Die wichtigsten US-Hopfen: Von Cascade und Centennial bis Citra und Mosaic

Welche amerikanischen Hopfensorten haben Craft Beer wirklich geprägt?

Wer sich zum ersten Mal intensiver mit US-Hopfen beschäftigt, stößt schnell auf eine lange Liste von Sortennamen:

Cascade, Centennial, Chinook, Columbus, Simcoe, Amarillo, Citra, Mosaic, El Dorado, Idaho 7, Strata, Sabro, Talus und viele weitere.

Man könnte daraus problemlos eine große Hopfendatenbank machen.

Aber genau das wollen wir in diesem Beitrag nicht tun.

Denn die interessantere Frage lautet nicht:

Wie viele Hopfensorten gibt es in den USA?

Sondern:

Welche Sorten haben die Entwicklung des amerikanischen Craft Beer wirklich geprägt – und welche Aromasprache haben sie geschaffen?

Wer US-Hopfen verstehen will, sollte deshalb nicht nur einzelne Sortennamen auswendig lernen. Viel interessanter ist die Entwicklung dahinter:

klassische amerikanische Hopfen

→ Cascade und die Grapefruit-Revolution

→ C-Hops und der klassische American Hop Character

→ Simcoe und Amarillo

→ Citra und Mosaic

→ eine neue Generation mit immer komplexeren Frucht- und Aromaprofilen

US-Hopfen ist deshalb weniger eine Liste von Sorten als vielmehr eine Geschichte der Geschmacksentwicklung.


Was macht einen Hopfen eigentlich zu einem „klassischen US-Hopfen“?

Die Frage klingt einfach, ist aber schwieriger als sie zunächst erscheint.

„US-Hopfen“ kann mehrere Dinge bedeuten.

Eine Sorte kann:

  • in den USA gezüchtet worden sein,
  • hauptsächlich in den USA angebaut werden,
  • oder vor allem durch die amerikanische Craft-Beer-Kultur bekannt geworden sein.

Diese drei Dinge sind nicht zwingend identisch.

Auch in den USA werden europäische Sorten angebaut. Und viele amerikanische Züchtungen werden heute wiederum außerhalb der USA kultiviert.

Für unsere Betrachtung ist deshalb eine andere Definition sinnvoll:

Wir interessieren uns für die Hopfensorten, die für die Entwicklung der amerikanischen Hopfenindustrie und der Craft-Beer-Kultur eine besondere Bedeutung haben.

Zu den bekanntesten gehören heute unter anderem Cascade, Centennial, Chinook, Citra, Mosaic, Simcoe, Amarillo, El Dorado und Idaho 7. Auch Hop Growers of America führt diese und zahlreiche weitere Sorten in seinem aktuellen Hopfenverzeichnis.


Die Entwicklung des US-Hopfen lässt sich als Aromageschichte lesen

Wenn man die Sorten nicht nur chronologisch, sondern nach ihren typischen Aromarichtungen betrachtet, entsteht ein interessantes Bild.

Frühe klassische US-Hopfen

Cluster · Cascade · Centennial · Chinook

Typisch sind:

Grapefruit · Citrus · Floral · Pine · Resin


Klassische IPA-Hopfen

Columbus/CTZ · Simcoe · Amarillo

Hier kommen stärker hinzu:

Resin · Dank · Pine · Citrus · Tropical Fruit


Moderne Aromahopfen

Citra · Mosaic · El Dorado

Jetzt wird die Frucht deutlich dominanter:

Mango · Passionsfrucht · Beeren · Steinfrüchte · tropische Früchte


Neuere Generationen

Idaho 7 · Strata · Sabro · Talus

Die Aromawelt wird nochmals komplexer:

Tropische Früchte · Beeren · Kokos · Zitrus · Gewürze · Candy-artige Fruchtnoten

Diese Gruppen sind natürlich keine offiziellen Klassifikationen. Viele Sorten passen in mehrere Kategorien.

Sie helfen aber dabei, die Entwicklung des amerikanischen Hopfens zu verstehen.


Cluster – der ältere Teil der amerikanischen Hopfengeschichte

Wer heute Craft Beer trinkt, denkt bei US-Hopfen selten an Cluster.

Historisch ist die Sorte jedoch sehr wichtig.

Cluster gehört zu den ältesten kommerziell bedeutenden Hopfensorten in den USA und war lange Zeit ein wichtiger Teil der amerikanischen Hopfenversorgung.

Sein Aromaprofil wirkt im Vergleich zu modernen Aromahopfen eher klassisch:

herbal · floral · spicy · earthy

Cluster steht deshalb weniger für die moderne „Juicy IPA“-Ära.

Vielmehr erinnert die Sorte daran, dass die amerikanische Hopfenindustrie lange vor Craft Beer existierte.

Man könnte es so ausdrücken:

Cluster ist die Vorgeschichte der amerikanischen Hopfenrevolution.


Cascade – der Hopfen, der die amerikanische Hopfensprache veränderte

Über Cascade haben wir im vorherigen Beitrag bereits ausführlicher gesprochen.

Sein klassisches Profil:

Grapefruit · Citrus · Floral · leichte Pinie

ist heute fast synonym mit dem frühen amerikanischen Craft-Beer-Geschmack.

Die besondere Bedeutung von Cascade liegt nicht darin, dass er der intensivste US-Hopfen wäre.

Seine Bedeutung liegt darin, dass er gezeigt hat:

Hopfen darf das Aroma eines Bieres bestimmen.

Mit Cascade wurde ein Geschmack populär, der bis heute zum klassischen American Pale Ale gehört:

Grapefruit + Zitrus + Blüten + Hopfenwürze

Die Entwicklung von Sierra Nevada Pale Ale machte diesen Charakter einem großen Publikum bekannt und half dabei, eine eigenständige amerikanische Bieridentität zu etablieren.

Cascade war damit nicht einfach nur eine neue Sorte.

Er war ein kultureller Wendepunkt.


Centennial – „Super Cascade“?

Centennial wird gelegentlich als „Super Cascade“ bezeichnet.

Das ist keine offizielle Definition, aber als grobe sensorische Orientierung ist der Vergleich nicht völlig unpassend.

Auch Centennial bringt vor allem:

Citrus

Floral

und teilweise:

Pine

mit.

Im Vergleich zu Cascade wird Centennial häufig als kräftiger und konzentrierter wahrgenommen.

Dadurch eignet sich die Sorte besonders gut für:

  • American Pale Ale
  • American IPA
  • West Coast IPA
  • hopfenbetonte Pale Ales

Centennial war wichtig, weil die klassische amerikanische Aromasprache dadurch noch deutlicher wurde:

mehr Zitrus, mehr Intensität, mehr Hopfencharakter.

Cascade legte das Fundament.

Centennial half, darauf eine robustere Hopfenkultur aufzubauen.


Chinook – wenn der Hopfen nach Wald riechen darf

Wenn Cascade vor allem für Grapefruit steht, führt Chinook in eine andere Richtung.

Sein typischer Charakter wird häufig mit folgenden Begriffen beschrieben:

Pine

Resin

Spice

Citrus

herbal

Chinook wirkt dadurch häufig kräftiger und „dunkler“ als Cascade.

Nicht im Sinne einer dunklen Farbe – sondern aromatisch.

Man denkt eher an:

Piniennadeln, Harz, Gewürze und einen kräftigen Hopfencharakter.

Gerade für klassische West-Coast-IPAs ist das interessant.

Denn amerikanischer Hopfen besteht nicht nur aus Fruchtigkeit.

Er kann auch:

harzig, waldig, würzig und intensiv sein.

Chinook ist dafür ein sehr gutes Beispiel.


Columbus / CTZ – die „dankige“ Seite des US-Hopfen

US-Hopfen wird heute häufig mit tropischen Früchten verbunden.

Dabei ist eine andere Aromarichtung mindestens genauso typisch für die amerikanische Hopfenkultur:

Dank.

Columbus gehört zu den bekanntesten Vertretern.

Im Zusammenhang mit Columbus stößt man häufig auch auf die Bezeichnung:

CTZ – Columbus, Tomahawk, Zeus

Die Aromatik wird häufig mit folgenden Begriffen beschrieben:

resinous

spicy

herbal

earthy

und eben:

dank

„Dank“ lässt sich nur schwer mit einem einzigen deutschen Wort übersetzen.

Gemeint ist eine intensive, harzige, würzige und leicht wilde Hopfenaromatik, wie man sie besonders mit klassischem amerikanischem IPA verbindet.

Columbus zeigt deshalb sehr deutlich:

US-Hopfen bedeutet nicht automatisch tropische Früchte.

Die amerikanische Hopfengeschichte hatte immer mindestens zwei starke Richtungen:

Citrus / Pine / Resin

und später zunehmend:

Tropical / Berry / Stone Fruit


C-Hops – keine offizielle Kategorie, aber ein wichtiger Begriff

Cascade, Centennial, Chinook und Columbus werden häufig gemeinsam als:

C-Hops

bezeichnet.

Wichtig ist:

C-Hops ist keine offizielle botanische Klassifikation.

Es handelt sich vielmehr um einen Begriff aus der Craft-Beer-Kultur.

Trotzdem ist er ausgesprochen nützlich.

Denn diese vier Sorten verkörpern gemeinsam den klassischen amerikanischen Hopfencharakter:

Grapefruit

Citrus

Pine

Resin

Spice

Dank

Wer eine klassische West Coast IPA aus der frühen amerikanischen Craft-Beer-Ära vor Augen hat, landet aromatisch sehr oft in genau diesem Bereich.

Die C-Hops sind deshalb so etwas wie die erste große amerikanische Hopfensprache.


Simcoe – der Übergang zum modernen US-Hopfen

Mit Simcoe beginnt eine neue Phase.

Simcoe verbindet Eigenschaften, die bei älteren amerikanischen Sorten teilweise noch stärker getrennt waren:

Pine

Citrus

Stone Fruit

Tropical Fruit

teilweise auch:

Woody

Genau diese Mischung macht Simcoe so interessant.

Man kann gleichzeitig eine harzige Piniennote und eine deutlich fruchtige Komponente wahrnehmen.

Damit passt Simcoe hervorragend zur Entwicklung des modernen IPA.

Die Sorte kann je nach Einsatz als Bitterhopfen, spät im Kochprozess, im Whirlpool oder beim Dry Hopping eingesetzt werden.

Bei vielen Brauern gilt Simcoe deshalb als äußerst vielseitiges Werkzeug.


Amarillo – die süßere Seite des amerikanischen Citrus

Amarillo verfolgt eine etwas andere Richtung.

Hier stehen weniger Harz und „Dank“ im Vordergrund.

Typischer sind:

Orange

Citrus

Grapefruit

und verschiedene:

fruchtige Noten

Amarillo wirkt häufig heller und süßer als beispielsweise Chinook oder Columbus.

Das macht ihn interessant für:

  • American Pale Ale
  • American IPA
  • Session IPA
  • fruchtbetonte Craft-Biere

Amarillo zeigt damit eine weitere Facette der amerikanischen Hopfenentwicklung:

US-Hopfen kann intensiv sein, ohne aggressiv zu wirken.


Citra – die zweite große Hopfenrevolution

Dann kommen wir zu einer Sorte, die den modernen US-Hopfenmarkt wahrscheinlich stärker geprägt hat als fast jede andere:

Citra

Citra trägt den Zuchtcode HBC 394 und gehört heute zu den bekanntesten Aromahopfen weltweit.

Das typische Aromaspektrum umfasst:

Citrus

Tropical Fruit

Stone Fruit

und weitere fruchtige sowie teilweise holzige Noten.

In der Praxis denken viele Brauer sofort an:

Mango

Passionsfrucht

Limette

Grapefruit

tropische Früchte

Damit öffnet Citra eine völlig neue Tür.

Cascade hatte gezeigt, dass Bier nach Grapefruit und Zitrus schmecken kann.

Citra zeigte:

Bier kann auch nach tropischen Früchten schmecken.


Warum Citra so erfolgreich wurde

Die große Stärke von Citra liegt darin, dass seine Aromatik sehr intensiv, aber gleichzeitig für viele Konsumenten unmittelbar attraktiv ist.

Die Kombination aus:

Zitrus + Mango + tropischer Frucht

passt hervorragend zu modernen hopfenbetonten Bierstilen.

Parallel entwickelten sich neue Brautechniken:

  • späte Hopfengaben
  • Whirlpool
  • große Dry-Hop-Mengen
  • niedrigere wahrgenommene Bittere
  • New England IPA
  • Hazy IPA

Citra passte perfekt in diese Entwicklung.

Deshalb wurde die Sorte nicht nur ein erfolgreicher Hopfen.

Sie wurde zu einem Symbol des modernen Craft Beer.


Mosaic – wenn Fruchtigkeit komplexer wird

Wenn Citra sehr direkt und tropisch wirkt, ist Mosaic oft komplexer.

Mosaic trägt den Zuchtcode HBC 369.

Sein Aromaspektrum wird häufig mit folgenden Richtungen beschrieben:

Berry

Tropical Fruit

Citrus

Stone Fruit

Mosaic kann dadurch gleichzeitig an:

Beeren

Mango

Zitrus

Pfirsich

tropische Früchte

erinnern.

Das macht ihn zu einem besonders vielseitigen Aromahopfen.

Die Besonderheit ist weniger ein einzelnes „Mosaic-Aroma“.

Vielmehr ist es die Kombination mehrerer Fruchtrichtungen.


Citra und Mosaic – eine der wichtigsten Kombinationen des modernen Craft Beer

Citra und Mosaic werden häufig gemeinsam eingesetzt.

Warum?

Weil sie sich sehr gut ergänzen.

Citra

Citrus · Mango · Passionsfrucht · Tropical Fruit

Mosaic

Berry · Tropical Fruit · Stone Fruit · Citrus

Zusammen können daraus sehr komplexe Hopfenaromen entstehen:

Mango + Beere + Zitrus + tropische Frucht

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die amerikanische Braukultur verändert hat.

Man sucht nicht mehr unbedingt nach:

„dem besten Hopfen“

sondern nach:

„der richtigen Kombination von Hopfen.“

Diese Idee ist ein wichtiger Bestandteil moderner IPA-Rezeptentwicklung.


El Dorado – die süß-fruchtige Seite

Eine weitere interessante Sorte ist El Dorado.

Sie bewegt sich noch stärker in Richtung:

Pear

Stone Fruit

Tropical Fruit

und teilweise:

Candy-like Fruit

Gerade diese süßere Fruchtigkeit macht El Dorado interessant für:

  • Hazy IPA
  • New England IPA
  • Double IPA
  • fruchtbetonte Pale Ales

Mit solchen Sorten begann sich der amerikanische Hopfengeschmack weiter von der klassischen:

Grapefruit + Pine

Welt zu entfernen.

Die Frucht wurde süßer, runder und komplexer.


Idaho 7 – die nächste Generation

Idaho 7 steht exemplarisch für die nächste Generation amerikanischer Aromahopfen.

Typische Richtungen sind:

Tropical Fruit

Citrus

Pine

Stone Fruit

Je nach Ernte und Einsatz können zusätzlich deutlich fruchtige oder harzige Komponenten auftreten.

Interessant ist hier nicht nur das Aroma.

Die moderne Hopfenzüchtung muss gleichzeitig mehrere Anforderungen erfüllen:

  • gute agronomische Eigenschaften
  • ausreichender Ertrag
  • gute Krankheitsresistenz
  • verlässliche Verarbeitung
  • stabile Versorgung
  • attraktives Aromaprofil
  • Akzeptanz bei Brauern

Ein moderner Hopfen ist also nicht nur ein schönes Aroma.

Er muss auch ein funktionierendes Agrar- und Handelsprodukt sein.


Sabro – wenn plötzlich Kokos ins Bier kommt

Mit Sabro wird deutlich, wie weit sich die Aromawelt inzwischen geöffnet hat.

Sabro wird häufig mit:

Tropical Fruit

Citrus

Stone Fruit

und besonders:

Coconut

in Verbindung gebracht.

Gerade Kokos ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit sich die amerikanische Hopfenzüchtung von den klassischen Vorstellungen eines „Hopfenaromas“ entfernt hat.

Wer bei Hopfen traditionell an:

Blume · Kräuter · Gewürze

denkt, wird bei:

Kokos + tropische Früchte

merken, wie stark sich die Kategorie verändert hat.


Strata – Frucht und „Dank“ gleichzeitig

Strata zeigt eine andere interessante Entwicklung.

Die Sorte wird häufig mit:

Passionsfrucht

tropischen Früchten

Erdbeere

Zitrus

verbunden.

Gleichzeitig kann sie eine ausgeprägte:

Dank-/herbal-Aromatik

zeigen.

Das ist spannend, weil hier zwei scheinbar unterschiedliche amerikanische Hopfenwelten zusammenkommen:

Frucht

und

Dank

Damit zeigt Strata, dass moderne Züchtung nicht unbedingt in Richtung „immer süßer und fruchtiger“ gehen muss.

Sie kann auch verschiedene Aromarichtungen miteinander kombinieren.


Talus und die Suche nach neuen Aromaprofilen

Auch Talus steht für diese Suche nach neuen Aromen.

Typische Beschreibungen bewegen sich unter anderem in Richtung:

Citrus

Floral

Wood

Spice

und fruchtiger Nebenaromen.

Talus ist damit ein gutes Beispiel für eine Entwicklung, die bei modernen US-Hopfen immer wichtiger wird:

Nicht mehr nur „mehr Aroma“, sondern möglichst unverwechselbares Aroma.

Denn wenn immer mehr Sorten tropisch-fruchtig werden, muss ein neuer Hopfen etwas bieten, das ihn wirklich unterscheidbar macht.


Die amerikanische Hopfenwelt wird nicht einfach „fruchtiger“

An dieser Stelle lohnt sich eine wichtige Einschränkung.

Es wäre zu einfach, die Entwicklung des US-Hopfen so darzustellen:

Cascade → Citra → immer mehr Frucht

So funktioniert es nicht.

Die amerikanische Hopfenzüchtung entwickelt sich in verschiedene Richtungen.

Citrus

Cascade
Centennial
Amarillo

Pine / Resin

Chinook
Columbus
Simcoe

Tropical Fruit

Citra
Mosaic
Idaho 7

Berry / Stone Fruit

Mosaic
El Dorado
Strata

Ungewöhnliche Aromaprofile

Sabro
Talus
und zahlreiche neuere Sorten

Die moderne US-Hopfenwelt ist deshalb nicht ein einzelner Geschmack.

Sie ist ein immer größer werdendes Aromaspektrum.


Welche Sorten haben Craft Beer wirklich geprägt?

Wenn wir die Sorten nicht nach Popularität, sondern nach ihrer historischen Rolle betrachten, ergibt sich eine interessante Einteilung.

Die erste Generation – die Grundlagen

Cluster

Cascade

Centennial

Chinook

Diese Sorten prägten den klassischen amerikanischen Hopfencharakter.


Die klassische IPA-Generation

Columbus / CTZ

Simcoe

Amarillo

Diese Sorten halfen dabei, American IPA und insbesondere West Coast IPA weiterzuentwickeln.


Die moderne Aroma-Generation

Citra

Mosaic

El Dorado

Idaho 7

Strata

Sabro

Diese Sorten erweiterten die Hopfenaromatik deutlich in Richtung tropischer Früchte, Beeren, Steinfrüchte und anderer ungewöhnlicher Noten.


Zehn Sorten, die man als Hobbybrauer kennen sollte

Wer gerade beginnt, sich intensiver mit US-Hopfen zu beschäftigen, muss nicht sofort hundert Sorten kennenlernen.

Mit diesen zehn lässt sich bereits eine ziemlich gute mentale Landkarte aufbauen:

HopfenTypischer EindruckBedeutung
CascadeGrapefruit, Citrus, FloralSymbol der frühen Craft-Beer-Revolution
CentennialCitrus, Floral, PineKlassiker für American IPA
ChinookPine, Resin, SpiceTypischer kräftiger US-Hopfen
Columbus / CTZResin, Dank, SpiceKlassischer kräftiger IPA-Charakter
SimcoePine, Citrus, Tropical FruitBrücke zwischen klassischem und modernem IPA
AmarilloOrange, Citrus, FruitFruchtiger Citrus-Charakter
CitraMango, Citrus, Tropical FruitIkone der modernen Aromahopfen
MosaicBerry, Tropical Fruit, Stone FruitKomplexer moderner Aromahopfen
El DoradoPear, Stone Fruit, Tropical FruitSüßere Fruchtrichtung
Idaho 7Tropical, Citrus, Pine, Stone FruitVertreter der jüngeren Generation

Diese Tabelle ist natürlich kein Ranking.

Sie ist eher eine:

Hopfen-Landkarte für den Einstieg.


Der gleiche Hopfen kann trotzdem völlig unterschiedlich wirken

Hier kommt ein wichtiger Punkt für jeden Brauer.

Wenn jemand sagt:

„Citra riecht nach Mango.“

und jemand anderes sagt:

„Für mich riecht Citra eher nach Grapefruit und Limette.“

müssen nicht beide Recht haben.

Und beide können trotzdem einen echten Eindruck beschreiben.

Denn Hopfen ist kein standardisiertes Aromakonzentrat.

Sein Profil wird beeinflusst durch:

  • Anbauort
  • Jahrgang
  • Klima
  • Erntezeitpunkt
  • α-Säure
  • Ölmenge
  • Zusammensetzung der Hopfenöle
  • Verarbeitung
  • Lagerung
  • Frische
  • Zugabetechnik
  • Gärung
  • Hefestamm
  • Bierbasis

Deshalb gilt:

Die Sorte ist der Ausgangspunkt – nicht das fertige Aroma.

Ein Brauer, der professionell mit Hopfen arbeitet, fragt daher nicht nur:

„Citra?“

sondern möglicherweise:

Aus welcher Region?

Welcher Jahrgang?

Welche Ernte?

Welche Ölanalyse?

Welche Verarbeitung?

Für welchen Einsatz?

Das Thema wird noch wichtiger, wenn wir später über die amerikanische Hopfenlieferkette sprechen.


Von Cascade zu Citra – was hat sich eigentlich verändert?

Betrachten wir die Entwicklung noch einmal aus der Sicht des Brauers.

Cascade

Hopfen kann nach Grapefruit und Zitrus schmecken.

Centennial, Chinook und Columbus

Citrus, Pinie, Harz und würzige Noten können noch intensiver werden.

Simcoe und Amarillo

Hopfen kann gleichzeitig harzig und fruchtig sein.

Citra und Mosaic

Warum sollte Bier nicht nach Mango, Passionsfrucht, Beeren und tropischen Früchten riechen?

Die neue Generation

Welche Aromen sind noch möglich?

Genau darin liegt die vielleicht wichtigste Leistung der amerikanischen Hopfenzüchtung:

Sie hat den aromatischen Werkzeugkasten des Brauers immer weiter vergrößert.


Es gibt nicht die eine Liste der „besten“ US-Hopfen

Auch deshalb sollten wir vorsichtig sein, wenn wir von „den besten amerikanischen Hopfen“ sprechen.

Ein Cascade kann für ein klassisches American Pale Ale genau das Richtige sein.

Ein Citra kann für eine Hazy IPA ideal sein.

Ein Chinook kann in einem harzigen West Coast IPA perfekt funktionieren.

Ein Sabro kann eine ganz andere Aromarichtung erzeugen.

Die Frage lautet daher nicht:

Welcher Hopfen ist der beste?

Sondern:

Welcher Hopfen passt zu dem Bier, das ich brauen möchte?

Das ist eine wesentlich bessere Frage.


US-Hopfen ist eine Geschichte der Geschmacksentwicklung

Wenn man die wichtigsten amerikanischen Sorten gemeinsam betrachtet, ergibt sich ein erstaunlicher Weg:

Cluster

↓

Cascade

↓

Centennial · Chinook · Columbus

↓

Simcoe · Amarillo

↓

Citra · Mosaic

↓

El Dorado · Idaho 7 · Strata · Sabro · Talus

Es handelt sich dabei nicht einfach um eine Abfolge von „alten“ und „neuen“ Sorten.

Es ist vielmehr eine Geschichte darüber, wie sich die Vorstellungen davon verändert haben, was Hopfen im Bier leisten kann.

Von:

Bittere

zu:

Citrus

zu:

Pine und Resin

zu:

Tropical Fruit

zu:

komplexen, teilweise völlig neuen Aromaprofilen


Und genau deshalb sind diese Sorten für Craft Beer so wichtig

Die amerikanische Hopfenrevolution bestand nie darin, eine einzelne „perfekte“ Sorte zu finden.

Sie bestand darin, immer neue Möglichkeiten zu schaffen.

Cascade zeigte, dass Grapefruit und Zitrus ein Markenzeichen eines Bieres sein können.

C-Hops definierten einen klassischen amerikanischen Hopfencharakter.

Simcoe und Amarillo erweiterten die Aromawelt.

Citra und Mosaic machten tropische und komplexe Fruchtaromen zum Kern vieler moderner IPA-Stile.

Die neueren Sorten gehen noch einen Schritt weiter.

Heute geht es nicht mehr nur darum:

„Wie viel Hopfen kann ich verwenden?“

Sondern:

„Welches Aroma möchte ich im Glas erzeugen?“

Das ist vielleicht die wichtigste Veränderung, die US-Hopfen in den vergangenen Jahrzehnten bewirkt hat.


Was kommt als Nächstes?

Bis jetzt haben wir uns die wichtigsten Sorten einzeln angesehen.

Aber einige dieser Sorten werden besonders interessant, wenn man sie kombiniert.

Denn amerikanische Brauer denken beim Hopfen selten nur in einzelnen Sorten.

Sie bauen daraus regelrechte Aromakompositionen.

Zum Beispiel:

Cascade + Centennial

Simcoe + Amarillo

Citra + Mosaic

Citra + Simcoe

Mosaic + El Dorado

Warum funktionieren manche Kombinationen so gut?

Welche Hopfen ergänzen sich?

Welche Aromen verstärken sich gegenseitig?

Und warum gehören Cascade, Centennial, Chinook und Columbus zu den klassischen Kombinationen der amerikanischen IPA-Geschichte?

Im nächsten Beitrag schauen wir uns deshalb die berühmten C-Hops genauer an und versuchen zu verstehen, warum aus vier Sorten eine der wichtigsten Aromasprachen des amerikanischen Craft Beer entstanden ist.

C-Hops verstehen: Cascade, Centennial, Chinook und Columbus – die klassische US-Hopfenformel

Bild Quelle: FotoRichter von Pixabay

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