Galaxy®, Vic Secret™ und Eclipse®: Drei australische Hopfen, drei unterschiedliche Charaktere

Wenn es um australischen Hopfen geht, fallen drei Namen besonders häufig: Galaxy®, Vic Secret™ und Eclipse®.

Alle drei stammen aus dem australischen Zuchtprogramm von Hop Products Australia (HPA). Alle drei gehören zu den charakterstarken Flavor Hops, und alle drei können einem Bier sehr schnell eine deutliche Aromarichtung geben.

Trotzdem sollte man sie nicht einfach als drei Varianten desselben „tropischen australischen Hopfens“ betrachten.

Denn ihr Charakter unterscheidet sich deutlich:

Galaxy® steht vor allem für Passionsfrucht, Pfirsich und Zitrus.

Vic Secret™ kombiniert intensive Ananas mit Pinie und harzigen Noten.

Eclipse® geht stärker in Richtung Mandarine, Zitrusschale und Pinie.

Genau diese Unterschiede machen den Vergleich interessant.

Die Frage lautet also nicht:

Welcher der drei ist der beste?

Sondern:

Welcher passt zu dem Bier, das ich gerade brauen möchte?


Galaxy® – der Klassiker unter den Aussie Hops

Beginnen wir mit dem bekanntesten Namen.

Galaxy®

Wenn ein Hopfen den modernen australischen Hopfenstil international geprägt hat, dann ist es Galaxy.

HPA beschreibt Galaxy vor allem mit:

Passionfruit

Juicy Peach

Tangy Citrus

also:

Passionsfrucht + saftiger Pfirsich + Zitrus

Das ist eine sehr prägnante Kombination.

Galaxy wirkt häufig sehr fruchtbetont und intensiv, ohne dass man lange danach suchen muss. Genau diese Wiedererkennbarkeit ist ein wesentlicher Grund für ihren Erfolg.

HPA gibt für Galaxy aktuell einen Alpha-Säurebereich von etwa 15,7–19,8 % und einen Gesamtölgehalt von etwa 2,6–3,3 ml/100 g an.

Damit ist Galaxy keineswegs nur ein klassischer „Aromahopfen“ mit wenig Bitterpotenzial. Sie gehört zu den Sorten, die Bittere und intensives Aroma miteinander verbinden können.


Warum Galaxy so leicht wiederzuerkennen ist

Bei Galaxy ist vor allem die Passionsfrucht-Note charakteristisch.

Natürlich verändert sich das genaue Profil je nach Erntejahr, Lagerung und Brauprozess. Trotzdem bleibt die Grundrichtung meist gut erkennbar.

Für viele Brauer ist das ein großer Vorteil:

Man kann mit Galaxy relativ schnell einen klaren aromatischen Mittelpunkt in einem Bier erzeugen.

Das funktioniert besonders gut bei Bieren, deren Malzprofil nicht zu dominant ist.

Deshalb passt Galaxy sehr gut zu:

  • XPA
  • Pale Ale
  • Hazy Pale Ale
  • IPA
  • NEIPA

und natürlich zu modernen australisch inspirierten Pale Ales.


Galaxy als Single Hop

Eine weitere Stärke von Galaxy ist ihre Fähigkeit, allein ein vollständiges Hopfenprofil aufzubauen.

Bei einem Single-Hop Pale Ale muss man nicht unbedingt mehrere Sorten miteinander kombinieren, um ein interessantes Bier zu erhalten.

Galaxy kann allein bereits mehrere Ebenen liefern:

tropische Früchte → Passionsfrucht → Pfirsich → Zitrus

Das macht sie auch für Hobbybrauer interessant.

Wer eine Sorte wirklich kennenlernen möchte, kann mit einem Single-Hop-Bier zunächst versuchen, das grundlegende sensorische Profil zu verstehen, bevor verschiedene Sorten miteinander kombiniert werden.


Vic Secret™ – wenn zur Frucht noch Pinie kommt

Der zweite große australische Name ist:

Vic Secret™

Auf den ersten Blick könnte man Vic Secret einfach als eine weitere tropische Fruchtsorte einordnen.

Das wäre allerdings zu kurz gegriffen.

HPA beschreibt die Sorte sehr prägnant mit:

Big pineapple and big pine

also:

intensive Ananas + intensive Pinie.

Damit verschiebt sich der Schwerpunkt deutlich.

Während Galaxy häufig eher als

Passionsfrucht + Pfirsich

wahrgenommen wird, bringt Vic Secret stärker

Ananas + Pinie + Harz

ins Spiel.


Was macht Vic Secret besonders?

Der entscheidende Unterschied ist die Kombination aus Frucht und harzig-pinigem Charakter.

Das macht Vic Secret interessant, wenn ein Bier nicht nur saftig und tropisch wirken soll.

Ein sehr fruchtbetontes Bier kann schnell in Richtung:

Juicy / Sweet / Tropical

gehen.

Pinie und Harz können diesem Profil mehr Kontrast und Struktur geben.

Daher ist Vic Secret besonders interessant als Ergänzung zu anderen fruchtbetonten Sorten.

Ein klassisches Beispiel wäre:

Galaxy + Vic Secret

Galaxy bringt:

Passionsfrucht + Pfirsich

Vic Secret bringt:

Ananas + Pinie

Das Ergebnis kann dadurch deutlich komplexer wirken als die alleinige Verwendung einer einzigen Sorte.


Vic Secret funktioniert aber auch allein

HPA nennt ausdrücklich sowohl die Solo-Verwendung als auch die Kombination mit anderen Hopfen als Einsatzmöglichkeiten. Als empfohlene Bierstile werden unter anderem Lager, XPA, Hazy Pale Ale, IPA und West Coast IPA genannt.

Gerade West Coast IPA ist hier interessant.

Denn die Pinien- und harzigen Komponenten von Vic Secret können sich gut mit einer trockeneren, klareren Bierstruktur verbinden.

Damit ist die Sorte keineswegs auf Hazy IPA festgelegt.


Eclipse® – die Mandarine unter den australischen Hopfen

Der dritte große Name:

Eclipse®

Eclipse verfolgt eine etwas andere Aromarichtung.

HPA nennt vor allem:

Sweet Mandarin

Zesty Citrus Peel

Fresh Pine

also:

süße Mandarine + frische Zitrusschale + Pinie.

Das macht Eclipse auf den ersten Blick weniger „tropisch“ als Galaxy.

Ihr Schwerpunkt liegt stärker auf:

Citrus

und insbesondere:

Mandarine

Dabei bleibt aber die für einige australische Sorten typische Piniennote erhalten.


Eclipse ist mehr als ein weiterer Hazy-IPA-Hopfen

Ein interessanter Punkt bei Eclipse ist die große stilistische Bandbreite.

HPA empfiehlt die Sorte unter anderem für:

  • Lager
  • XPA
  • Hazy Pale Ale
  • IPA
  • NEIPA.

Das macht Eclipse für viele Brauer besonders interessant.

Denn Mandarine und Zitrusschale lassen sich nicht nur in einem sehr intensiven Hazy IPA einsetzen.

Sie funktionieren auch in einem leichteren, trockeneren und klareren Bier.

Gerade eine Hoppy Lager oder ein XPA kann davon profitieren, wenn man moderne Hopfenaromen möchte, ohne das Bier vollständig in Richtung Tropical Juice zu verschieben.


Drei Sorten – drei Richtungen

Jetzt lässt sich der Unterschied sehr einfach zusammenfassen.

Galaxy®

Passionfruit + Peach + Citrus

→ saftig
→ tropisch
→ sehr charakterstark

Vic Secret™

Pineapple + Pine + Resin

→ tropisch
→ harzig
→ pinienbetont

Eclipse®

Mandarin + Citrus Peel + Pine

→ zitrisch
→ frisch
→ leicht harzig/pinienartig

Oder noch einfacher:

Galaxy = Passionfruit

Vic Secret = Pineapple + Pine

Eclipse = Mandarin + Citrus + Pine

Das ist natürlich nur eine sensorische Orientierung und keine vollständige Beschreibung.


Sind die drei chemisch ebenfalls so unterschiedlich?

Ein Blick auf die analytischen Daten ist interessant.

Die aktuellen HPA-Angaben zeigen bei allen drei Sorten relativ hohe Alpha-Säure- und Gesamtölwerte.

Galaxy®Vic Secret™Eclipse®
Alpha Acid15,7–19,8 %17,6–21,6 %17,0–19,1 %
Total Oils2,6–3,3 ml/100 g2,1–3,2 ml/100 g2,4–3,0 ml/100 g

Auch beim Myrcen liegen alle drei in einem Bereich, der gut zum charakteristischen Duftprofil moderner Aromahopfen passt.

Aber hier ist Vorsicht angebracht:

Man kann aus dem Myrcenwert allein nicht vorhersagen, dass ein Hopfen nach Passionsfrucht, Ananas oder Mandarine riechen wird.

Das Aroma eines Hopfens entsteht aus dem Zusammenspiel vieler flüchtiger und weniger flüchtiger Verbindungen, ihrer Konzentration, ihrer Wahrnehmungsschwellen und ihrer Umwandlung während des Brauens.

Die analytische Zusammensetzung ist deshalb ein wichtiges Werkzeug – aber kein Ersatz für die sensorische Beurteilung.

Das ist auch ein Grund, warum HPA für die Sortenbeschreibung nicht nur Laborwerte, sondern sensorische Prüfungen und Brewing Trials nutzt.


Hoher Alpha-Gehalt – sollte man diese Hopfen also zum Bitteren verwenden?

Technisch: ja.

Praktisch: nicht unbedingt.

Alle drei Sorten können aufgrund ihres Alpha-Gehalts einen erheblichen Beitrag zur Bittere leisten.

Aber bei einem teuren Flavor Hop ist die wichtigere Frage:

Wofür bezahle ich eigentlich?

Wenn eine Sorte vor allem wegen ihres charakteristischen Aromas gekauft wird, wäre es nicht immer sinnvoll, einen großen Teil davon ausschließlich für eine frühe Bittergabe zu verwenden.

Gerade bei Galaxy, Vic Secret und Eclipse liegt ein großer Teil ihres Wertes im Flavor Impact.

Für viele Rezepte kann deshalb eine Kombination sinnvoll sein:

Bitterhopfen

für die Grundbittere

plus

Galaxy / Vic Secret / Eclipse

für spätere Aromagaben.

Das ist allerdings keine feste Regel. In einem Single-Hop-Rezept oder bei bestimmten Bierstilen kann eine Sorte selbstverständlich auch früh im Kochprozess eingesetzt werden.


Galaxy + Vic Secret: Tropical trifft Pinie

Diese Kombination liegt besonders nahe.

Galaxy liefert:

Passionsfrucht + Pfirsich

Vic Secret:

Ananas + Pinie + Harz

Zusammen entsteht:

Tropical Fruit + Pine + Resin

Das kann sehr gut funktionieren bei:

  • Hazy Pale Ale
  • IPA
  • NEIPA
  • Double IPA

Der Vorteil liegt darin, dass die beiden Sorten nicht exakt dieselbe Aromafunktion übernehmen.

Sie ergänzen sich.


Galaxy + Eclipse: Tropical trifft Citrus

Hier ist die Kombination etwas anders.

Galaxy:

Passionsfrucht + Pfirsich

Eclipse:

Mandarine + Zitrusschale

Das ergibt:

Tropical Fruit + Citrus

Diese Kombination wirkt häufig heller und zitrischer als Galaxy + Vic Secret.

Besonders interessant für:

  • Pale Ale
  • XPA
  • Hazy Pale Ale
  • IPA

Vic Secret + Eclipse: Pine trifft Citrus

Die dritte Kombination:

Vic Secret:

Ananas + Pinie + Harz

Eclipse:

Mandarine + Zitrusschale + Pinie

Hier überschneiden sich die beiden Sorten stärker im Bereich Pine.

Dadurch kann das Ergebnis in Richtung:

Citrus + Pine + Tropical

gehen.

Das ist besonders interessant für Biere, die etwas trockener und weniger „juice-like“ wirken sollen.


Und alle drei zusammen?

Natürlich kann man Galaxy, Vic Secret und Eclipse gemeinsam einsetzen.

Aber:

Drei starke Hopfen ergeben nicht automatisch ein komplexeres Bier.

Das Gegenteil kann passieren.

Wenn drei sehr charakterstarke Sorten gleichzeitig in hoher Dosierung eingesetzt werden, kann sich der Eindruck eher vermischen als verbessern.

Deshalb ist eine einfachere Strategie oft sinnvoller:

Eine Leitsorte

↓

bestimmt das Hauptaroma

Eine ergänzende Sorte

↓

erweitert oder kontrastiert das Profil

Weitere Sorten

↓

nur, wenn sie eine konkrete Funktion erfüllen

Das ist besonders bei australischen Flavor Hops sinnvoll.

Denn diese Sorten müssen nicht erst gemeinsam „laut“ werden.

Sie sind einzeln bereits sehr ausdrucksstark.


Welche Sorte für welches Bier?

Für Hobbybrauer lässt sich daraus eine einfache Orientierung ableiten.

ZielErste Wahl
Deutliche PassionsfruchtGalaxy®
Tropical Fruit mit mehr PinieVic Secret™
Mandarine und ZitrusEclipse®
Hazy Pale AleGalaxy / Vic Secret / Eclipse
NEIPAGalaxy / Vic Secret / Eclipse
XPAGalaxy / Eclipse
West Coast IPAVic Secret / Eclipse
Hoppy LagerEclipse / Vic Secret
Single HopGalaxy besonders naheliegend

Das bedeutet nicht, dass die anderen Sorten für den jeweiligen Stil ungeeignet wären.

Die Tabelle soll lediglich zeigen, welche Sorte aus welchem Grund besonders naheliegend ist.


Ein Blick auf den aktuellen Markt

Die Produktionszahlen zeigen außerdem, dass die drei Sorten innerhalb Australiens heute sehr unterschiedliche Größenordnungen haben.

Im Crop Year 2026 produzierte HPA:

  • Galaxy: 595 t
  • Vic Secret: 401 t
  • Eclipse: 196 t

Galaxy bleibt damit die größte Sorte, gleichzeitig wuchs Vic Secret gegenüber dem Vorjahr um 63,5 % und Eclipse sogar um 107,1 %. HPA führt diese Zunahmen auf die bestehende vertragliche Nachfrage zurück.

Das ist ein interessantes Signal.

Galaxy ist weiterhin der australische Superstar.

Aber:

Vic Secret und Eclipse sind längst keine Nischenprodukte mehr.

Insbesondere Eclipse entwickelt sich schnell zu einem wichtigen Bestandteil des australischen Flavor-Hop-Portfolios.


Drei Sorten, drei Rollen

Vielleicht ist das die sinnvollste Art, die drei Hopfen zu betrachten.

Galaxy®

Der Hauptdarsteller

Wenn das Bier nach Passionsfrucht und tropischer Frucht schreien soll, ist Galaxy eine naheliegende Wahl.

Vic Secret™

Der Kontrastgeber

Wenn Tropical Fruit mehr Pinie und Harz bekommen soll, bringt Vic Secret eine andere Dimension ins Spiel.

Eclipse®

Der Zitrus-Spezialist

Wenn Mandarine, Zitrusschale und Pinie gefragt sind, bietet Eclipse eine ganz eigene Richtung.

Damit wird auch deutlich, warum es wenig Sinn ergibt, einfach zu fragen:

„Welcher australische Hopfen ist der beste?“

Die bessere Frage lautet:

„Welche Aromafunktion brauche ich in meinem Bier?“


Fazit

Galaxy, Vic Secret und Eclipse gehören zwar zur gleichen australischen Hopfenfamilie, aber sie sind sensorisch deutlich genug voneinander entfernt, um unterschiedliche Aufgaben zu übernehmen.

Galaxy®

steht für Passionsfrucht, Pfirsich und Zitrus.

Vic Secret™

für Ananas, Pinie und harzige Noten.

Eclipse®

für Mandarine, Zitrusschale und Pinie.

Gerade diese Unterschiede machen die drei Sorten zusammen so interessant.

Sie zeigen, dass der australische Hopfenstil längst nicht nur aus einem einzigen „tropischen“ Charakter besteht.

Es handelt sich vielmehr um ein ganzes Spektrum:

Tropical → Citrus → Pine → Resin → Fruit

Und dieses Spektrum wird weiter größer.

Denn neben diesen drei bekannten Sorten gibt es weitere australische Flavor Hops wie Ella™, Enigma®, Topaz™ und Luna®. Vor allem Luna ist interessant, weil sie mit Mango, dunklen Beeren und würzigen Zitrusnoten wieder eine ganz andere Richtung einschlägt.


Und was ist mit Ella, Enigma, Topaz und Luna?

Galaxy, Vic Secret und Eclipse sind die bekanntesten Namen – aber sie erzählen längst nicht die ganze Geschichte.

Ella™ bringt florale und würzige Facetten ein.

Enigma® bewegt sich stärker in Richtung Weißweintraube, Beeren und Melone.

Topaz™ verbindet Litschi- und tropische Fruchtaromen.

Und Luna® ist besonders spannend: Die 2026 erstmals kommerziell verfügbare Sorte bringt Mango, dunkle Beeren und würzige Zitrusnoten mit und wird von HPA außerdem mit einem ausgeprägten Mouthfeel in Verbindung gebracht. Die Nachfrage nach Luna war in der ersten kommerziellen Saison laut HPA so hoch, dass eine deutliche Ausweitung der Produktion ab 2027 geplant ist.

Damit stellt sich die nächste Frage:

Was können die „anderen“ australischen Hopfen, die neben Galaxy bisher etwas im Schatten stehen?

In der nächsten Folge schauen wir deshalb genauer auf Ella, Enigma, Topaz und Luna – und vor allem darauf, welche dieser Sorten für Hobbybrauer tatsächlich interessant sind.


Quellen

  • Hop Products Australia (HPA): Hop Breeding Program
  • HPA: Galaxy® / Produktinformationen
  • HPA: Vic Secret™
  • HPA: Eclipse® / Produktinformationen
  • HPA: 2026 Crop Report

Bild Quelle: jefebro von Pixabay

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