reicht es aber nicht aus.

Denn in der Realität arbeiten beide Enzyme in einem komplexen Zusammenspiel. Temperatur, pH-Wert, Zeit, Malzqualität und Schrot beeinflussen gemeinsam, was am Ende in der Würze landet.


Zwei Enzyme, zwei unterschiedliche Aufgaben

Um das Grundprinzip zu verstehen, hilft zunächst eine einfache Vorstellung.

Stellen wir uns die Stärke als eine sehr lange Kette aus Glucosebausteinen vor:

Glucose – Glucose – Glucose – Glucose – Glucose – …

Die beiden Amylasen gehen mit dieser Kette unterschiedlich um.

α-Amylase

Sie kann vereinfacht gesagt innerhalb der Kette schneiden.

β-Amylase

Sie arbeitet bevorzugt von geeigneten Kettenenden aus und setzt dabei unter anderem Maltose frei.

Diese Unterschiede sind entscheidend.

Denn dadurch produzieren die beiden Enzyme nicht einfach „mehr oder weniger Zucker“, sondern beeinflussen die Zusammensetzung der gesamten Würze.


α-Amylase – die „innere Schere“

Die α-Amylase kann innerhalb längerer Stärke- und Glucanketten bestimmte Bindungen spalten.

Vereinfacht:

lange Kette

↓

α-Amylase

↓

mehrere kürzere Ketten

Aus einer langen Struktur entstehen dadurch viele kürzere Moleküle.

Schematisch:

────────────────────────

wird zu:

────── + ──── + ───── + ────

Natürlich ist die tatsächliche Reaktion wesentlich komplexer. Für das Verständnis reicht jedoch das Grundprinzip:

α-Amylase verkürzt lange Stärke- und Dextrinstrukturen.

Dadurch entstehen neue Kettenenden und neue Ansatzpunkte für weitere enzymatische Reaktionen.


β-Amylase – die Maltose-Spezialistin

Die β-Amylase arbeitet anders.

Sie setzt an geeigneten Enden von Kohlenhydratketten an und spaltet dabei vor allem Maltose ab.

Maltose ist ein wichtiger vergärbarer Zucker der Würze und wird von vielen Brauhefen gut genutzt.

Deshalb spielt die β-Amylase eine zentrale Rolle bei der Bildung einer stärker vergärbaren Würze.

Aber auch hier ist ein Missverständnis wichtig:

β-Amylase verwandelt nicht einfach die gesamte Stärke in Maltose.

Sie kann nicht unbegrenzt durch jede Stärkestruktur hindurcharbeiten.

Verzweigungen und bestimmte andere Strukturen setzen der Reaktion Grenzen.

Am Ende bleibt deshalb immer eine Mischung aus:

  • vergärbaren Zuckern,
  • weniger gut vergärbaren Zuckerarten,
  • Dextrinen
  • und weiteren Kohlenhydraten.

Die beiden Enzyme arbeiten zusammen

Damit wird ein wichtiger Punkt deutlich:

α-Amylase und β-Amylase sind keine Konkurrenten.

Vielmehr ergänzen sie sich.

Sehr vereinfacht:

Stärke

↓

α-Amylase verkürzt die langen Ketten

↓

mehr zugängliche Kettenenden

↓

β-Amylase setzt unter anderem Maltose frei

↓

Mischung aus verschiedenen Zuckern und Dextrinen

Das ist einer der Gründe, warum eine Maische nicht einfach „auf Zucker“ optimiert wird.

Das Ziel ist vielmehr eine bestimmte Zuckerzusammensetzung.

Und genau diese Zusammensetzung beeinflusst später das Bier.


Warum die Temperatur so wichtig ist

Jetzt kommen wir zum bekanntesten praktischen Thema beim Maischen:

Warum verändert die Maischtemperatur das Ergebnis?

Der Grund ist einfach:

Enzyme arbeiten nicht bei jeder Temperatur gleich.

Mit steigender Temperatur verändern sich:

  • Geschwindigkeit der enzymatischen Reaktionen,
  • Verhältnis der Aktivitäten verschiedener Enzyme,
  • und schließlich auch die Stabilität der Enzyme selbst.

Ein Enzym kann bei einer bestimmten Temperatur besonders schnell arbeiten, während es bei einer höheren Temperatur deutlich schneller an Aktivität verliert.

Deshalb ist die Maischtemperatur keine bloße Prozessvorgabe.

Sie ist ein Werkzeug, mit dem wir die enzymatische Umwandlung steuern.


Warum niedrige Temperaturen häufig eine höhere Vergärbarkeit fördern

Bei relativ niedrigen Maischtemperaturen kann die β-Amylase über einen längeren Zeitraum aktiv bleiben.

Dadurch entsteht tendenziell ein höherer Anteil an gut vergärbaren Zuckern, insbesondere Maltose.

Eine solche Würze kann der Hefe später mehr vergärbare Substrate zur Verfügung stellen.

Das führt – bei vergleichbarer Hefe und Gärführung – häufig zu:

  • höherem Vergärungsgrad,
  • geringerem Restextrakt,
  • schlankerem Körper,
  • trockenerem Gesamteindruck.

Deshalb werden Temperaturbereiche um etwa 62–64 °C häufig für trockener ausgelegte Biere verwendet.

Aber:

Das bedeutet nicht, dass bei 63 °C ausschließlich β-Amylase arbeitet.

Auch α-Amylase ist vorhanden und aktiv.

Es geht um das Verhältnis und die Dauer der Enzymaktivität, nicht um ein einfaches Ein- und Ausschalten.


Was passiert bei höheren Temperaturen?

Mit steigender Temperatur verändert sich das Verhältnis der Enzymaktivitäten.

Die β-Amylase verliert vergleichsweise schneller an Aktivität, während die α-Amylase in einem höheren Temperaturbereich weiterhin effektiv arbeiten kann.

Dadurch verschiebt sich die Art und Weise, wie die Stärkestrukturen abgebaut werden.

Es können relativ mehr größere Kohlenhydrate und Dextrine zurückbleiben.

Das kann – abhängig von den übrigen Prozessbedingungen – zu:

  • höherem Restextrakt,
  • mehr Körper,
  • einem runderen Mundgefühl
  • und einem niedrigeren Vergärungsgrad

beitragen.

Deshalb werden Temperaturen um 67–69 °C häufig eingesetzt, wenn ein Bier etwas voller wirken soll.

Aber auch hier gilt:

68 °C bedeutet nicht automatisch „süß“.

Es bedeutet zunächst einmal, dass die enzymatischen Bedingungen anders sind.


Vergärbar oder vollmundig? Die Temperatur ist nur ein Teil der Gleichung

Diese Unterscheidung ist für das Verständnis des Maischens besonders wichtig.

Man findet häufig vereinfachte Tabellen wie:

MaischtemperaturTypischer Effekt
ca. 62–64 °Ctendenziell höhere Vergärbarkeit
ca. 65–67 °Chäufig ausgewogener Bereich
ca. 68–70 °Ctendenziell mehr Körper

Solche Angaben sind als Orientierung nützlich.

Sie sind aber keine festen Naturgesetze.

Denn das Ergebnis hängt zusätzlich ab von:

  • Malzsorte,
  • Enzymaktivität,
  • Schrotqualität,
  • Maische-pH,
  • Maischedauer,
  • Wasser-Malz-Verhältnis,
  • Würzekonzentration,
  • Hefestamm
  • und Gärführung.

Die Maischtemperatur ist deshalb ein wichtiger Stellhebel – aber nicht der einzige.


Der pH-Wert: Die zweite große Stellschraube

Enzyme reagieren nicht nur auf Temperatur.

Auch der pH-Wert beeinflusst ihre Aktivität.

Jedes Enzym besitzt einen Bereich, in dem es besonders effizient arbeitet. Wird dieser Bereich deutlich verlassen, kann die Aktivität sinken.

Das bedeutet:

Eine gute Maische braucht nicht nur die richtige Temperatur, sondern auch ein passendes chemisches Umfeld.

Für die Praxis heißt das:

Temperatur + pH + Zeit

gehören immer zusammen.

Deshalb kann eine Maische bei 65 °C unter unterschiedlichen Bedingungen nicht zwangsläufig exakt dasselbe Ergebnis liefern.


Und wie wichtig ist die Zeit?

Auch die Maischedauer spielt eine Rolle.

Ein Enzym benötigt Zeit, um die vorhandenen Substrate umzusetzen.

Ein einfaches Beispiel:

Wenn ein Enzym unter günstigen Bedingungen aktiv ist, kann eine sehr kurze Rast zu einem anderen Ergebnis führen als eine ausreichend lange Rast unter denselben Bedingungen.

Aber auch hier gilt:

Länger ist nicht automatisch besser.

Denn mit fortschreitender Reaktion:

  • werden die verfügbaren Substrate verändert,
  • nimmt die Konzentration bestimmter Ausgangsstrukturen ab,
  • können Enzyme an Aktivität verlieren,
  • und andere Prozessfaktoren werden wichtiger.

Deshalb wird eine Maischerast nicht möglichst lang gewählt, sondern passend zur gewünschten Prozessführung.


Single Infusion und Step Mash – was ist der Unterschied?

Jetzt lässt sich auch der Unterschied zwischen einer einfachen Infusionsmaische und einer Stufenmaische besser verstehen.

Single Infusion

Bei einer typischen Single-Infusion-Maische wird eine Zieltemperatur eingestellt und über einen bestimmten Zeitraum gehalten.

Zum Beispiel:

65 °C für 60 Minuten

Während dieser Zeit arbeiten mehrere Enzyme parallel.

Das ist für viele moderne Basismalze völlig ausreichend.


Step Mash

Bei einem Step Mash wird dagegen die Temperatur gezielt verändert.

Zum Beispiel:

62 °C → 65 °C → 68 °C

Damit wird das enzymatische Umfeld bewusst verschoben.

In einer niedrigeren Rast können Bedingungen geschaffen werden, die stärker auf die Bildung vergärbarer Zucker ausgerichtet sind.

Mit steigender Temperatur verändert sich anschließend das Verhältnis der Enzymaktivitäten.

Das Ziel einer Stufenmaische ist deshalb nicht einfach:

„mehr Temperatur = mehr Kontrolle“

sondern:

unterschiedliche enzymatische Phasen gezielt zu nutzen.


Braucht modernes Malz überhaupt noch eine komplizierte Stufenmaische?

Hier kommen die Unterschiede zwischen historischem und modernem Malz ins Spiel.

Moderne Basismalze sind in der Regel gut modifiziert und besitzen eine zuverlässige Enzymausstattung.

Deshalb kann ein Hobbybrauer viele Biere problemlos mit einer einfachen Infusionsmaische brauen.

Komplexe historische Maischprogramme sind nicht automatisch besser.

Die entscheidende Frage ist:

Was soll mit dem vorhandenen Malz erreicht werden?

Wenn ein modernes Pilsner Malz bereits alle notwendigen Voraussetzungen mitbringt, kann eine einfache Maische vollkommen ausreichen.

Ein Step Mash kann natürlich trotzdem sinnvoll sein – aber dann sollte es einen konkreten technologischen Zweck geben.


Warum Spezialmalze kaum Enzymkraft beitragen

Nun können wir auch die Funktion von Spezialmalzen besser verstehen.

Bei stark erhitzten Malzen werden Enzyme durch die thermische Belastung weitgehend inaktiviert.

Ein Röstmalz kann deshalb:

  • starke Farbe,
  • Röstaromen,
  • Kaffee- und Kakaonoten

liefern, aber kaum noch die enzymatische Umwandlung der Stärke übernehmen.

Ein typischer Aufbau sieht deshalb so aus:

Basismalz

liefert:

  • den Großteil der Stärke
  • und die wichtige Enzymaktivität.

Spezialmalz

liefert:

  • Farbe
  • Aroma
  • Mundgefühl
  • besondere Geschmacksnoten.

Deshalb kann ein Pilsner Malz einen großen Teil der Schüttung ausmachen, während Röstmalz oft nur einen kleinen Prozentsatz beiträgt.


Enzymkraft ist eine wichtige Eigenschaft von Basismalz

Wenn man sich Datenblätter von Malzherstellern anschaut, findet man deshalb verschiedene analytische Angaben.

Eine wichtige Größe ist die:

Diastatische Kraft

Sie beschreibt vereinfacht das Potential eines Malzes, während des Maischens Stärke durch seine Enzyme abzubauen.

Für Basismalze ist diese Eigenschaft besonders relevant.

Denn wenn eine Rezeptur einen hohen Anteil an enzymatisch schwächeren Spezialmalzen enthält, muss die restliche Schüttung trotzdem ausreichend enzymatische Kapazität bereitstellen.

Das ist besonders wichtig bei:

  • sehr hohen Anteilen Spezialmalz,
  • Rohfrucht,
  • bestimmten ungewöhnlichen Getreidearten
  • oder historischen Malztypen.

Warum nicht jede Hefe dieselbe Würze gleich vergärt

Bisher haben wir vor allem über die Würze gesprochen.

Doch nach dem Maischen kommt die Hefe ins Spiel.

Und auch hier gibt es einen wichtigen Zusammenhang:

Nicht jeder Hefestamm nutzt die verschiedenen Würzezucker in gleicher Weise.

Glucose wird normalerweise sehr leicht aufgenommen.

Maltose ist ein zentraler Gärungszucker.

Maltotriose wird von vielen Brauhefen ebenfalls vergoren, allerdings mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Wirkungsgraden.

Dextrine bleiben weitgehend zurück.

Deshalb kann dieselbe Würze mit unterschiedlichen Hefen zu unterschiedlichen Endvergärgraden führen.

Die gesamte Kette lautet also:

Malz

↓

Maischen

↓

Zuckerprofil der Würze

↓

Hefestamm

↓

Gärung

↓

Endvergärgrad

↓

Körper und Mundgefühl

Das zeigt noch einmal:

Der Maischplan bestimmt den Charakter des späteren Bieres nicht allein.


Ein praktisches Beispiel: 63 °C oder 68 °C?

Nehmen wir dieselbe Charge Pilsner Malz und dieselbe Hefe.

Variante A – etwa 63 °C

Bei geeigneten Bedingungen kann die β-Amylase relativ viel zur Bildung vergärbarer Zucker beitragen.

Die Würze tendiert zu einem höheren Anteil gut vergärbarer Kohlenhydrate.

Die spätere Gärung kann dadurch stärker in Richtung:

hoher Vergärgrad → trockeneres Bier

gehen.


Variante B – etwa 68 °C

Die β-Amylase verliert schneller an Aktivität.

Die α-Amylase spielt relativ gesehen eine größere Rolle.

Dadurch kann sich die Zusammensetzung zugunsten größerer Kohlenhydratstrukturen verschieben.

Die spätere Gärung tendiert dann eher zu:

mehr Restextrakt → mehr Körper

Natürlich ist das nur ein Trend.

Die tatsächliche Differenz hängt unter anderem von:

  • Malz,
  • pH,
  • Zeit,
  • Hefe
  • und Gärführung

ab.


Warum „je niedriger die Temperatur, desto besser“ nicht stimmt

Wer das Prinzip nur halb verstanden hat, könnte daraus schnell eine falsche Schlussfolgerung ziehen:

„Dann sollte man immer möglichst niedrig maischen.“

Aber das wäre genauso falsch.

Denn nicht jedes Bier soll maximal trocken werden.

Ein schlankes Lagerbier benötigt eine andere Würze als ein kräftiger Doppelbock.

Ein Helles, ein IPA, ein Weizenbier und ein Stout haben unterschiedliche Ziele bei:

  • Vergärbarkeit
  • Körper
  • Mundgefühl
  • Restextrakt

Deshalb lautet die richtige Frage nicht:

„Welche Maischtemperatur ist die beste?“

Sondern:

„Welche Würze brauche ich für mein gewünschtes Bier?“

Erst daraus ergibt sich die passende Maischführung.


Maischen bedeutet nicht, die maximale Enzymaktivität zu suchen

Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel.

In der Theorie könnte man versuchen, für jedes Enzym die Temperatur mit der höchsten Aktivität zu wählen.

Beim Brauen wäre das aber zu kurz gedacht.

Denn unser Ziel ist nicht:

maximale Aktivität eines einzelnen Enzyms

sondern:

eine passende Zusammensetzung der Würze.

Wir wollen also kein Laboroptimum für eine einzelne Reaktion.

Wir wollen ein brautechnisches Ergebnis.

Deshalb ist die Maischführung immer ein Kompromiss zwischen:

  • Vergärbarkeit
  • Körper
  • Ausbeute
  • Prozesssicherheit
  • Bierstil
  • Rohstoffeigenschaften.

Fünf Dinge, die man sich merken sollte

Nach diesem Beitrag lohnt es sich, nicht zehn verschiedene Temperaturtabellen auswendig zu lernen.

Wichtiger sind fünf Grundsätze:

1. α-Amylase und β-Amylase arbeiten unterschiedlich

Die eine wirkt überwiegend innerhalb der Stärke- und Glucanketten, die andere arbeitet stärker von geeigneten Kettenenden aus.

2. Die Enzyme ergänzen sich

Eine Maische funktioniert nicht nach dem Prinzip „entweder Alpha oder Beta“.

Beide tragen gemeinsam zur Stärkeumwandlung bei.

3. Temperatur verändert das Verhältnis der Enzymaktivitäten

Niedrigere Temperaturen begünstigen tendenziell eine stärker vergärbare Würze, höhere Temperaturen tendenziell mehr Körper und Restextrakt.

4. Temperatur allein reicht nicht

Auch pH-Wert und Zeit spielen eine wichtige Rolle.

5. Das Ziel ist die richtige Würze – nicht ein bestimmtes Enzym

Die Frage lautet nicht:

„Welche Temperatur aktiviert welches Enzym?“

Sondern:

„Welche Zuckerzusammensetzung brauche ich für dieses Bier?“


Vom Malz zur Maische – und von der Maische zum Bier

Damit können wir den bisherigen Weg noch einmal zusammenfassen:

Gerste

↓

Mälzen

↓

Malz

↓

Stärke + Enzyme

↓

Schroten

↓

Maischen

↓

α-Amylase + β-Amylase

↓

Glucose + Maltose + Maltotriose + Dextrine

↓

Würze

↓

Hefe

↓

Gärung

↓

Alkohol + CO₂ + Restextrakt

↓

Bier

Was wir hier sehen, ist ein wichtiger Grundsatz der Brautechnologie:

Jeder Schritt verändert die Ausgangsstoffe so, dass der nächste Schritt darauf aufbauen kann.

Die Mälzerei bereitet das Korn vor.

Das Schroten macht die Inhaltsstoffe zugänglich.

Das Maischen wandelt Stärke in ein bestimmtes Zuckerprofil um.

Die Hefe nutzt dieses Zuckerprofil für die Gärung.

Und am Ende entscheidet das Zusammenspiel aller Schritte über das fertige Bier.


Ein Blick auf die nächsten Themen

Mit Stärke und Enzymen haben wir jetzt zwei der wichtigsten Grundlagen des Malzes verstanden.

Aber es gibt noch einen dritten großen Bereich:

Proteine.

Sie beeinflussen unter anderem:

  • Hefenährstoffe,
  • FAN,
  • Schaum,
  • Mundgefühl,
  • Trübung
  • und Bierstabilität.

Besonders interessant ist dabei ein Thema, das in älteren Brauliteraturen immer wieder auftaucht:

Proteinrast.

Warum wurde sie früher so häufig eingesetzt?

Warum ist sie bei modernen, gut modifizierten Basismalzen oft nicht mehr notwendig?

Und wann kann eine Proteinrast trotzdem sinnvoll sein?


In der nächsten Folge

Protein im Malz – Freund oder Problem?

Wir schauen uns an, was beim Maischen mit den Proteinen passiert und warum Proteine, Peptide und FAN für die Gärung, den Schaum und das Mundgefühl relevant sind.

Dabei geht es auch um die Frage:

Braucht modernes Malz überhaupt noch eine Proteinrast – oder stammt diese Empfehlung aus einer Zeit, in der die Malzqualität ganz anders war?

Damit schließen wir den ersten großen Grundlagenblock unserer Malz-Serie ab:

Stärke → Enzyme → Proteine

und können anschließend gezielt in die Welt der verschiedenen Malzsorten einsteigen.

Bild Quelle: Yasemin Şahin von Pexels

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